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In Neuseeland boomt offenbar gerade "Buy Now, Pay Later", und die Kette Hell Pizza treibt das auf die Spitze: Ihr Programm "Afterlife Pay" ermöglicht es, die gesammelten Pizza-Rechnungen erst nach dem Tod zu bezahlen. Dazu muss eine rechtlich bindende Nachlass-Verfügung abgegeben werden. Das ist ernst gemeint, aber natürlich vor allem Marketing: Hell Pizza beschränkt das Angebot auf jeweils 666 Leute in Neuseeland und Australien. Bewerbungen sind noch möglich.
HANDEL NATIONAL
Fahrrad-Markt in der Krise (auch online)
Wiwo.de befürchtet "eine großflächige Konsolidierung" im Fahrradhandel – auch online. So habe der 2019 gegründete Ebike-Outletstore.de nach stürmischer, pandemiegetriebener Expansion vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet. Bike 24 sei im Juni 2021 mit 15 Euro pro Aktie an die Börse gegangen und liege gegenwärtig bei drei Euro. Im ersten Quartal habe Bike 24 einen Umsatzrückgang um 10,5 Prozent auf 55,3 Mio. Euro verbucht. Ein Grund sei der aktuelle Preiskampf, denn viele Händler hätten wegen der Lieferkettenprobleme viel geordert, und das werde jetzt tatsächlich geliefert und führe zu Überkapazitäten. Wegen des Über-Trends Fahrrad blicke Bike 24 aber optimistisch auf die kommenden Monate.
Service Value bewertet Online-Shops
Gut möglich, dass viele Online-Shops demnächst Post von Service Value bekommen, wenn das nicht schon passiert ist: Das Marketing-Unternehmen hat aufgrund einer Kundenbefragung 1.800 stationäre Händler und Online-Shops bewertet und Ranglisten erstellt. Die zehn E-Commerce-Spartensieger sind laut Pressemitteilung Amazon.de, Adidas.de, Cafori.com/de-de, Eventim.de, Zalando.de, Otto-Gourmet.de, Kraemer.de, Thalia.de, Jako-o.de und Alles-Rahmen.de. Zum Geschäftsmodell von Service Value gehört es, gut bewerteten Unternehmen (nicht nur den Spartensiegern) die Nutzung eines Siegels zu verkaufen.
Viermal Ebay in Deutschland
- Ebay hat sich deutlich von den Ursprüngen der Auktionsplattform entfernt: 80 Prozent des Geschäfts in Deutschland sei B-to-C, 20 Prozent C-to-C. Das sagte Oliver Klinck, Geschäftsführer von Ebay Deutschland, vorige Woche während der Konferenz EHI Connect in Düsseldorf. Das Unternehmen zähle hierzulande mehr als 100.000 aktive gewerbliche Händler.
- Um Händler die Umsetzung der Energieetikettierungspflicht zu ermöglichen, erlaubt es eine neue Funktion, Bilder von Energieetiketten und Produktdatenblätter in Ebay-Angebote hochzuladen. Das kündigt Ebay auf der Community-Seite an.
- Ebendort annonciert Ebay eine Funktion zur Einfügung von Gefahreninformationen im Abschnitt "Rechtliche Hinweise". Das sei Pflicht für gefährliche Stoffe und Gemische von Sprühdosen bis Rattengift. (Via Onlinemarktplatz.de.)
- Ebay hat auch für 2023 und auch in Deutschland "Ebay Awards" ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis zum 16. Juli möglich.
HANDEL INTERNATIONAL
Zwei Nachrichten zum Mode-Onliner Asos in Großbritannien
- Im Rahmen einer umfassenden Refinanzierung in Höhe von 350 Mio. Pfund (402,5 Mio. Euro) sammelt das Unternehmen 75 Mio. Pfund durch eine Aktienplatzierung ein, berichtet Textilwirtschaft.de. Das Geld fließe in den Turnaround-Plan "Driving Change". Die Platzierung von Aktien mache Asos aber auch zum Übernahmekandidaten.
- Asos selbst meldet die erste Mietkollektion, die der Händler seit voriger Woche über den Miet-Marktplatz Hirestreet anbiete. Zum Start seien rund 180 Stücke verfügbar, "vor allem Abendgarderobe für Frauen – rechtzeitig zur Hochzeits-Saison". Vertreten seien die Eigenmarken "Asos Design", "Asos Edition" und "Asos Luxe" in den Größen "Curve", "Petite" und "Tall". Miete sei ab 20 Pfund für vier, zehn oder 30 Tage möglich.
