
Persiono, Locaboo, JTL + Greyhound, Amazon, Microsoft, Grab, JD.com, Ikea, Fraunhofer IAIS, Homeoffice, Instacart, Seino
Aktuelle E-Commerce-News: Persiono, Locaboo, JTL + Greyhound, Amazon, Microsoft, Grab, JD.com, Ikea, Fraunhofer IAIS und weitere Themen im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Personio streicht 100 Stellen
Das Münchner Start-up Personio entlässt nach Informationen von Businessinsider.de 101 Mitarbeiter in der Produkt- und Technologieabteilung. Das Unternehmen entwickelt Software für Bewerbermanagement und Personalverwaltung und wurde 2022 mit acht Milliarden Euro bewertet, ohne bisher profitabel zu sein. Die Entscheidung habe jedoch nichts mit Kosteneinsparungen zu tun, sondern geschehe aus strategischen Gründen, so Personio. 150 Stellen in der betroffenen Abteilung seien derzeit unbesetzt.
77 Prozent der Deutschen halten das Netz für unsicher
Nach einer Umfrage des Bitkom halten nur 19 Prozent der Verbraucher ihre Daten im Netz für sicher, 77 Prozent dagegen für unsicher oder sehr unsicher. Am ehesten vertrauen die 1.018 Befragten deutschen Anbietern (65 Prozent) oder ihren Kollegen aus dem EU-Raum (50 Prozent). Großbritannien erreicht nur 37 Prozent, die USA 32 Prozent, am wenigsten wird Angeboten aus China (drei Prozent) oder Russland (ein Prozent) geglaubt.
Locaboo erhält Finanzierung in Höhe von 1,2 Mio. Euro
Das Münchner Start-up Locaboo hat in einer Seed-Finanzierungsrunde 1,2 Mio. Euro von Investoren eingesammelt. Seit 2021 bietet das Unternehmen Städten und Kommunen ein Buchungstool für Sportplätze, Eventflächen und Mehrzweckhallen an, das bereits 500 Kunden wie Ludwigsburg, Bayreuth, München und Coburg nutzen. Laut Businessinsider.de ist Locaboo profitabel, verzeichnet einen siebenstelligen Jahresumsatz und konnte sein Wachstum bisher aus den Einnahmen finanzieren. In einem EU-Ranking zur Digitalisierung der Verwaltung belegt Deutschland einen unrühmlichen 25.
JTL kooperiert mit Greyhound
JTL-Software, Anbieter von E-Commerce-Software mit mehr als 50.000 Kunden im DACH-Raum, hat in einer Pressemitteilung die zukünftige Zusammenarbeit mit Greyhound bekannt gegeben. Greyhound ist auf Softwarelösungen spezialisiert, die die Kundenkommunikation erleichtern und mit ihrem Datenmanagementsystem das Papierchaos in den Büros reduzieren. Beide Unternehmen versprechen sich von der Zusammenarbeit „Großartiges“, da sich die Softwareangebote „perfekt ergänzen“ würden.
HANDEL INTERNATIONAL
Amazon übernimmt Irobot definitiv nicht
Amazon hat in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass es eine gegenseitige Vereinbarung mit Irobot unterzeichnet hat, um die angekündigte Übernahme des Staubsauger-Roboterherstellers durch den Marktplatz zu beenden. Grund dafür ist die Einsicht, dass es keinen regulatorischen Weg für eine Genehmigung in der Europäischen Union gibt. Die Europäische Kommission hatte Bedenken geäußert, da Amazon ein wichtiger Vertriebskanal für Staubsaugerroboter in Europa ist und nach der Übernahme ein wirtschaftliches Interesse daran hätte, die Wettbewerber von Irobot zu behindern.
Microsoft entlässt neun Prozent der Spiele-Entwickler
Microsoft hat laut IT-Times.de angekündigt, 1.900 der insgesamt 22.000 Mitarbeiter in der Spieleentwicklung zu entlassen. Erst am 13. Oktober letzten Jahres hatte das Unternehmen die teuerste Übernahme seiner Geschichte abgeschlossen und Activision Blizzard für 69 Mrd. Dollar geschluckt. Blizzard ist bekannt für erfolgreiche Spiele wie Call of Duty, World of Warcraft, Diablo oder Candy Crush Saga. Der ehemalige Präsident Mike Ybarra und Mitbegründer Allen Adham verlassen das Unternehmen, das lang erwartete Game „Odyssey“ wird nach sechs Jahren Entwicklungszeit eingestellt.
Grab hat in Südostasien 55 Prozent Anteil
Der Lebensmittellieferdienst Grab sicherte sich im Jahr 2023 fast 55 Prozent des Bruttowarenwerts aller Lebensmittellieferungen in Südostasien, berichtet Techinasia.com. Während die engsten Konkurrenten Foodpanda und Gojek Verluste von 12,9 bzw. 10 Prozent hinnehmen mussten, wuchs Grab um 6,8 Prozent. Da nur fünf Prozent der 600 Mio. Einwohner der Region monatlich bestellen, gibt es noch viel Raum für weiteres Wachstum. Die Ausgaben für Lebensmittellieferungen in Südostasien stiegen 2023 um fünf Prozent auf 17,1 Mrd. US-Dollar.
