Tiktok, Trusted Flagger, Wachstumsprognose, Temu, Shein, Österreich, Mollie, Shopify, Retouren, KI-Experten

Tiktok, Trusted Flagger, Wachstumsprognose, Temu, Shein, Österreich, Mollie, Shopify, Retouren, KI-Experten

Aktuelle E-Commerce-News: Tiktok, Trusted Flagger, Wachstumsprognose, Temu, Shein, Österreich, Mollie, Shopify, Retouren und weitere Themen im Überblick.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.

HANDEL NATIONAL

Tiktok-Nutzer können sich Sammelklage anschließen
Die niederländische Verbraucherstiftung Somi verklagt Tiktok am Kammergericht Berlin auf Schadenersatz, wie Heise.de berichtet. Deutsche Nutzer könnten sich der Sammelklage online anschließen, ohne selbst juristisch aktiv werden zu müssen. Die Stiftung werfe dem chinesischen Konzern vor, rechtswidrig persönliche Daten zu sammeln und heimlich umfassende Nutzerprofile für Werbezwecke zu erstellen. Besonders Minderjährige würden durch den Algorithmus manipuliert und in Abhängigkeit gebracht. Bei erfolgreichem Verfahren erhielten Kläger automatisch Entschädigung über das Klageregister des Bundesamts für Justiz.

Bundesnetzagentur kürt drei neue digitale Wächter
Die Bundesnetzagentur hat laut Retail-News.de drei Organisationen als „Trusted Flagger“ nach dem Digital Services Act zertifiziert. Der Bundesverband Onlinehandel, Hate-Aid und die Verbraucherzentrale dürften künftig bevorzugt rechtswidrige Inhalte auf Online-Plattformen melden. Ihre Hinweise müssten von Anbietern priorisiert bearbeitet werden, wobei die Löschentscheidung weiterhin bei den Plattformen liege. Der BVOH konzentriere sich auf Marktplatz-Verstöße und gewerblichen Rechtsschutz, während Hate-Aid digitale Gewalt bekämpfe und die Verbraucherzentrale Produktsicherheit überwache.

OECD: Deutschland wächst nur 0,4 Prozent
Deutschland erreiche 2025 nur ein mageres Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent, prognostiziert die OECD laut Manager-Magazin.de. Europas größte Volkswirtschaft belege damit den drittletzten Platz unter den Industrienationen – nur Österreich und Norwegen würden schwächer abschneiden. Handelskonflikte und teure Energie würden die Konjunktur ausbremsen – dennoch habe das erste Quartal mit 0,4 Prozent Wachstum überraschend stark begonnen. Für 2026 erwarte die Organisation eine leichte Erholung auf 1,2 Prozent.


HANDEL INTERNATIONAL

USA: Temu verliert mehr als die Hälfte der Kunden
Temu verzeichnete im Mai einen dramatischen Einbruch von 58 Prozent bei den täglichen US-Nutzern, wie Techinasia.com berichtet. Der Absturz folge direkt auf das Ende der amerikanischen „De minimis“-Regel am 2. Mai, die zuvor zollfreie Lieferungen geringwertiger China-Pakete ermöglicht habe. Die Discount-Plattform des chinesischen Konzerns PDD Holdings sei ebenso wie Konkurrent Shein auf diese Zollbefreiung angewiesen gewesen, um US-Verbrauchern Schnäppchen-Preise bieten zu können.

USA: Tiktok verlangt Geld für Reichweite
Tiktok sendet keinen kostenlosen Traffic mehr an US-Händler und verlangt nun Werbeausgaben für Reichweite, berichtet Businessinsider.com. Kleine Unternehmen treffe diese Wende besonders hart, da sie Tiktok als günstigen Zugang zu Millionen Nutzern schätzten. Nach einem holprigen Jahresstart fokussiere sich die Plattform auf bezahlte Werbung als Haupteinnahmequelle statt auf Shop-Provisionen und folge dabei dem Effizienz-Trend anderer Tech-Giganten wie beispielsweise Uber oder Airbnb, die anfangs mit Venture-Capital subventionierte Niedrigpreise boten. Paradox sei jedoch, dass Tiktok Werbebudgets einfordere, während die Zukunft der App in den USA weiterhin völlig unklar sei.

