
Musikhaus Thomann ist "Versender des Jahres"
Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels kürte das Musikhaus Thomann zum "Versender des Jahres". Der mittelständische Spezialversender aus Oberfranken liefert in 29 Länder.
Björn BöerChefredakteurHans Thomann, der das Musikgeschäft 1990 übernahm, arbeitet nach einer Devise: "Es ist egal, wo du bist - gut musst du sein." Dieses Prinzip hat ihn von seiner Ausbildung als Feingerätemechaniker über die väterliche Werkstatt bis hin zum internationalen Versender gebracht. "Music is our passion!", lautet der Slogan des Unternehmens.
Hausaufgaben in 16 Ländern erledigt
Auf der Homepage begrüßen 16 Landesflaggen den Besucher, jede steht für ein Land "in dem wir unsere Hausaufgaben gemacht haben", erklärt Thomann. Das bedeutet: Für jedes Land stehen beim telefonischen Kundenservice bis zu sechs Ansprechpartner zur Verfügung, die die jeweilige Sprache perfekt beherrschen. Bis Januar 2011 folgt Tschechien, im kommenden April Rumänien. Das alles schafft Thomann mit 680 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Wenn man das mit den 140 Einwohnern von Treppendorf vergleicht, wird die wirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens für die Region deutlich. Jedes Wochenende kommen 2.500 bis 3.000 Thomann-Kunden in das Dorf und übersteigen damit die Einwohnerzahl um das Zwanzigfache. Zahlen, die sonst nur touristische Hochburgen erzielen. Sichtbare Zeichen für das rasante Wachstum des Unternehmens sind die neuen Firmengebäude in Treppendorf.
Als Thomann seine erste Halle mit 1.800 Quadratmetern Fläche baute, dachte er, sie würde für die nächsten zehn Jahre reichen. Doch nur zwei Jahre später begann er mit den Neubauten. Heute verfügt das automatische Kleinteilelager übre 80.000 Plätze. Es ermöglicht die Kommissionierung von 1.250 Paketen pro Stunde. Durchschnittlich verlassen rund 8.000 Pakete am Tag das Logistikzentrum.
6.000 verschiedene Gitarren, 8.000 Pakete am Tag
Thomann kann unter anderem 6.000 verschiedene Gitarren liefern. Nicht irgendwann, sondern 95 Prozent ab Lager. Und das komplett ohne Bankenfinanzierung, bei einem Lagerwert von gut 40 Millionen Euro, der ihm erlaubt, bis zu zwei Monate aus dem Bestand zu arbeiten. "Überall da, wo andere gespart oder abgebaut haben, habe ich immer Gas gegeben", sagt der Firmenchef.
Sein Vorgehen ist kompromisslos und in vollem Bewusstsein, dass "gut sein" und "besser sein" eine unternehmerische Entscheidung ist, eine Kunden- und keine Controlling-getriebene.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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