
Internetstores, C&A, Otto, Mondu, Geschäftsklimaindex, Weltbild, Temu, Klarna, Pattern, Publicis, Firefox, Re-Commerce-Markt
Aktuelle E-Commerce-News: Internetstores, C&A, Otto, Mondu, Geschäftsklimaindex, Weltbild, Temu, Klarna, Pattern, Publicis und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Internetstores wird liquidiert
Nachdem am 1. Januar beim Amtsgericht Bielefeld das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Internetstores GmbH eröffnet wurde, teilte Insolvenzverwalter Christian Gerloff laut Fashionunited.de nun mit, dass kein tragfähiges Angebot zur Fortführung des Geschäftsbetriebs vorliege und daher Maßnahmen zur Liquidation eingeleitet worden seien. Allerdings gebe es Verhandlungen oder sogar verbindliche Angebote über einzelne Vermögenswerte. Internetstores war im Zuge der Insolvenz der Muttergesellschaft Signa Sports United zahlungsunfähig geworden und betrieb 32 Online-Shops rund um das Thema Sport mit dem Schwerpunkt Fahrrad.
C&A verlässt Amazon und Zalando
Der Modehändler C&A hat in einer Pressemitteilung angekündigt, „die Zusammenarbeit mit Amazon, Wehkamp und Zalando in den kommenden Wochen kontrolliert zu beenden“. Das Unternehmen war 2021 dem Connected Retail-Programm von Zalando beigetreten und nutzt seit 2022 dessen Fulfillment, während es eine Auswahl an Produkten auch auf Amazon anbot. Die Umsätze auf den Marktplätzen stiegen zwar stetig, die Margen erwiesen sich im Vergleich jedoch als zu gering. In Zukunft will das Unternehmen vorrangig die Kundenbindung über eigene digitale Kanäle ausbauen.
Otto präsentiert Live-Shopping-App für Apple TV
Besitzer eines Apple TV können ab sofort die neue Live-Shopping-App von Otto herunterladen, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Damit lassen sich entweder aufgezeichnete Events anschauen oder eine Live-Shopping-Show verfolgen. Auf dem Fernseher können sie zudem den Chat verfolgen oder mit dem Smartphone den eingeblendeten QR-Code der gezeigten Produkte scannen und bei Interesse direkt auf Otto.de kaufen. Otto hat bereits seit 2021 Erfahrungen mit Live-Shopping-Shows mit Partnern wie Philipps, Bosch, Tommy Hilfiger oder Apple gesammelt. Wer kein Apple TV besitzt, kann die Events als Trostpflaster auch auf der Website oder der Smartphone-App verfolgen.
Gesamtumsätze im E-Commerce 2023 deutlich gesunken
Der Bruttoumsatz mit Waren sank im deutschen E-Commerce im Jahr 2023 um 11,8 Prozent auf 79,7 Mrd. Euro (2022: 90,4 Mrd. Euro), meldet der BEVH. Der Marktanteil am gesamten Einzelhandel sank auf 10,2 Prozent (2022: 11,8 Prozent). Die Marktplätze verloren 8,5 Prozent und die Online-Händler 14,7 Prozent, lagen aber immer noch 19,0 Prozent bzw. 7,0 Prozent über dem Umsatz vor der Pandemie. Der Anteil der Kunden, die in der letzten Woche online eingekauft haben, fiel auf 34,3 Prozent und damit unter den Durchschnitt der letzten vier Jahre. Zum Vergleich: 2019 betrug der Anteil 40 Prozent. Gründe dafür könnten neben der gesunkenen Ausgabenbereitschaft auch der Trend zum Re-Commerce und die geringere Skepsis gegenüber ausländischen Shops sein, vor allem wenn deren Preise niedriger sind.
Mondu nimmt weiteren Kredit über 50 Mio. Euro auf
Das Fintech-Start-up Mondu hat bei der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank aus Reinheim bei Darmstadt einen Kredit über 50 Mio. Euro aufgenommen und erhält in der ersten Tranche 30 Mio. Euro. Wie Businessinsider.de erläutert, ist die Finanzierung über Fremdkapital statt Eigenkapital sinnvoll, da es sich quasi um ein Darlehen an die Kreditbank des Unternehmens handelt. Das Geschäftsmodell von Mondu ist eine Business-Payment-Lösung im Sinne der BNPL-Angebote für Privatpersonen, wie z.B. Klarna. Solange die Rendite aus der Zwischenfinanzierung für die Kunden höher ist als die Kosten für die aufgenommenen Kredite, sind folgerichtig die Kapitalkosten optimiert.
Geschäftsklima verschlechtert sich im Januar
Zu Beginn des neuen Jahres hat sich die Stimmung in der Wirtschaft weiter eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Januar von 86,3 auf 85,2 Punkte. Die aktuelle Lage wird von den Unternehmen insgesamt negativer bewertet und die Erwartungen für die kommenden Monate sind eher pessimistisch. Dies gilt für den Einzel- und Großhandel, den Dienstleistungssektor und das Baugewerbe, lediglich das Verarbeitende Gewerbe ist mit der Entwicklung etwas zufriedener als im Vormonat.
D2C Recommerce übernimmt Myswooop
Die D2C Recommerce, eine Tochtergesellschaft von Weltbild, übernimmt laut Pressemitteilung die Mehrheit an den Bremer Refurbished-Spezialisten Myswooop. Diese haben sich seit ihrem Start 2011 zur Multichannel-Re-Commerce-Plattform mit einer Million aktiver Kunden und 400 Partnern im stationären Handel entwickelt. Nutzer können bei Myswooop nicht nur runderneuerte Smartphones, Laptops und Konsolen kaufen, sondern auch ihre Altgeräte verkaufen. Für die Beurteilung der Produktqualität hat das Unternehmen eine eigene Software entwickelt.
