
Flink, Software AG, Zalando, Tiktok-Verbot, Inflation, Amazon, Softwareone, Swiss Fintech Awards, Pornoplattformen, Netto-Null-Ziel
Aktuelle E-Commerce-News: Flink, Software AG, Zalando, Tiktok-Verbot, Inflation, Amazon, Softwareone, Swiss Fintech Awards und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Flink erhält 100 Mio. Euro an weiteren Investitionen
Der Berliner Lieferdienst Flink erhält von seinen bestehenden Investoren eine weitere Finanzierung in Höhe von 100 Mio. Euro, berichtet Businessinsider.de. Ein Drittel der Summe sei bereits geflossen, der Zeitpunkt der Restzahlung hänge von den Ergebnissen der laufenden Verhandlungen mit Getir und Just Eat Takeaway ab, die an einer Fusion interessiert sind. Rewe war im Mai 2023 eingesprungen, um eine Übernahme von Flink durch den türkischen Konkurrenten Getir zu verhindern. Der Markt für Lieferdienste ist seit dem Ende der Pandemie hart umkämpft, auch Flink musste zwischen 2022 und 2023 rund 8.000 Mitarbeiter abbauen.
Software AG verkauft Trendminer für 47 Mio. Euro
Die Darmstädter Software AG verkauft laut Heise.de ihre Analyseplattform Trendminer für 47 Mio. Euro an Proemion aus Fulda. Erst im September hatte die Software AG ihre Integrationsplattformen Webmethods und Streamsets für rund 2,13 Mrd. Euro an IBM veräußert. Das Unternehmen befindet sich seit Mitte 2023 im Besitz der Private-Equity-Gesellschaft Silver Lake, die 92 Prozent der Anteile hält. Ein Delisting ist für dieses Jahr geplant.
Zoll vermutet organisierte Kriminalität im Paketmarkt
Die Finanzkontrolle sieht in Teilen der Kurier-, Express- und Paketbranche Ansätze zur organisierten Kriminalität, wie es laut Spiegel.de in einem Schreiben an das Bundesfinanzministerium heißt. Vor allem die weit verbreiteten Subunternehmerketten erschwerten eine Kontrolle, da die Beschäftigten ihre Arbeitgeber oft nicht benennen könnten, weil diese ständig wechselten. Die Bundesregierung hat Ende 2023 eine Reform des Postgesetzes auf den Weg gebracht, die Abschaffung der Subunternehmerstrukturen ist darin aber nicht vorgesehen. Auch die Zustimmung von Bundesrat und Bundestag steht noch aus.
Zalando verklagt Europäische Kommission
Der Onlinehändler Zalando hat rechtliche Schritte gegen die Europäische Kommission eingeleitet, berichtet Fashionunited.de. Die Kommission habe es versäumt, die Berechnung der jährlichen Gebühr, die die Plattform laut DSA zahlen muss, transparent zu machen. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Berliner Unternehmen gegen seine Einstufung als „sehr große Online-Plattform“ geklagt, nachdem die Kommission bei der Berechnung der Nutzerzahlen auch stationäre Outlets in zwölf deutschen Städten miteinbezogen hatte. Zwei förmliche Auskunftsersuchen von Zalando mit der Bitte um Erläuterung, wie die Jahresgebühr für VLOPs berechnet wird, hat die Kommission bereits zurückgewiesen.
HANDEL INTERNATIONAL
Repräsentantenhaus beschließt Tiktok-Verbot
Das US-Repräsentantenhaus hat zum zweiten Mal ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die chinesische Kurzvideoplattform Tiktok verbieten würde, wenn die Muttergesellschaft Bytedance sie nicht innerhalb von neun Monaten an US-Käufer veräußert. Ein erster Entwurf war laut Zeit.de im Senat stecken geblieben. Diesmal ist das Gesetz mit anderen, etwa zur Ukraine-Hilfe, gebündelt, so dass eine Mehrheit im Senat als wahrscheinlich gilt. Auch Präsident Biden hat seine Zustimmung signalisiert.
Inflation sinkt weltweit
Laut dem „Economics Experts Survey“ des Ifo-Instituts und des Instituts für Schweizerische Wirtschaftspolitik wird die Inflation weltweit in diesem Jahr auf 4,6 Prozent sinken und 2027 bei vier Prozent angekommen sein. Für Westeuropa erwarten die 1.508 befragten Wirtschaftsexperten in diesem Jahr eine Rate von 2,8 Prozent, die bis 2027 auf zwei Prozent fallen wird. Mit 20 Prozent errechnet die Umfrage für Südamerika und weite Teile Afrikas eine besonders hohe Teuerung.
