Lieferando, Depot, ZEW, Österreich, Italien, DHgate, JD.com, Amazon, KI-Ärzte, Umweltschutz, Plastik im Online-Modehandel

Lieferando, Depot, ZEW, Österreich, Italien, DHgate, JD.com, Amazon, KI-Ärzte, Umweltschutz, Plastik im Online-Modehandel

Aktuelle E-Commerce-News: Lieferando, Depot, ZEW, Österreich, Italien, DHgate, JD.com, Amazon, KI-Ärzte, Umweltschutz und weitere Themen im Überblick.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.

HANDEL NATIONAL

Lieferando streicht und erhöht Gebühren
Lieferando schafft die Paypal-Transaktionsgebühr ab (0,29 Euro) und führt gleichzeitig ein neues Serviceentgelt ein, berichtet Onlinehaendler-News.de. Seit dem 2. April würden Kunden bei Lieferungen durch Restaurants 2,5 Prozent des Bestellwerts (maximal 0,99 Euro) zusätzlich zahlen. Bei Auslieferung durch Lieferando-Fahrer schnelle die Servicegebühr sogar auf fünf Prozent (maximal 1,49 Euro). Das Unternehmen begründe dies mit Investitionen in die Plattformtechnologie und dem Wunsch nach schlankerer Gebührenstruktur.

Depot kappt Filialnetz und setzt auf Online-Handel
Der Deko-Händler Depot schließt im Rahmen seines Umstrukturierungskonzepts 54 weitere Filialen, berichtet IT-Boltwise.de. Künftig sollten nur noch 150 bis 180 der einst 400 Geschäfte überleben, wodurch rund 2.000 der insgesamt 3.300 Arbeitsplätze auf der Kippe stünden. Die wirtschaftlichen Turbulenzen hätten im Juli zum Insolvenzantrag in Eigenverwaltung geführt – Depot agiere nun als Teil der neu gegründeten GDC Deutschland GmbH. Das Unternehmen wolle künftig verstärkt auf E-Commerce setzen und Artikel direkt aus Asien liefern lassen.

US-Zollpolitik killt deutsche Konjunkturhoffnungen
Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im April dramatisch auf minus 14,0 Punkte eingebrochen, meldet das ZEW-Institut. Der Rückgang um 65,6 Punkte stelle den stärksten Einbruch seit Kriegsbeginn in der Ukraine dar. Als Hauptursache gelte Trumps erratische Handelspolitik mit den angekündigten „Reziprozitätszöllen“, die besonders exportstarke Branchen wie Automobil und Chemie in Bedrängnis bringe. Trotz der Turbulenzen sehe man keine Inflationsgefahr, was der EZB Spielraum für weitere Zinssenkungen eröffne.


HANDEL INTERNATIONAL

Österreich verstärkt Kontrollen bei Online-Importen
Österreich verschärft die Kontrollen bei Online-Importen aus Drittstaaten, verkündeten das Wirtschafts- und Finanzministerium gestern. Diese Maßnahme ziele besonders auf Plattformen wie Temu und Shein, die systematisch die Zollfreigrenze von 150 Euro ausnutzten, so der Österreichische Handelsverband. Der Verband fordere zusätzlich eine Bearbeitungsgebühr für jedes Drittstaatenpaket und die EU-weite Abschaffung der Zollfreigrenze, um fairen Wettbewerb auf Augenhöhe zu schaffen.

Italienischer Online-Handel wächst sechs Prozent
Italiens E-Commerce verzeichnete 2024 ein Wachstum von sechs Prozent auf 85,4 Mrd. Euro, zitiert Ecommercenews.eu Zahlen der Digitalagentur Casaleggio Associati. Mit 21,8 Mrd. Euro habe die Reisebranche den größten Anteil erwirtschaftet, gefolgt von Marktplätzen (14,8 Mrd.) und Freizeitangeboten (13,4 Mrd.). Italienische Online-Händler setzten verstärkt auf KI für Übersetzungen und Produktbeschreibungen, was den grenzüberschreitenden Handel beflügelt habe. Wichtigste Partner waren dabei Deutschland und Frankreich (jeweils 14 Prozent), Spanien (12 Prozent), die Niederlande (neun Prozent), Großbritannien, die Schweiz und die USA (jeweils acht Prozent).