JD.com eröffnet erstes Distributionszentrum in Europa
Der chinesische E-Commerce-Konzern JD.com hat laut Fashionunited.de sein erstes in Eigenregie betriebenes europäisches Distributionszentrum in Val-d’Oise bei Paris eröffnet. Ziel sei es, Produkte europäischer Anbieter aus den Bereichen Bekleidung, Schmuck, Kosmetik und Luxusartikel zentral nach China zu exportieren, um so die Fulfillment-Kosten für europäische Verkäufer zu senken und eine schnellere Lieferung und günstigere Preise für die eigene Kundschaft zu gewährleisten.
Ikea testet Abhol-Automaten in Amsterdam
Ikea testet in Amsterdam eine Automatenlösung zur Abholung von Online-Bestellungen, berichtet Lebensmittelzeitung.net. Kunden geben einen Code ein, den sie bei der Bestellung erhalten haben, und Mitarbeiter füllen einen Einkaufswagen mit der Ware. Die Maschinen haben eine Kapazität von 480 Bestellungen pro Tag. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, will Ikea die Maschinen in weiteren Filialen installieren.
TRENDS & TECH
Fraunhofer IAIS kündigt KI-Lösung für Retouren an
Von der Annahme einer Retoure über ihre Identifikation und Zuordnung, die Sichtung und das erneute Einpflegen in den Lagerbestand: Bei der Verteilung von Warenrücksendungen gibt es viele Hebel zur Effizienzsteigerung. Der Umgang mit Retouren ist deshalb ein kritischer Erfolgsfaktor im Handel, insbesondere im E-Commerce. Das Fraunhofer IAIS will mithilfe von künstlicher Intelligenz Retourenflüsse optimieren – und sucht Unternehmen, die die Open-Source-Version testen. In einem Etailment-Gastbeitrag erklärt Tim Wirtz vom IAIS, wie das System funktioniert.
Homeoffice oder Anwesenheitspflicht irrelevant für die Performance
Laut einer Studie der University of Pittsburgh, die die Daten der 500 größten börsennotierten Unternehmen in den USA ausgewertet hat, haben 137 von ihnen nach der Pandemie wieder eine Anwesenheitspflicht eingeführt. Laut Konsider.ch betraf dies vor allem Unternehmen, die entweder einen dominanten männlichen CEO hatten oder deren Aktien sich schlecht entwickelten. Erwartungsgemäss sanken in der Folge die Werte für Arbeitszufriedenheit und Work-Life-Balance der Mitarbeitenden. Unterschiede in der Profitabilität oder in der Börsenbewertung zeigten sich hingegen nicht.
USA verlangt Namen und IP-Adressen ausländischer Cloud-Kunden
Ein Gesetzentwurf der US-Regierung sieht vor, dass Cloud-Anbieter wie Google, Amazon oder Microsoft die Namen und IP-Adressen ausländischer Kunden offenlegen und verdächtige Aktivitäten melden müssen, berichtet Scmp.com. Ziel eines solchen Gesetzes wäre es, besomders chinesischen Unternehmen den Zugang zu Rechenzentren und Servern zu verwehren, die für das Training und das Hosting von KI-Anwendungen, die auch militärisch genutzt werden könnten, unerlässlich sind. Die Regierung bittet bis zum 29. April um Kommentare zu der vorgeschlagenen Regelung, bevor sie die Verordnung endgültig verabschiedet.
Instacart verwendet für Rezepte und Fotos KI
Der amerikanische Lebensmittel-Lieferdienst Instacart illustriert seine Rezeptvorschläge, die schon seit einiger Zeit von einer KI erstellt werden, nun auch mit von einer KI generierten Fotos, berichtet Businessinsider.com. In einem Subreddit werden die unappetitlichsten Bilder gesammelt, auf denen gebratene Hühnchen an den Schultern zusammenwachsen, Bratwürste das Innere von Tomaten haben oder Chocolate Chip Cookies der Schwerkraft trotzend an Tassen kleben. Ein Sprecher von Instacart sagte auf Anfrage, man arbeite noch an der Optimierung des Angebots.
NACHHALTIGKEIT
Seino spart CO2 mit seinem offenen Lieferangebot
Das japanische Logistikunternehmen Seino hat seine Niederlassung in Kita-Osaka zu einem speziellen Umschlagplatz ausgebaut, um Lieferungen aus dem ganzen Land in die Region Kyushu zu optimieren, berichtet Japantimes.co.jp. Es werden auch Anfragen von Mitbewerbern angenommen, um Pakete für bestimmte Zielgebiete zu bündeln und eine maximale Auslastung der Lkw zu erreichen. Das bedeutet weniger Fahrzeuge auf der Straße und damit weniger CO2-Ausstoß. Seino hat bereits einen Teil seiner Kapazitäten auf Schiene und Schiff verlagert, setzt LKW mit doppelter Kapazität ein und stellt konsequent von Diesel- auf Elektroantrieb um. Auf der Website können Kunden ihre Lieferanfragen sowohl nach Preis als auch nach CO2-Emissionen sortieren.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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