Frankreich: E-Bike-Start-up Loewi erhält eine Mio. Euro
Das französische Start-up Loewi, spezialisiert auf aufgearbeitete, gebrauchte E-Bikes, hat eine Mio. Euro an Finanzierung erhalten. Tech.eu zufolge soll das Geld in die Erweiterung der Refurbish-Kapazitäten fließen. Geplant sei der Verkauf von 300 Rädern pro Monat. Loewi verkaufe über Decathlon, Back Market und Alltricks, aber auch über den eigenen Online-Shop.
USA: Instacart wird zur Werbeplattform
Jochen Krisch weist in seinem Blog Excitingcommerce.de darauf hin, dass der US-amerikanische Lebensmittel-Lieferer Instacart im Jahr 2022 mit Werbung 740 Mio. US-Dollar erwirtschaftet hat, ein Plus von 30 Prozent. Das entspreche 30 Prozent des Gesamtumsatzes, 2021 sollen es noch 20 Prozent gewesen sein. Anders gesagt: Der Anteil des Werbegeschäfts ist um die Hälfte gestiegen. "Wer sich also (immer noch) fragt, womit die großen Foodplayer einmal ihr Geld verdienen werden, bekommt hier eine Ahnung", so Krisch.
Südostasien: Tiktok Shop gräbt Wettbewerbern Geschäft ab
Tiktok Shop expandiere auf aggressive Weise in Südostasien und attackiere die E-Commerce-Plattformen Shopee (Sea Group) und Lazada (Alibaba). Das schreibt CNBC.com und fügt unter Berufung auf verschiedene Quellen hinzu, Tiktok Shop habe 2022 in der Region einen Bruttowarenwert (GMV) von 4,4 Mrd. US-Dollar erreicht, Shopee allerdings 73,5 Mrd. Dollar und Lazada 21 Mrd. Dollar (bis September 2021). Dennoch habe eine Studie gezeigt, dass Tiktok-Shop-Kunden der Länder Indonesien, Thailand und Philippinen ihre Ausgaben in anderen Kanälen deutlich reduzieren: auf Shopee um 51, auf Lazada um 45 und im stationären Handel um 38 Prozent. À propos Tiktok: Businessinsider.com beleuchtet die wachsende Rolle der Plattform für die Planung von Hochzeiten, zumindest in den USA. Schließlich versuche jeder Shop und jeder Wedding Planner, sich durch Tipps zu profilieren. Das werde auch genutzt.
Shein will in Mexiko und Brasilien produzieren
Der Fast-Fashion-Onliner Shein will künftig in Mexiko und Brasilien Kleidung herstellen. Fashionunited.de zufolge hat das vor allem zwei Gründe: 1) die bessere Abstimmung auf regionale Märkte, 2) mehr Unabhängigkeit von China, um Probleme in den USA zu vermeiden. Für die beiden Länder würden zwei Mrd. US-Dollar bereitgestellt. In Brasilien sollen "bis Ende 2026 85 Prozent des Umsatzes von lokalen Herstellungsbetrieben und Händlern erwirtschaftet werden", so der Bericht.
USA: McDonald's und Chic-fil-A bauen Geo-Tracking in die Apps
Damit die Online-Bestellungen genau dann fertig sind, wenn die Kunden zum Abholen eintreffen, führen die US-Fastfood-Ketten McDonald's und Chic-fil-A Standort-Tracker in ihren Apps ein. Wie Foxbusiness.com berichtet, sollen damit Wartezeiten verringert und die Zufriedenheit erhöht werden. McDonald's pilotiere die Funktion derzeit, die Restaurants bekämen Bescheid, wenn ein Gast noch drei Minuten entfernt sei. Chic-fil-A wolle den Service im Frühsommer bereits ausrollen, ein Test in 100 Restaurants habe ergeben, dass sich die Wartezeit um ein bis zwei Minuten reduziere. Umgekehrt erhielten die Kunden eine geschätzte Essen-ist-fertig!-Zeit.
