
The Platform Group, Datenschutz, Exporte, Amazon, Schweiz, Gurkerl, Nordeuropa, Twint, Vietnam, Google, Meta, KI-Bewerbungen
Aktuelle E-Commerce-News: The Platform Group, Datenschutz, Exporte, Amazon, Schweiz, Gurkerl, Nordeuropa, Twint, Vietnam und weitere Themen im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
The Platform Group verdoppelt fast ihren GMV
The Platform Group steigerte ihren GMV im ersten Quartal um 87 Prozent auf 356,3 Mio. Euro, wie Retail-News.de berichtet. Das Düsseldorfer Softwareunternehmen habe zugleich den Umsatz um 49 Prozent auf 160,8 Mio. Euro gesteigert. Das bereinigte Ebitda sei um 87 Prozent auf 15,9 Mio. Euro geklettert, der Nettogewinn um 41 Prozent auf 18,2 Mio. Euro. Vier strategische Übernahmen sowie 1,5 Mio. Bestellungen hätten das Wachstum befeuert.
Datenschutz bremst sieben von zehn Unternehmen aus
Sieben von zehn deutschen Unternehmen haben bereits Innovationsprojekte wegen Datenschutz-Vorgaben gestoppt, wie eine Bitkom-Studie zeigt. Der Anteil stieg binnen Jahresfrist von 61 auf 70 Prozent. Besonders dramatisch: Bei 35 Prozent geschehe dies bereits mehrfach, bei 18 Prozent sogar häufig. Bitkom-Präsident Wintergerst bezeichne den Datenschutz als „Digitalisierungs-Bremse Nummer eins“. Die Komplexität der DSGVO und unterschiedliche Auslegungen durch Aufsichtsbehörden verunsicherten Unternehmen massiv. Redundante Berichtspflichten durch DSGVO, AI Act und Data Act verstärkten den bürokratischen Aufwand zusätzlich.
Deutsche Exporteure schöpf(t)en im Mai Hoffnung
Die Ifo-Exporterwartungen sprangen im Mai auf minus 3,0 Punkte nach minus 9,4 Punkten im April. Die Beruhigung im transatlantischen Zollkonflikt habe die Unternehmen aufatmen lassen, eine grundsätzliche Einigung zwischen USA und EU stehe jedoch weiterhin aus. Besonders Maschinenbau, Automobil- und Elektroindustrie würden nicht mehr mit Exportrückgängen rechnen. Die erneute Anhebung der US-Zölle für Importe aus der EU auf 50 Prozent, die von Donald Trump am Freitag „empfohlen“ wurde, dürfte den vorsichtigen Optimismus jedoch erschüttern.
HANDEL INTERNATIONAL
Amazon-Veteranen beherrschen das Marktplatz-Geschäft
Erfahrene Amazon-Händler behaupten ihre Marktführerschaft trotz trotz täglich 2.500 Newcomern, zitiert Onlinehaendler-News.de eine Analyse von Marketplace Pulse. Über 60 Prozent der Top 10.000 US-Verkäufer hätten sich bereits vor 2019 registriert, nahezu 30 Prozent der Spitzenreiter seien sogar vor 2016 gestartet. Dennoch böte der Marktplatz weiterhin Chancen für strategische Neueinsteiger – immerhin fast zehn Prozent der erfolgreichsten Händler seien erst in den vergangenen zwei Jahren dazugestoßen. Die Realität bleibe jedoch auch: Nur acht Prozent der vor 2019 registrierten Seller seien heute noch aktiv.
Schweiz: Minus 2,7 Prozent im Laden, plus sechs online
Der Schweizer Einzelhandel verzeichnete im ersten Quartal 2025 einen nominalen Umsatzrückgang von 2,7 Prozent, wie Carpathia.ch berichtet. Bereinigt um Kalendereffekte und Inflation schrumpfe der Markt jedoch nur um 0,4 Prozent. Besonders schwach entwickle sich Fashion mit minus 5,4 Prozent – ausländische Online-Riesen wie Zalando, Shein und Temu entziehen dem Schweizer Markt geschätzt 2,35 Mrd. Franken. Der Online-Handel wachse dagegen um sechs Prozent, angeführt von Heimelektronik, Freizeit und Lebensmitteln. Die Umsatzverlagerung ins Internet beschleunige sich weiter.
Österreich: Gurkerl boomt, Spar bleibt skeptisch
Online-Lebensmitteleinkauf polarisiert den österreichischen Markt laut Derstandard.at. Während der Online-Supermarkt Gurkerl (Knusprs österreichische Schwester) seine monatlichen Bestellungen auf bis zu 100.000 verdoppelt habe und seit Oktober 50.000 Neukunden gewonnen habe, bleibe bei etablierten Ketten die Zurückhaltung spürbar. Spar sehe Online-Shopping weiterhin als „Forschung und Entwicklung“ mit Umsatzzuwächsen im niedrigen einstelligen Bereich; Billa konzentriere sich nach Gebietsverkleinerung auf Wien und Niederösterreich und verzeichne zwölf Prozent Wachstum.
