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Aktuelle E-Commerce-News: Knuspr, Temu, Plattformarbeiter, Uber, Nachhaltigkeitsberichte, Paypal, Rezession, Mantle, Jow und weitere Themen im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Knuspr startet in Berlin
Der Online-Supermarkt Knuspr will laut Pressemitteilung noch in diesem Frühjahr seinen Lieferservice auf 200 Berliner Postleitzahlgebiete mit insgesamt vier Mio. Einwohnern ausweiten. Ziel ist es, Berlin innerhalb eines Jahres zum wichtigsten Standort auszubauen. In München, wo das Unternehmen im August 2021 gegründet wurde, arbeitet es nach der Übernahme des Konkurrenten Bringmeister seit November 2023 profitabel. Zum Start in der Bundeshauptstadt werden 15.000 Produkte und tausende Apothekenartikel in der App verfügbar sein. Knuspr rechnet damit, dass sich auch in Berlin Lebensmittel von lokalen Partnern am besten verkaufen werden.
Verbände fordern Vorgehen gegen Temu
Der Handelsverband Deutschland fordert von der Politik ein konsequenteres Vorgehen gegen den chinesischen Billiganbieter Temu, der sich im Gegensatz zu seinen deutschen Konkurrenten nicht an die Regeln des Lieferkettengesetzes halten muss, weil die zuständige Bundesbehörde nichts unternimmt, berichtet Lebensmittelzeitung.net. Das Institut für Handelsforschung besteht darauf, dass für Unternehmen aus Fernost die gleichen Regeln gelten müssen wie für deutsche, insbesondere bei der Kennzeichnungspflicht. Auch der Bundesverband E-Commerce & Versandhandel verlangt, dass vor allem die strengen Anforderungen an die Produktsicherheit durchgesetzt werden müssen.
HANDEL INTERNATIONAL
EU-Einigung für mehr Rechte von Plattformarbeitern
Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten haben sich darauf geeinigt, Menschen, die für Online-Plattformen etwa als Fahrer, Kurier oder Hausangestellte arbeiten, künftig vermehrt vor Scheinselbstständigkeit zu schützen, berichtet Handelsblatt.com. In Europa arbeiten rund 40 Millionen Menschen als sogenannte Plattformarbeiter. Die Beweislast, dass ihre Mitarbeiter keine Scheinselbstständigen sind, läge bei Verabschiedung eines Gesetzes bei den Plattformen. Indizien dafür wären zum Beispiel Lohnobergrenzen oder eine umfassende Überwachung. Die Zustimmung zu einem entsprechenden Entwurf ist jedoch ungewiss, insbesondere die Positionen von Deutschland und Frankreich gelten als unsicher.
Uber schreibt zum ersten Mal schwarze Zahlen
Uber hat zum ersten Mal in seiner 15-jährigen Geschichte schwarze Zahlen geschrieben, berichtet Businessinsider.com. Bei durchschnittlich rund 26 Mio. Uber-Fahrten pro Tag belief sich der Betriebsgewinn im Jahr 2023 auf 1,1 Mrd. Dollar gegenüber einem Verlust von 1,8 Mrd. Dollar im Vorjahr. Möglich wurde dies durch die Anhebung der Fahrpreise, den Verzicht auf spekulative Geschäfte wie die Beteiligung an Didi Chuxing und die Einführung der Abo-Lösung Uber One, welche die Nutzer zur häufigeren Nutzung der Apps des Unternehmens animiert.
Ausweitung der Nachhaltigkeitsberichterstattung verschoben
Vertreter der EU-Regierungen und des Europaparlaments haben sich darauf geeinigt, ein ursprünglich für diesen Juni geplantes zweites Paket mit neuen Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung um zwei Jahre zu verschieben, berichtet die Handelszeitung.ch. Unternehmen, die bereits zur Abgabe einer nichtfinanziellen Erklärung verpflichtet sind, müssen erstmals für das Geschäftsjahr 2024 einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen, der Kreis wird stufenweise erweitert, Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern sind für das Geschäftsjahr 2028 der letzte Schritt.
Paypal wächst, aber verliert Kunden
Paypal hat im vergangenen Quartal den Umsatz um neun Prozent auf acht Mrd. Dollar verbessert, die Zahl der abgewickelten Transaktionen stieg um 13 Prozent auf 6,8 Mrd. und das operative Ergebnis verbesserte sich um 39 Prozent auf 1,7 Mrd. Dollar. Wie IT-Times.de berichtet, hat das Unternehmen seine Prognosen übertroffen, verliert aber weiterhin Kunden: Die Zahl der Konten sank von 428 Mio. im Vorquartal auf 426 Mio., was auch auf die strategische Neuausrichtung seit 2022 zurückzuführen ist.