Ein bisschen Klatsch über Amazon
- Handelszeitung.ch schaut sich die Schwungrad-Effekte des Amazon-Marktplatzes an (mehr Kunden –> mehr Händler –> mehr Kunden usw.) und kommt zum Schluss: Diese Effekte gebe es eher im Software- und Cloud-Geschäft als auf dem Marktplatz. Jedenfalls in der Schweiz hätten die großen lokalen Händler "erfolgreich eine brauchbare hybride Offline-Online-Strategie entwickelt", was das Schwungrad für Amazon bremse.
- Sarah Rhoads, bisher verantwortlich für das Luftfracht-Geschäft von Amazon, wechselt radikal die Rollen: CNBC.com zufolge ist sie jetzt für Arbeitsplatz-Sicherheit zuständig, außerdem für "learning and development". Ihr Nachfolger werde Raoul Sreenivasan.
- Das japanische Konzept Kaizen (kontinuierliche Verbesserung) definiert Amazon für sich wie folgt: "ein formeller Prozess, der die Mitarbeiter befähigt, Verantwortung für einen Arbeitsablauf zu übernehmen oder für einen Fehler, der ihrer Meinung nach behoben werden kann". So das Unternehmens-Blog nach einem Besuch des Amazon-Stores-Chefs Doug Herrington in Japan.
- Businessinsider.com geht der drängenden Frage nach, warum Jeff Bezos so schlank und muskulös aussehe: Er esse keine Schachtel Kekse mehr zum Frühstück, gehe ins Fitness-Studio (mit dem Fitness-Trainer seiner Verlobten Lauren Sanchez) und schlafe mehr. Aha.
TRENDS & TECH
Shopware führt eine Reihe von KI-Tools ein
E-Commerce-Software-Spezialist Shopware kündigt eine Reihe von Funktionen auf der Basis von Methoden künstlicher Intelligenz (KI oder AI) an: Der "AI Copilot" sei "ein Paket revolutionärer Features, die den Onlinehandel auf ein neues Level heben werden", so die Pressemitteilung. Sie nennt unter anderem: die AI-gestützte Zusammenfassung von Produktbewertungen zur Veröffentlichung im Shop, die automatische Verschlagwortung von Bildern, die Erstellung und Übersetzung von Texten, inklusive auf den Warenkorb abgestimmter Nachrichten an die Kunden, sowie automatisierte Kundenklassifizierungen. À propos Shopware: Laut Lebensmittelzeitung.net zieht Ex-Douglas-CEO Tina Müller in den Aufsichtsrat ein.
NACHHALTIGKEIT
Amazon gibt "Shipment Zero" auf
Im Februar 2019 hatte Amazon "Shipment Zero" angekündigt: Bis 2030, so der Plan, sollten 50 Prozent aller Sendungen kohlenstoffneutral sein. Dieses Ziel hat Amazon jetzt offenbar gekippt. SiliconRepublic.com zitiert Amazon damit, dass es nicht mehr zeitgemäß sei, Klimaziele nur für einen Bereich zu formulieren. Inzwischen gebe es "The Climate Pledge" (gegründet im September 2019) mit den Zielen, bis 2040 unternehmensweit CO2-neutral zu arbeiten und bis 2030 ausschließlich erneuerbare Energien einzukaufen. Diese Ziele gälten weiterhin.
Fedex liefert jetzt auch Emissionsdaten
Logistiker Fedex hat für die USA "Fedex Sustainability Insights" angekündigt: Das Tool "nutzt aktuelle Netzwerk-Scandaten als Grundlage für Emissions-Reporting", so die Pressemitteilung. Die cloudbasierte Engine schätze die CO2-Äquivalenzen sowohl für einzelne Vorgänge als auch für ganze Fedex.com-Konten nahezu in Echtzeit ein. Auf der Basis kündigt Fedex neue Tools für E-Commerce-Kunden an. So ermögliche eine neue Programmierschnittstelle (API) die Übertragung von Emissionsdaten ins Händlersystem, unter anderem für das Management von Lieferketten.
Redakteur
Stefan Becker arbeitet seit Sommer 2022 als Redakteur für „Der Handel“ und Etailment.de, nachdem er zuvor ein gutes Jahr als freier Mitarbeiter dabei war. Der Diplom-Journalist (TU Dortmund) kommt aus dem Lokaljournalismus („Recklinghäuser Zeitung“, Volontariat beim „Solinger Tageblatt“) und verbindet im Deutschen Fachverlag seine Erfahrungen aus dem Verbraucher- (sieben Jahre „Öko-Test“) und dem Fachzeitschriften-Journalismus (sechs Jahre „Touristik-Report“).
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