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Aktuelle E-Commerce-News: Otto, KI-Recht, Computop, Amazon Seller Assistant, Vette, Pimkie + Shein, WTO, Türkei, Shopware und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
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HANDEL NATIONAL
Virtuelle Models ersetzen bei Otto die Fotoshootings
Otto ersetzt laut Pressemitteilung die Modelfotografie durch Bilder, die das eigene Tool „Virtual Content Creator“ erzeugt. Das von „Otto Group One.O“ entwickelte System erstelle aus einem einzigen Originalproduktfoto in Minuten fotorealistische Bilder mit virtuellen Models unterschiedlicher Ethnien, Altersgruppen und Körperformen. Ganze Kollektionen könnten bereits nach Stunden online präsentiert und täglich fünfmal mehr Inhalte produziert werden, während die Produktionskosten trotzdem um 60 Prozent sänken. Künftig plane Otto den Einsatz des Tools für Videos und für Möbel.
So wird KI-generierter Content im Online-Shop rechtssicher
Von Produktbildern über Werbetexte bis hin zu Chatbots – generative KI verändert den E-Commerce. Doch mit dem AI Act und bestehenden Rechtsrahmen kommen neue Pflichten. Wer KI kreativ einsetzen will, muss rechtliche Risiken vermeiden. Kathrin Schürmann aus dem Etailment.de-Expertenrat gibt in ihrem Beitrag 5 Tipps, wie Händler generative KI rechtssicher nutzen können.
Computop gehört jetzt ganz zu Nexi
Die italienische Nexi Group hat die vollständige Übernahme des deutschen Zahlungsdienstleisters Computop Paygate abgeschlossen, wie das Unternehmen mitteilt. Computop bleibe jedoch eigenständig innerhalb der Nexi-Struktur. Die Transaktion unterstreiche Nexis strategischen Fokus auf Deutschland und die DACH-Region als Kernmarkt. Mit der Übernahme wolle man E-Commerce-Innovationen beschleunigen und Schlüsselprodukte wie Omnichannel-Zahlungslösungen europaweit ausweiten.
VZBV verklagt DHL wegen Nachbar-Zustellungen
Der Verbraucherzentrale Bundesverband verklagt die Deutsche Post wegen einer Klausel in den Geschäftsbedingungen von DHL, die Ersatzzustellungen an Nachbarn ohne ausdrückliche Empfängerzustimmung erlaubt, berichtet Onlinehaendler-News.de. Die Unterlassungsklage am Oberlandesgericht Hamm ziele auf mehr Transparenz bei den Zustellpraktiken. Bislang trügen die Online-Händler das Verlustrisiko bis zur tatsächlichen Übergabe und müssten bei abhandengekommenen Nachbarpaketen oft Ersatz leisten. Eine erfolgreiche Klage könnte somit Händler entlasten und Verbrauchern mehr Einfluss auf ihre Zustelloptionen verschaffen.
Geschäftsklima bei Kleinstunternehmen erholt sich leicht
Das Geschäftsklima bei Selbständigen und Kleinstunternehmen verbesserte sich im August laut Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex von minus 16,9 auf minus 13,8 Punkte. Die Betriebe bewerteten ihre laufenden Geschäfte weniger negativ und auch die Erwartungen hellten sich auf, erklärt Ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. Die Planungsunsicherheit allerdings steige wieder an: 30,1 Prozent der Befragten falle die Einschätzung ihrer Geschäftsentwicklung schwer. Besonders Gastgewerbe, Freiberufler und Unternehmensberatungen verzeichneten Verbesserungen – sogar der Einzelhandel zeige sich optimistischer.
HANDEL INTERNATIONAL
Amazon rüstet Seller Assistant mit agentischer KI auf
Amazon rüstet seinen Seller Assistant mit agentischer KI auf, die eigenständig plant und handelt, meldet das Unternehmen. Die auf Amazon Bedrock basierende Lösung kombiniere 25 Jahre Verkäufer-Expertise mit führenden KI-Modellen von Amazon Nova und Anthropic Claude. Der Assistent überwache künftig proaktiv Lagerbestände, warne vor Langzeitlagergebühren und erstelle automatisch Versandempfehlungen basierend auf Nachfragemustern. Zudem analysiere er kontinuierlich die Account-Gesundheit, erkenne Compliance-Verstöße frühzeitig und unterstütze bei komplexen Zertifizierungsanforderungen. Die KI entwickle auf Wunsch auch maßgeschneiderte Wachstumsstrategien und koordiniere saisonale Verkaufskampagnen. Der Start in Deutschland erfolge in den kommenden Monaten.
Vette macht Influencer zu Online-Händlern
Condé Nast startet Anfang 2026 die Plattform Vette, die Influencern eigene Online-Shops ohne Lagerhaltung ermöglicht, berichtet Fashionunited.com. Das Drop-Shipping-System erlaube Creators, kuratierte Boutiquen zu betreiben, während die Marken die Lieferung und Vette den Checkout abwickle. Die Creator-Wirtschaft solle bis 2033 global 200 Mrd. Dollar überschreiten. So habe sich z.B. die Zahl der Fashion-Newsletter auf Substack verdoppelt – gemeinsam generierten sie 10 Mio. Dollar im Jahr.