Billig genug für hohe Zölle: „DHgate“ Platz zwei der Downloads
Die chinesische E-Commerce-App „DHgate“ klettert auf Platz 2 der meistgeladenen Apps im US-App-Store, berichtet Businessinsider.com. Sie setze sich durch preiswerte „Nachahmungen“ bekannter Marken wie Adidas, Dyson, Lululemon, Birkenstock und Saint Laurent von der Konkurrenz ab, wobei die Duplikate oft so viel billiger sind als die Originale, dass nicht einmal 145 Prozent Zoll sie unattraktiv machen könne. Virale Tiktoks direkt aus den Fabriken zeigen z.B. Luxus-Handtaschen für 50 Dollar, die als Markenartikel über tausend Dollar kosten würden.

JD.com: 50.000 neue Kuriere für Miao Song
JD.com will über 50.000 zusätzliche Vollzeit-Kuriere im laufenden Quartal einstellen, berichtet Techinasia.com. Die Offensive solle das rasante Wachstum des On-Demand-Lieferdienstes „Miao Song“ unterstützen, um die über 100.000 angebundenen Markengeschäfte noch schneller zu bedienen. Die durchschnittliche Lieferzeit liege bereits unter 30 Minuten – ein Tempo, das den immer schärferen Wettbewerb im chinesischen Quick-Commerce spiegele.

Amazon befragt seine Verkäufer nach Trump-Tarifen
Amazon erhebt in Umfragen gezielt Daten über veränderte Beschaffungsstrategien, Preismodelle und Logistikkosten seiner Verkäufer, berichtet Modernretail.co. Die jüngste Zollerhöhung auf chinesische Waren treffe den Marktplatz besonders hart, da etwa 70 Prozent der Amazon-Produkte aus China stammten. CEO Andy Jassy rechne damit, dass die Drittanbieter die Mehrkosten an Verbraucher weitergeben würden.


100 KI-Ärzte arbeiten rund um die Uhr für Alipay
Alibabas Finanzdienstleister Ant Group hat knapp 100 medizinische KI-Agenten in seiner Alipay-App freigeschaltet, berichtet Scmp.com. Die virtuellen Ärzte seien jeweils nach renommierten Medizinern aus chinesischen Spitzenkliniken gestaltet und könnten rund um die Uhr medizinische Berichte analysieren oder Termine vermitteln. Huawei habe erst im Februar gemeinsam mit dem Ruijin-Krankenhaus in Shanghai ein umfangreiches KI-Pathologiemodell vorgestellt, das Ärzte bei der Krebsdiagnostik unterstützen solle.

US-Zölle leiten Billigprodukte nach Europa um
Die gegen China verhängten US-Strafzölle und die Abschaffung der Steuerfreigrenze für Importe unter 800 Dollar führen dazu, dass minderwertige Produkte nun verstärkt den europäischen Markt überschwemmen, meint das British Retail Consortium laut Retail-News.de. Branchenvertreter forderten schon lange eine Reform der britischen Steuerbefreiung für Waren unter 135 Pfund. Auch deutsche Discounter und der Online-Handel könnten unter Druck geraten, wenn keine einheitliche europäische Lösung gefunden werde.


NACHHALTIGKEIT

Deutsche Online-Shopper achten auf den Umweltschutz
Neun von zehn Online-Shoppern erwarten gebündelte Warenlieferungen im selben Karton, zeigt eine Bitkom-Umfrage. Über zwei Drittel der Befragten würden bereits aktiv ihre Einzelbestellungen zusammenfassen, um Lieferemissionen zu verringern, wobei Frauen (75 Prozent) umweltbewusster agierten als Männer (63 Prozent). Ein Drittel versuche aus Umweltgründen, den Online-Handel zugunsten lokaler Geschäfte einzuschränken. Bemerkenswert: Sechs von zehn Käufern blickten optimistisch in die Zukunft und erwarteten emissionsfreie Lieferungen als künftigen Standard.

Online-Modehandel kann nicht vom Plastik lassen
Deutsche Online-Modehändler hätten allein im vergangenen Jahr 791 Mio. Kunststoffversandtaschen verschickt, nur die britischen Kollegen hätten in Europa noch mehr Plastik verwendet, belegt eine Analyse von Development Economics im Auftrag von DS Smith. Bis 2030 werde die Gesamtmenge der Plastikverpackungen sogar um 42 Prozent auf insgesamt 5,8 Mrd, anwachsen, obwohl sich drei Viertel der Deutschen ein Ende von Kunststoffverpackungen wünschten. Zalando zeige mit seinen Papierversandtaschen seit 2020, dass Veränderung möglich sei und die Kundenzufriedenheit damit sogar steige.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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