Rezessionsgefahr weltweit bedenklich
In Europa halten Wirtschaftsexperten die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession für einige Länder für bedenklich. In der Ukraine liegt sie bei 41 Prozent, in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden bei 38 Prozent, während die Schweiz (17 Prozent), Irland (20 Prozent), Spanien (22 Prozent), Frankreich (23 Prozent), Italien (27 Prozent), Österreich (29 Prozent) oder Belgien (29 Prozent) weniger betroffen sind. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Ifo-Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik unter 1.431 Experten aus 124 Ländern. Weltweit herrscht das größte Risiko in Israel (44 Prozent), Ecuador (48 Prozent) und Argentinien (61 Prozent). Die Vereinigten Staaten erreichen genau den globalen Durchschnitt, der bei 26 Prozent liegt.
Mantle expandiert auch nach Deutschland
Die Stockholmer Online-Hautpflegeplattform Mantle, die kürzlich 2,8 Mio. Euro an Investitionen erhalten hat, weitet ihr Geschäft in diesem Jahr auf die USA, die Niederlande und Deutschland aus, berichtet EU-Startups.com. Die Produkte des Unternehmens haben in den ersten vier Jahren ihres Bestehens für Aufsehen gesorgt, weil sie durch den Einsatz biomimetischer Inhaltsstoffe wie Cannabisöl besonders hautverträglich sind. Den Namen „Mantle“ wählten die Gründerinnen, weil der Erhalt des natürlichen Säureschutzmantels der Haut im Vordergrund steht.
Jow will auch Amerika erobern
Die französische Lebensmitteleinkaufs- und Menüempfehlungs-App Jow hat in einer Serie-A-Finanzierungsrunde 13 Mio. Dollar eingesammelt, um seinen Markteintritt in den USA zu finanzieren, berichtet Tech.eu. Während der Food-Tech-Sektor im vergangenen Jahr eine Konsolidierung erlebte, konnte das Pariser Unternehmen sechs Mio. Franzosen als Kunden gewinnen. Jow ist kein Lieferdienst und bietet weder Fertiggerichte noch Kochboxen an, sondern versteht sich als persönlicher Shopper, Küchenhelfer und Lebensberater. Bei der Anmeldung muss ein Fragenkatalog zum eigenen Haushalt, zu Essensvorlieben, eventuellen Unverträglichkeiten, Ernährungszielen oder dem Lebensmittelangebot vor Ort beantwortet werden, dann schlägt die App Gerichte vor und kann das Benötigte bei den Lebensmittelpartnern – zu denen Carrefour, Auchan und Intermarché gehören – bestellen.
TRENDS & TECH
So profitieren Händler vom Retail-Media-Boom
Von A wie Amazon bis Z wie Zalando: Immer mehr Händler nutzen ihre Plattformen, um Werbeinventar anzubieten. Werbung in Webshops und auf Marktplätzen ist zum Wachstumstreiber im E-Commerce-Marketing geworden. Etailment-Gastautor Alexander Weißenfels von Adform nennt die Gründe für den Boom und erklärt, wie sich bei Retail-Media bekannte Muster aus der Entwicklung der Onlinewerbung wiederholen.
Apple präsentiert eigene KI-Bildbearbeitung
Apple hat eine eigene KI-Bildbearbeitung veröffentlicht, mit der man Bilder durch Befehle in Alltagssprache bearbeiten kann, berichtet Apfelpage.de. Die multimodale künstliche Intelligenz, deren Namen „Guiding Instruction-based Image Editing via Multimodal Large Language Models“ bequem mit MGIE abgekürzt wird, reagiert auf einfache Eingaben per Text oder per Sprachbefehl, wie beispielsweise „Mach‘ den Himmel spannender“ – woraufhin dramatische Wolken im Hintergrund erscheinen – oder „Mach‘ meinen Bauch weg“ – woraufhin dieser verschwindet. Allerdings nur im Foto.
AI.Fashion erhält 3,6 Mio. Dollar Startkapital
AI-Fashion, ein KI-Start-up aus Los Angeles, hat sich eine Seed-Finanzierung in Höhe von 3,6 Mio. Dollar gesichert, um seine Software „Persona“ weiterzuentwickeln, berichtet Fashionunited.com. Diese ermöglicht virtuelle Fotoshootings mit Design- und Bildanpassungen in Echtzeit – allerdings mit menschlichen Models statt virtueller Avatare. So sollen Modemarken die Vorteile künstlicher Intelligenz nutzen können, ohne den für eine authentische Darstellung so wichtigen menschlichen Faktor aus den Augen zu verlieren.
NACHHALTIGKEIT
Nachhaltiger Konsum wieder im Aufwind
78 Prozent der deutschen Verbraucher achten beim Einkauf auf Nachhaltigkeit, 58 Prozent kaufen lieber weniger, dafür aber qualitätsbewusster. Der GfK-Nachhaltigkeitsindex stieg im Januar auf 94,2 Punkte, 1,6 Punkte mehr als im Oktober, aber immer noch unter dem Durchschnitt von 2022. Mit 28 Prozent liegt der Anteil der Verbraucher, die in den letzten zwölf Monaten bei größeren Anschaffungen auf Nachhaltigkeit geachtet haben, jedoch um zwei Prozent über dem Wert vom Oktober. 89 Prozent der 1.000 Befragten geben Flaschen, Dosen oder Gläser gegen Pfand zurück und 83 Prozent nutzen eigene Einkaufstaschen und Mehrwegnetze.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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