Amazonhändler durch betrügerische Retouren bedroht
Amazon-Händler in den USA klagen zunehmend über betrügerische Rücksendungen, zitiert Onlinehaendler-News.de einen Bericht des Wall Street Journal. Laut der National Retail Federation seien im Jahr 2023 mehr als 13 Prozent aller Rücksendungen betrügerisch gewesen, der Schaden liege bei mehr als 100 Mrd. Dollar. Anbieter von Haushaltswaren erhielten beispielsweise gebrauchte Seifenstücke zurück; statt Kaffee findet sich Weihnachtsdekoration, statt eines Nageletuis ein gebrauchten Krallenschneider für Hunde im Paket – natürlich nach erfolgter Rückerstattung. Generell werfen Drittanbieter Amazon vor, nicht gegen solche Betrügereien vorzugehen oder die Abwicklung so zu erschweren, dass viele lieber den Verlust in Kauf nehmen.
Softwareone wechselt Vorstand für eine Übernahme
Die Gründungsaktionäre der Schweizer Softwareone haben den bisherigen Vorstand komplett durch ihre Kandidaten ausgetauscht, berichtet Swissinfo.ch. Vorausgegangen waren mehrere Übernahmeangebote von Bain Capital, die beispielsweise im Januar 18,80 Franken pro Aktie geboten hatten, aber stets abgelehnt wurden. Der neue Vorstandsvorsitzende machte deutlich, dass man nach dem Wechsel „für alle Bieter offen“ sei, von Bain hieß es jedoch, man denke nicht über ein neues Angebot nach. Der Aktienkurs schloss am Freitag bei 16,70 Franken.
Swiss Fintech Awards nominieren zehn Kandidaten
Die von Schweizer Banken, Versicherungen, Investoren, Verbänden, Medien und Hochschulen initiierten Swiss Fintech Awards haben zehn Kandidaten nominiert, die bis zur Preisverleihung am 11. Juni im Rahmen des Award-Programms mit Coaching und Networking begleitet werden. Laut Finews.ch wurden in der Kategorie Early Stage Climada, Cyberion, Evorest, Kaspar& und Neu.ron AI ausgewählt, in der Kategorie Growth Stage ARF, Divizend, Gentwo, Payrexx und We Can.
TRENDS & TECH
Eco-Beschwerdestelle meldet Rekordstand an Verstößen
Bei der Beschwerdestelle des Eco-Verbands der Internetwirtschaft gingen im Jahr 2023 laut Onlinemarktplatz.de 17.493 berechtigte Beschwerden ein, davon waren 91 Prozent Hinweise auf sexuelle Gewalt und sexuelle Grenzverletzungen gegenüber Kindern und Jugendlichen. In Deutschland gehostete Webseiten mit Darstellungen sexueller Gewalt, insbesondere gegen Kinder, konnten in 100 Prozent aller Fälle in durchschnittlich 1,86 Tagen gelöscht werden. Insgesamt erreichten den Verein 65.998 Beschwerden, wobei fast zwei Drittel der Hinweisgeber anonym blieben.
Die Hälfte der Beschäftigten befürchtet Entmündigung durch KI
52 Prozent der Beschäftigten, die noch keine Erfahrung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz haben, befürchten, durch sie entmündigt zu werden, bei den Erfahrenen sind es immerhin 45 Prozent. 76 Prozent insgesamt erwarten, dass KI leichte Analysetätigkeiten und lästige Routineaufgaben übernehmen wird, so der „HR-Report 2024“ des Spezialisten für Personallösungen Hayes in Zusammenarbeit mit dem Institut für Beschäftigung und Employability. In der Gruppe der KI-Nutzer erwarten 30 Prozent einen Rückgang der Beschäftigung durch KI, bei den Nicht-Nutzern sind es 46 Prozent.
EU stuft drei Pornoplattformen als VLOPs ein
Ab heute müssen sich die Pornoplattformen Pornhub, Stripchat und Xvideos laut Heise.de an die strengsten Regeln des DSA halten, da sie von der EU-Kommission als „sehr große Onlineportale“ eingestuft wurden. Dies gilt für alle Dienste, die mehr als zehn Prozent der EU-Bürger erreichen, was mehr als 45 Mio. Nutzern entspricht. Ebay fällt nicht unter diese Regelung. Die drei Plattformen haben somit vier Monate Zeit, um eine Risikoanalyse hinsichtlich illegaler und schädlicher Inhalte vorzulegen und ein Online-Altersverifikationssystem zum Schutz von Kindern und Jugendlichen einzurichten.
NACHHALTIGKEIT
Anteil der Unternehmen mit Netto-Null-Ziel erhöht sich kaum
Anfang 2024 hatten 38 Prozent der 9.000 vom US-Finanzdienstleister MSCI befragten börsennotierten Unternehmen weltweit ein Netto-Null-Emissionsziel für das Jahr 2050, berichtet Handelszeitung.ch. Im Vorjahr waren es bereits 37 Prozent gewesen. Immerhin ein Fünftel der Unternehmen will sich mittlerweile bei seinen Klimazielen wissenschaftlichen Standards unterwerfen, im Vorjahr waren es nur zwölf Prozent. Die Initiative für wissenschaftsbasierte Ziele (Science-Based-Targets Initiative/SBTI) bietet Unternehmen bewährte Verfahren zur Reduzierung sowie technische Unterstützung und Expertenressourcen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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