Frankreich verschärft Gangart gegen Shein und Temu
Der französische Senat stimmt heute über ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz ab, das Plattformen wie Shein und Temu ins Visier nimmt, berichtet Textilwirtschaft.de. Das Gesetz solle eine rechtliche Definition von Fast Fashion etablieren, die sich an Produktionsmengen, Kollektionserneuerung und begrenzter Produktlebensdauer orientiere. Betroffene Unternehmen müssten künftig ihre Kunden direkt über Umweltauswirkungen ihrer Kleidung informieren. Ein geplantes Bonus-Malus-System solle die Umweltkosten von Massenproduktion berücksichtigen und europäische Anbieter vor asiatischer Konkurrenz schützen.

Jede dritte Online-Bestellung in Österreich kommt aus Asien
Jede dritte Online-Bestellung in Österreich stammt mittlerweile aus Asien, berichtet Diepresse.com. Nur 35 Prozent der Online-Ausgaben flössen noch an inländische Händler, 41 Prozent der Konsumenten hätten bereits bei asiatischen Plattformen eingekauft. Besonders dramatisch zeige sich diese Entwicklung bei der Retourenquote von 56 Prozent. Der Handel fordere die Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze und schärfere Kontrollen gegen Fake-Shops, die oft chinesische Adressen im Impressum führten und seriöse Unternehmen vortäuschten.

Mollie wächst zweistellig und wird wieder profitabel
Der niederländische Payment-Anbieter Mollie steigerte seinen Bruttogewinn 2024 um 30 Prozent auf 115 Mio. Euro, wie das Unternehmen mitteilt. Der Umsatz kletterte um 28 Prozent auf 214 Mio. Euro, während Mollie erstmals seit 2018 wieder schwarze Zahlen schreibe. Neue Produkte wie „Tap to Pay“ und die Plattform-Lösung „Mollie Connect“ hätten das Wachstum angetrieben. Händler, die diese Innovationen nutzten, verzeichneten Zuwächse von 60 Prozent. Das Fintech expandierte 2024 nach Italien und Schweden, 2025 folgten Polen und Portugal.


Shopify automatisiert den Shop-Aufbau per KI
Shopify stellt 150 Neuerungen vor, die den Shop-Aufbau revolutionieren sollen, berichtet T3N.de. Der neue AI Store Builder generiere aus wenigen Stichwörtern drei fertige Shop-Vorlagen inklusive Texten und Bildern, funktioniere aber bislang nur auf Englisch. Das KI-Fundament „Horizons“ ermögliche Händlern ohne Programmierkenntnisse individuelle Anpassungen per Texteingabe. Der erweiterte „Sidekick-Assistent“ erkenne betriebliche Herausforderungen und schlage Lösungen vor, während „Voice Chat“ den Admin-Bereich per Sprachbefehl steuere.

49 Prozent behielten schon Fehlkäufe
Knapp die Hälfte der deutschen Online-Shopper behielt schon mindestens einmal einen Fehlkauf, weil ihnen die Rückgabe zu kompliziert erscheint, so eine aktuelle Bitkom-Studie. Besonders außereuropäische Marktplätze machten es Kunden oft schwer, Rückgabeinformationen zu finden. Entscheidend bei Retouren seien für 94 Prozent der Verbraucher kostenlose Rücksendungen und schnelle Erstattungen, gefolgt von flexiblen Versandoptionen (77 Prozent) und verlängerten Rückgabefristen (68 Prozent).

Nachfrage nach KI-Experten gesunken
KI-Stellenausschreibungen in Deutschland stagnieren seit 2022 nach anfänglichem Wachstum, wie Zeit.de eine Analyse der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der Deutschen Wirtschaft zitiert. Die Zahl der Anzeigen sei von 97.000 (2019) auf 180.000 (2022) gestiegen, dann jedoch auf 152.000 zurückgegangen. Aktuell machten KI-Jobs lediglich 3,8 Prozent aller Stellenausschreibungen aus. Unternehmen suchten hauptsächlich KI-Entwickler, während Anwender-Rollen rar blieben – ein Zeichen dafür, dass KI noch nicht im Arbeitsalltag angekommen sei.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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