
Stellenabbau, Online-Reifen, DHL, Google, QR-Produktpass für Spielzeug, Temu und Shein x 3, IWF, ideale Produktseite, KI-Überblick
Aktuelle E-Commerce-News: Stellenabbau, Online-Reifen, DHL, Google, QR-Produktpass für Spielzeug, Temu und Shein x 3, IWF und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Jedes dritte Unternehmen baut Stellen ab
Mehr als jedes dritte Unternehmen in Deutschland plant in diesem Jahr Stellen abzubauen, berichtet Manager-Magazin.de. Laut einer Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft gingen 35 Prozent der befragten 2.000 Firmen von Entlassungen aus, während nur 24 Prozent Neueinstellungen planten. Besonders düster seien die Aussichten in der Industrie, wo 42 Prozent der Betriebe Stellen streichen wollten. Geopolitische Konflikte, Trumps unberechenbare Zollpolitik und hohe Betriebskosten würden die Wettbewerbsfähigkeit zu sehr belasten.
Jeder dritte Verbraucher kauft Reifen online
29 Prozent der Autofahrer kaufen Reifen inzwischen online, weitere 23 Prozent ziehen das für künftige Käufe in Betracht, zeigt eine von Ebay beauftragte Studie. Die Gründe: günstigere Preise, der Bestellkomfort und die größere Auswahlmöglichkeit. Besonders beliebt seien mit 36 Prozent Vergleichs- sowie Verkaufsplattformen mit 29 Prozent. Trotz klarer Preisfokussierung (82 Prozent) spiele die Markenqualität (42 Prozent) eine entscheidende Rolle, die Meinung anderer Kunden sei für 60 Prozent kaufentscheidend.
Digitale Kanäle prägen Finanzverhalten junger Käufer
Junge Erwachsene können zwar vernünftig mit größeren Geldbeträgen planen, erliegen jedoch oft der Versuchung zu unkontrollierten Ausgaben, zeigt eine Studie von Invest4kids. Digitale Medien und Online-Kanäle sind dabei die stärksten externen Einflussfaktoren und prägen Kaufentscheidungen stärker als selbst wahrgenommen. Impulsive Käufe durch In-Game-Angebote oder Trading-Apps stellten zunehmend ein Risiko dar, auch weil 38 Prozent der 10-18-jährigen Online-Zahlungsdienste mit falschen Altersangaben nutzten.
HANDEL INTERNATIONAL
DHL liefert keine Pakete über 800 Dollar mehr in die USA
DHL hat die Lieferung von privaten Paketen mit einem Wert über 800 Dollar in die USA vorübergehend eingestellt, berichtet Businessinsider.com. Die Spedition reagiere damit auf die Sintflut von Zollabfertigungen nach Verschärfung der Einfuhrregeln unter Präsident Trump – die neue Schwelle für das vereinfachte Einfuhrverfahren sei von früher 2.500 auf jetzt 800 Dollar gesunken. Diese Änderung überfordere DHLs Systeme massiv. Business-Sendungen würden zwar fortgeführt, könnten jedoch erhebliche Verzögerungen erfahren.
Google hat laut US-Gericht eine Monopolstellung
Google betreibt ein illegales Monopol bei Onlinewerbetechnologien, urteilte ein US-Gericht in Virginia laut Zeit.de. Richterin Brinkema habe festgestellt, dass der Internetriese durch unfairen Wettbewerb über mehr als zehn Jahre eine Monopolstellung bei Ad Server(Auslieferung von Anzeigen) und Ad Exchange (digitaler Marktplatz für den automatisierten Echtzeit-Handel von Werbeflächen) ausgeübt habe. Bei Werbenetzwerken für Anzeigenkunden sei jedoch keine Monopolstellung nachweisbar gewesen. Das US-Justizministerium fordere nun drastische Konsequenzen – möglicherweise sogar die Abspaltung des Google Ad Managers.
EU führt QR-Produktpass für Spielzeug ein
Die EU führt verpflichtende digitale Produktpässe mit QR-Codes für sämtliches Spielzeug, berichtet Caschys Blog. Ein neues IT-System werde diese Pässe direkt an den Außengrenzen prüfen und verdächtige Sendungen markieren. Die Verordnung verbiete künftig auch zahlreiche gesundheitsgefährdende Chemikalien in Spielwaren. Die Neuregelung statte Marktüberwachungsbehörden auch mit erweiterten Befugnissen aus, um entschiedener gegen europäische als auch importierte Risikoprodukte vorzugehen.
Temu und Shein: Schweizer Fashionshops verlieren 500 Mio. Euro
Temu (753,9 Mio. Euro), Shein (269,3 Mio. Euro) und Aliexpress (420 Mio. Euro) erwirtschafteten zusammen in der Schweiz umgerechnet 1,44 Mrd. Euro, wovon über 605 Mio. Euro auf Mode und Schuhe entfiel, berichtet Carpathia.ch. Schweizer Online-Händler hätten dadurch seit 2021 Jahr für Jahr Marktanteile verloren – insgesamt 506,2 Mio. Euro, wobei vor allem kleinere, traditionelle Versandhändler und Universalisten betroffen seien.
Temu und Shein: Preiserhöhungen in den USA angekündigt
Temu und Shein werden in den USA ab 25. April ihre Preise anheben, berichtet Onlinehaendler-News.de. Die Billigplattformen hätten nahezu gleichlautende Erklärungen veröffentlicht, in denen sie auf gestiegene Betriebskosten durch veränderte Handelsregeln und die neuen Zölle verwiesen. Beide forderten ihre Kunden auf, die verbleibende Zeit für Einkäufe zu den niedrigeren Preisen zu nutzen.
Temu und Shein: Werbung in den USA eingestellt
Temu habe in den USA zwischen 9. und 12. April seine Google Shopping-Anzeigen reduziert und dann komplett eingestellt, während Shein seit 15. April einem ähnlichen Sparkurs folge, berichtet Practicalecommerce.com. Als Auslöser gelte, siehe oben, das Ende der Zollbefreiung für Kleinstbestellungen unter 800 Dollar. Die Marketingagentur Tinuiti, Quelle der Daten, sehe darin potenzielle Chancen für amerikanische Online-Händler.
Trump-Zölle und Finanzmarktrisiko: IWF trotzdem optimistisch
Der Internationale Währungsfonds erwartet trotz zunehmender Handelskonflikte keine weltweite Rezession, berichtet FuW.ch. Die Wachstumsprognosen würden jedoch deutliche Abschläge enthalten, habe IWF-Chefin Georgieva vor der kommenden Frühjahrstagung betont. Die durch Trumps neue Zollwelle ausgelöste Unsicherheit erhöhe zudem das Risiko von Finanzmarktspannungen, wobei besonders kleinere Länder in den „Strudel“ zwischen den Wirtschaftsgiganten geraten könnten.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Zwei Drittel durch Produktbeschreibungen verwirrt
Acht von zehn Online-Käufern brechen ihre Suche ab, wenn sie das gewünschte Produkt nicht finden, zitiert Retaildive.com eine Umfrage von Lily.ai. Zwei Drittel der Konsumenten empfänden Produktbeschreibungen als zu verwirrend. Die ideale Produktseite biete laut der Befragten neben aussagekräftigen Bildern und Videos (75 Prozent), Bewertungen (60 Prozent) und klar strukturierte, in natürlicher Sprache verfasste Informationen (>50 Prozent), die Kundenfragen schon vorweg beantworteten.
Googles KI-Überblick entwertet traditionelles SEO
Die seit März auch in Deutschland verfügbare KI-Überblick von Google erzeuge vermehrt „Zero-Click-Suchen“, bei denen Nutzer keine externen Seiten mehr besuchen müssten, berichtet Onlinehaendler-News.de. Online-Marketing-Experte Uli Zimmermann erkläre, dass traditionelles SEO dadurch an Bedeutung verliere. Online-Händler sollten verstärkt in technische Grundlagen investieren und strukturierte Daten bereitstellen, da KI-Systeme zunehmend auf diese Datenquellen zurückgriffen. Der so entstehende Traffic sei zwar tendenziell geringer, dafür aber hochwertiger.
Mehrheit für bargeldlose Zahlungsoptionen überall
Laut einer Yougov-Umfrage im Auftrag der DPA befürworten 57 Prozent der Befragten eine Pflicht für Geschäfte, mindestens eine bargeldlose Zahlungsmöglichkeit anzubieten, berichtet Stern.de. Nur 23 Prozent stünden diesem Vorhaben der designierten Bundesregierung ablehnend gegenüber. Jeder Dritte habe noch nie eine Kartenzahlungsverweigerung erlebt, aber 22 Prozent der Abgewiesenen hätten ihren Einkauf daraufhin komplett abgebrochen. Die künftige Koalition wolle „schrittweise“ digitale Zahlungsoptionen auch in kleinen Geschäften durchsetzen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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