Nordeuropäer entdecken China als Online-Shopping-Paradies
83 Prozent der nordeuropäischen Konsumenten kauften in den letzten 30 Tagen online ein, berichtet Ecommercenews.eu. Grenzüberschreitende Einkäufe würden dabei immer beliebter: 73 Prozent der Befragten hätten im vergangenen Jahr im Ausland bestellt, fast die Hälfte sogar monatlich. China etabliere sich als Shopping-Hotspot Nummer eins – in Norwegen und Schweden würden 30 Prozent dort ordern, in Finnland 22 Prozent, in Dänemark 21 Prozent. Besonders Konsumenten über 50 Jahren würden verstärkt chinesische Anbieter nutzen. Deutschland folge als zweitbeliebteste Destination.
Twint reagiert auf Bankkonkurrenz mit neuer Strategie
Der Schweizer Bezahldienst Twint gerät durch neue Bankensysteme für Echtzeit-Zahlungen unter Konkurrenzdruck, berichtet 20min.ch. Die Schweizerische Nationalbank und SIX böten mit „SIC Instant Payments“ eine Alternative zu Twints bisherigem Alleinstellungsmerkmal. Der einstige Favorit für Schweizer Bezahlvorgänge erschließe nun einen neuen Geschäftszweig und entwickle eine Alternative zum Lastschriftverfahren, welches er 2028 auslaufen lassen wolle – danach sei die neue Technologie verfügbar.
Vietnam sperrt Telegram nach Extremismus-Vorwürfen
Ab Anfang Juni blockiert Vietnam den Messenger Telegram, nachdem die Polizei entsprechende Direktiven an Internetanbieter ausgegeben hat, berichtet Techinasia.com. Das Ministerium für Öffentliche Sicherheit werfe der Plattform vor, „Anti-Staatsdokumente“ zu verbreiten und schädliche Aktivitäten zu beherbergen. 68 Prozent der 9.600 vietnamesischen Telegram-Kanäle seien mit Extremismus, Drogenhandel und illegalem Datenverkauf verknüpft. Telegram kooperiere zudem nicht mit den örtlichen Behörden und melde Verstöße nicht wie gesetzlich vorgeschrieben.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Google testet Chatbot-Suche: Verleger sprechen von Diebstahl
Google testet in den USA einen „KI-Modus“, der die Suche quasi in einen Chatbot verwandelt, meldet Heise.de. Die News/Media Alliance mit 2.000 Mitgliedern aus dem Mediensektor bezeichne dies als „Definition von Diebstahl“. Der Konzern nutze Inhalte ohne Vergütung und biete weniger Links zu Originalquellen. Verleger verlören dadurch Traffic und Umsätze. Eine Abmeldung sei nur durch kompletten Ausschluss aus Suchergebnissen möglich. Parallel untersuche die EU-Kommission Googles KI-Übersichten auf Urheberrechts- und Wettbewerbsverstöße.
Meta gewinnt vor Gericht: Nutzerdaten für KI freigegeben
Das Oberlandesgericht Köln lehnte einen Eilantrag der Verbraucherzentrale NRW ab und erlaubt Meta, deutsche Facebook- und Instagram-Nutzerdaten für KI-Training zu verwenden, berichtet Zeit.de. Der Konzern dürfe alle öffentlich verfügbaren Daten erwachsener Nutzer wie Bilder, Kommentare und Nutzernamen einsetzen. Nutzer hätten bis zum 26. Mai Zeit für Widerspruch, Schweigen gelte als Zustimmung. Meta habe den Anlauf im April nach vorherigem Rückzug im Sommer 2024 neu gestartet, diesmal in Abstimmung mit der irischen Datenschutzbehörde.
Neun Tage verloren: KI überschwemmt Personalabteilungen
KI-generierte Bewerbungen kosten deutschen Personalverantwortlichen durchschnittlich neun Arbeitstage monatlich für das Aussortieren irrelevanter Anschreiben, berichtet T3N.de. Bereits 30 Prozent der HR-Abteilungen seien durch die künstliche Bewerbungsflut überfordert. 73 Prozent hätten in den vergangenen sechs Monaten Bewerbungen mit Falschinformationen erhalten, 65 Prozent beklagten stark gestiegene Zahlen unqualifizierter Kandidaten. Ein Viertel der Befragten erhalte mehr Anfragen als überhaupt bearbeitbar seien. Als Gegenmaßnahmen implementierten 29 Prozent Vorauswahlverfahren, 28 Prozent beauftragten externe Dienstleister.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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