Pimkie flieht in die Arme von Shein
Die angeschlagene französische Modekette Pimkie will künftig auf Shein Gewinne erwirtschaften, berichtet Modaes.com. Bislang schreibe das Unternehmen jährlich 40 Mio. Euro Verluste und erwirtschafte nur fünf Prozent online, nun solle schon im nächsten Jahr die Gewinnzone erreicht und bis 2028 hundert Mio. Euro auf Shein umgesetzt werden. Pimkie sei der erste Modehändler in Frankreich, der mit der chinesischen Fast-Fashion-Plattform kooperiere. Erst im Juni habe der französische Senat medienwirksam ein sogenanntes „Anti-Shein-Gesetz“ erlassen.
WTO prognostiziert 37 Prozent Wachstum durch KI
Künstliche Intelligenz könnte den globalen Handel bis 2040 um 37 Prozent ankurbeln, prognostiziert eine aktuelle WTO-Studie laut Spiegel.de. Die Technologie steigere bereits heute die Effizienz durch transparentere Lieferketten und automatisierte Zollverfahren. Besonders digitale Dienstleistungen würden mit bis zu 42 Prozent profitieren, verarbeitete Waren mit 24 Prozent Zuwachs. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala warne jedoch vor weiter wachsender globaler Ungleichheit, falls ärmere Länder technologisch nicht aufholen könnten.
US-Einzelhandel wächst wegen E-Commerce
Die Umsätze im amerikanischen Einzelhandel wuchsen im August überraschend um 0,6 Prozent – der E-Commerce habe zwei Prozent zum Vormonat und über zehn Prozent zum Vorjahr zugelegt, berichtet Marketplace.com. Zum einen würden immer wieder neue Trends wie Online-Autokauf, Tiktok-Shopping und KI-Einkaufsagenten das Wachstum befeuern. Zum anderen hätten Verbraucher ihre Einkäufe vor dem Ende der Zollbefreiung für internationale Kleinsendungen vorgezogen.
E-Commerce-Boom verstärkt Ungleichheit in der Türkei
Türkeis E-Commerce explodierte 2024 um 62 Prozent auf 90 Mrd. Dollar und eroberte ein Fünftel des gesamten Einzelhandels, berichtet Turkiyetoday.com. Die digitale Kluft sei jedoch dramatisch: Istanbul erreiche einen Adaptionsscore von 93 Punkten und erwirtschafte allein 57 Mrd. Dollar, während ländliche Provinzen wie Hakkari nur 30 Punkte erreichten. Vier von fünf der 600.000 Online-Händler hingen gefährlich von nur einer Plattform ab – meist Trendyol oder Hepsiburada. Die wichtigsten Shopper seien Frauen, verantwortlich für 60 Prozent der Online-Einkäufe.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Shopware präsentiert zum Jubiläum mehr KI
Shopware feiert sein 25. Jubiläum mit zahlreichen Neuerungen, berichtet Contentmanager.de. Die Plattform integriere sich in Paypals „Commerce Agent Platform“, wodurch Produkte über KI-gesteuerte Kanäle verkaufbar würden. Neue B2B-Features umfassten individuelle Produktkataloge für spezifische Kundengruppen, Budget-Management zur teambasierten Kostenkontrolle und personalisierte Preisgestaltung ohne manuelle Prozesse. Zusätzlich entwickle Shopware einen eigenen MCP-Server für reibungslosen Datenaustausch zwischen KI-Systemen und Online-Shops.
Digitaler Werbemarkt wächst zehn Prozent
Der digitale Werbemarkt wächst dieses Jahr um zehn Prozent, prognostizieren Mediaagenturen laut Trendmonitor 2024 des Bundesverbands Digitale Wirtschaft. Retail Media entwickele sich mit 24 Prozent Zuwachs zum dynamischsten Segment, während die Video-Werbung mit 14 Prozent moderater wachse. Dennoch zeigten sich erste Sättigungsanzeichen: Die „starke“ Nachfrage sei von 69 auf 60 Prozent gesunken. Als größte gegenwärtige Herausforderung gelte die mangelnde Professionalisierung bei Retail Media, die 71 Prozent der Befragten als kritisch bewerteten.
Drei Viertel der Unternehmen setzen auf Open-Source
Drei Viertel der deutschen Unternehmen nutzen mittlerweile Open-Source-Software und sehen darin einen Hebel für digitale Souveränität, so der „Open Source Monitor 2025“ des Bitkom. Die Aufgeschlossenheit gegenüber quelloffenen Lösungen sei von 53 auf 61 Prozent geklettert; bereits 37 Prozent verfolgten eine konkrete Open-Source-Strategie. Kosteneinsparungen und der direkte Zugang zum Quellcode gälten als schlagkräftigste Argumente. Gleichzeitig bremse der Fachkräftemangel das Tempo – jedes fünfte Unternehmen sehe darin das größte Hindernis.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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