HANDEL INTERNATIONAL
Temu öffnet sich für amerikanische und europäische Verkäufer
Der Low-Cost-Marktplatz Temu hat angekündigt, ab März auch amerikanische und kurz darauf auch europäische Verkäufer zuzulassen. Bisher kamen die über 100.000 Anbieter ausschließlich aus China, da Logistik, Preisgestaltung und Marketing zentral von Temu gesteuert wurden. Das soll sich nun ändern: Die nicht-chinesischen Anbieter dürfen ihre Waren selbst bepreisen und versenden, müssen sich aber auch selbst um ihr Marketing kümmern. Mit diesem Schritt tritt das Unternehmen noch deutlicher in Konkurrenz zu Amazon.
Klarna bietet eine Abo-Lösung an
Das schwedische Fintech-Unternehmen Klarna hat sein Abonnement „Klarna Plus“ für 7,99 Dollar pro Monat angekündigt. Zu den Vorteilen gehören der Wegfall zusätzlicher Servicegebühren bei der Nutzung der One-TimeCard – einer virtuellen Einweg-Zahlungskarte, doppelte Punkte im Prämien-Club und der Zugang zu exklusiven Rabatten. Wie Techcrunch.com vermutet, könnte die Einführung eines Abonnements mit dem geplanten Börsengang des Unternehmens zusammenhängen, um die wiederkehrenden Einnahmen zu erhöhen, die für potenzielle Investoren stabiler und vorhersehbarer sind.
Pattern bietet Full-Service-Lösung für Tiktok Shop
Der E-Commerce-Accelerator Pattern aus Utah hat seine Influencer-Marketing-Plattform „Current“ für Kunden und Marken, die auf Tiktok Shop verkaufen wollen, erweitert, berichtet Retailtimes.co.uk. Der Leistungsumfang reicht von der Einrichtung des Shops, der Produktion von Inhalten und Live-Streams über die Suche nach den richtigen Affiliates bis hin zur Bestellabwicklung und dem Fulfillment. Auch die Integration der Softwarelösung in die bestehende digitale Infrastruktur ist gewährleistet.
Vertrauen ist Schlüsselfaktor im Onlineshopping
62 Prozent der von Klarna befragten Verbraucher fühlen sich sicherer, wenn sie auf den Seiten bekannter Onlineshops surfen, weil sie erwarten, dort nicht vor unerwarteten Problemen zu stehen**. Die sichere Bezahlung liegt 66 Prozent am Herzen** und sie legen Wert darauf, dass ihre Daten vor Identitätsdiebstahl und Kartenbetrug geschützt sind. 47 Prozent der Deutschen würden am liebsten per Rechnung bezahlen. Für 42 Prozent spielen auch Zertifikate von vertrauenswürdigen Organisationen wie beispielsweise Trusted Shops oder dem EHI Retail Institut eine wichtige Rolle. Für die Studie befragte die Forschungsagentur Nepa laut Pressemitteilung 16.370 Onlineshopper aus 16 Ländern.
Publicis will erste KI-Agentur werden
Die französische Publicis-Gruppe, spezialisiert auf multinationale Werbung und Public Relation, hat angekündigt, durch die Einbindung einer eigenen künstlichen Intelligenz namens CoreAI, zur ersten KI-Agentur werden zu wollen, berichtet Wallstreet-Online.de. Die Gruppe begann in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 mit der Entwicklung von CoreAI und plant, die Funktionen in der ersten Hälfte des Jahres 2024 schrittweise einzuführen. Mehrere Billionen Datenpunkte sollen allen Mitarbeitern und Unternehmenzweigen zur Verfügung gestellt werden. Die Investition soll alleine dieses Jahr über 100 Mio. Euro betragen und durch die entstehenden Effizienzsteigerungen finanziert werden.
TRENDS & TECH
Firefox erkennt gefälschte Bewertungen bei Amazon
Die neue Version 122 von Firefox soll gefälschte Bewertungen bei Amazon erkennen können, berichtet Computerbild.de. Die Aktivierung ist wegen des momentanen Betastadiums nur über das Eintippen von „browser.shopping.experience2023.enabled“ auf der internen Webpage „about:config“ möglich. Danach öffnet sich beim Besuchen von Amazon auf der rechten Seite des Browserfensters der Rezensionsprüfer, der unzulässige Bewertungen entfernt und wichtige Highlights herauspickt. Was die Softwarelösung leider nicht kann, ist die Qualität des Produkts zu beurteilen.
NACHHALTIGKEIT
Re-Commerce-Markt wächst zukünftig um 27 Prozent
Laut einer Studie von Cross-Border Commerce Europe wird der europäische Re-Commerce-Markt bis 2025 fünfmal schneller wachsen als der gesamte Einzelhandelsmarkt. Rückblickend wird der Markt für Reparatur, Wiederaufbereitung, Vermietung, Aufbereitung, Secondhand und Wiederverkauf für das Jahr 2021 auf 75 Mrd. Euro geschätzt – 2023 erreichte er bereits 94 Mrd. Euro und hat somit einen Anteil von 12,3 Prozent am gesamten E-Commerce erreicht. Für das Jahr 2025 schätzen die Forscher den Umsatz auf 120 Mrd. Euro, was einer Steigerung von 27 Prozent entspräche.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge