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Aktuelle E-Commerce-News: Mindfactory, Bridify, Personalisierung, Kleinunternehmer, Wachstum, Tiktok, Temu, Amazon und weitere Themen im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Gamer-Hardware-Shop Mindfactory offenbar vor der Insolvenz
Der bei Gamern hochbeliebte Hardware-Online-Shop Mindfactory habe laut Creditreform Insolvenz angemeldet, wie Pcgameshardware.de berichtet. Branchenquellen vermuten laut Gamestar.de, Steuerschulden im sieben- bis achtstelligen Bereich hätten dem Unternehmen die Kreditwürdigkeit entzogen. Die aggressive Preispolitik mit hauchdünnen Margen sei zum Bumerang geworden, nachdem Lieferanten wegen fehlender Kreditversicherung nur noch gegen Vorkasse lieferten. Der fast 30 Jahre alte Online-Shop bleibe zwar erreichbar, präsentiere jedoch ein ausgedünntes Sortiment ohne beispielsweise aktuelle Grafikkarten von Nvidia und AMD.
Bridify digitalisiert die Brautkleid-Suche
Wenn die Partnersuche per Swipe funktioniert, sollte auch die Suche nach einem Brautkleid so möglich sein, sagte sich Festmoden-Händler Henning Laue. Die von ihm initiierte App „Bridify“ bietet eine umfangreiche Brautkleid-Datenbank und funktioniert als digitales Drehkreuz zwischen Bräuten und rund 200 Händlern – allerdings keinen Online-Händlern. Im Start-up-Interview mit Etailment.de stellt Henning Laue die Idee vor.
Personalisierung im E-Commerce wird begrüßt
58 Prozent der Deutschen würden es begrüßen, von ihrem Online-Händler maßgeschneiderte Produktempfehlungen zu erhalten, so eine aktuelle Soti-Studie. 2024 hatten erst 32 Prozent die Frage mit „Ja“ beantwortet. 55 Prozent interessieren sich für individualisierte Mitgliedschaften, 58 Prozent hätten gerne eine Nachricht, wenn ein Lieblingsprodukt knapp wird. Stefan Mennecke von SOTI betont, Unternehmen mit smarten Technologien verschafften sich langfristig „erhebliche Wettbewerbsvorteile“. KI-Technologie ermögliche es, Empfehlungen durch passende Ergänzungsartikel, präzise Größenvorschläge und optimierte Farbdarstellungen zu verfeinern.
Finanzministerium konkretisiert Kleinunternehmer-Regelung
Das Bundesfinanzministerium hat unlängst Details zur überarbeiteten Kleinunternehmer-Regelung präzisiert, wie Onlinehaendler-News.de ausführt. Die seit Januar geltenden Umsatzgrenzen seien nun auf 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr angehoben worden. Bei Überschreitung der oberen Grenze werde der darüberliegende Betrag allerdings mit dem ersten Euro umsatzsteuerpflichtig. Neu sei auch die Möglichkeit für Unternehmer, sich in mehreren EU-Ländern als Kleinunternehmer zu registrieren – so könnten auch ausländische Geschäftsleute die deutsche Regelung nutzen. Und: Wer einmal zur Regelbesteuerung wechsle, bleibe daran allerdings für fünf Jahre gebunden.
Zarter Aufschwung: Deutsche Wirtschaft verlässt Rezession
Nach zwei Jahren Rezession kehre die deutsche Wirtschaft zu leichtem Wachstum zurück – die Bundesbank erwarte im ersten Quartal 2025 einen geringfügigen Anstieg des BIP, berichtet Businessinsider.de. Doch das Milliarden-Schuldenpaket der Regierung oder Trumps ungewisse Handelspolitik gebieten Vorsicht: Das Ifo-Institut erwarte für 2025 lediglich zarte 0,2 Prozent im Plus.
HANDEL INTERNATIONAL
Tiktok Shop verdient an jedem US-Nutzer 708 Dollar
Der durchschnittliche amerikanische Tiktok-Nutzer hat im vergangenen Jahr 708 Dollar im Shop gelassen, berichtet Retaildive.com. Pro Einkauf würden etwa 59 Dollar fließen, wobei persönliches Zubehör und Haushaltsartikel die Bestseller seien. Fast ein Viertel der Befragten gestehe, Impulskäufe zu tätigen und ebenso viele bereuten mindestens einen Kauf – hauptsächlich wegen minderwertiger Qualität. Die Macht der Influencer: Knapp zwei Drittel der Nutzer folgten deren Empfehlungen – fast die Hälfte aller Käufe würden durch ihre Posts ausgelöst.
Temu-Mutterkonzern PDD: Umsatzwachstum „nur“ 24 Prozent
Der chinesische E-Commerce-Gigant PDD Holdings verzeichnet zum dritten Mal in Folge ein rückläufiges Umsatzwachstum, berichtet Barrons.com. Das Wachstum sei auf 24 Prozent „gestürzt“, nachdem es Anfang 2024 noch bei 131 Prozent gelegen habe. Die Temu-Muttergesellschaft habe im vierten Quartal einen Umsatz von umgerechnet 15 Mrd. Dollar erzielt. Besonders die Verdoppelung der US-Einfuhrabgaben auf 20 Prozent und der Wegfall der Zollbefreiung für Kleinimporte träfen das Geschäftsmodell des Low-Cost-Shops empfindlich. Zur Einordnung: Alibaba verzeichnete im gleichen Quartal ein Wachstum von acht Prozent, JD.com eines von 13,4 Prozent.
Amazon klagt gegen indische Verbraucherschützer
Amazon hat die indische Verbraucherschutzbehörde CPSC verklagt, weil die Plattform nach eigenen Angaben nicht als „Händler“ agiere, sondern lediglich als „Logistikanbieter“, meldet Indiatimes.com. Konkret geht es darum, dass die Behörde Amazon im Januar aufgefordert habe, die Käufer von mehr als 400.000 gefährlichen Produkten über den Rückruf zu informieren und den Kaufbetrag zurückzuerstatten, obwohl es sich um Drittanbieter-Produkte handele. Hintergrund der Vorwärts-Verteidigung: Ausländische Online-Händler dürfen laut Indiaconnected.de in Indien nur als Marktplatz auftreten und keine Waren „besitzen“, wie Indiaconnected.de erklärt.
Rumäniens E-Commerce wächst wieder zweistellig
Rumäniens Online-Handel wuchs im vergangenen um zehn Prozent auf 11,7 Mrd. Euro, berichtet Ecommercenews.eu. Die Produktausgaben hätten dabei 7,7 Mrd. Euro erreicht, jeder elfte Euro der Rumänen fließe bereits in digitale Kanäle. Für 2025 prognostiziere die Branche erneut zweistelliges Wachstum, befeuert durch verbesserte Logistik und modernere Zahlungsoptionen. Marktführer Emag übertreffe mit 14 Prozent Heimatwachstum bereits den Gesamtmarkt, während der türkische Händler Trendyol mit einem neuen Logistikzentrum bei Bukarest die ersten Schritte in den südosteuropäischen Markt mache.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Desktop konvertiert besser als Smartphone
Die durchschnittliche Konversionsrate deutscher KMU-Online-Shops liegt bei mageren 2,01 Prozent, so der „Conversion Rate Report“ von Uptain. Besonders auffällig: Desktop-Shopper halten einen Vorsprung von 0,61 Prozentpunkten gegenüber Smartphone-Nutzern, obwohl letztere den Großteil des Traffics lieferten. Doch die Konversion hängt auch am Shopsystem: Hier führt JTL mit 2,84 Prozent Konversionen vor Shopware (2,26 Prozent), Oxid (2,20 Prozent), Plentymarkets (2,16 Prozent) und Shopify (2,01 Prozent). Mit 7,3 Prozent sind Tabak & E-Zigaretten die Branche mit der höchsten Rate. Die durchschnittliche Sitzungsdauer bei erfolgreichen Käufen beträgt 8:52 Minuten.
Meta rollt seine KI in Europa als Textmodell aus
Meta führt seinen KI-Chatbot ab dieser Woche in 41 europäischen Ländern ein, berichtet Spiegel.de. Der an seinem kreisrunden, blauen Icon erkennbare Assistent werde in Instagram, Whatsapp, Facebook und Messenger verfügbar sein. Nach monatelangen Datenschutzkonflikten komme vorerst nur ein abgespecktes Textmodell ohne EU-Nutzerdatentraining zum Einsatz. In den USA geistere der digitale Helfer bereits seit September 2023 durch Metas App-Kosmos, wo er mittlerweile neben Text auch mit Bildern oder Spracheingaben umgehen könne.
Beschwerde von Noyb: ChatGPT erfindet Kindermord
OpenAI sieht sich mit einer Beschwerde der Datenschutz-NGO Noyb konfrontiert, nachdem ChatGPT auf die Frage nach einem spezifischen Norweger – Arve Hjalmar Holmen – mehrmals halluzinierte, dieser habe „traurige Berühmtheit“ erlangt, weil er zwei seiner Kinder ermordet habe und zu 21 Jahren Haft verurteilt wurde. Nichts davon sei wahr. Die Beschwerde argumentiere, dass die DSGVO korrekte personenbezogene Daten von Plattformen fordere und ein kleiner Haftungsausschluss nicht vor diesem Anspruch schütze. Nach einem Modell-Update kennt ChatGPT keine Person mit diesem Namen mehr, doch Noyb bleibe besorgt, dass die falschen Informationen intern weiterverarbeitet würden.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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