Obst und Gemüse sind derzeit Ladenhüter

Obst und Gemüse sind derzeit Ladenhüter

Gurken, Tomaten und Salat liegen wie Blei in den Gemüsekisten der Supermärkte. Viele Verbraucher füllen ihre Einkaufswagen jetzt ein paar Regale weiter - mit Gemüsekonserven.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel berichtet von Umsatzeinbrüchen bei frischem Obst und Gemüse von 30 bis 40 Prozent. Dafür gehen jetzt Tiefkühlkost und Konserven häufiger über die Laufbänder der Kassen. Die Verbraucher geben in diesen Tagen auch für Desinfektions- und Reinigungsmittel spürbar mehr Geld aus.

"Es gibt einen deutlichen Trend zu Tiefkühlkost und Konserven. Das ist eindeutig", sagte ein Sprecher der Rewe. Eine Größenordnung zu nennen wie 15, 20 oder 30 Prozent Umsatzplus, dafür sei es aber zu früh.

Die Verbraucher seien insgesamt zurückhaltend in der Warengruppe Obst und Gemüse. Der Kölner Genossenschaftsverbund ist der zweitgrößte Lebensmittelhändler in Deutschland. Die Nummer 1, Edeka, äußerte sich zum Absatz in den einzelnen Warensortimenten am Donnerstag nicht.

Chinakohl statt Kopfsalat

Deutschlands größter Handelskonzern Metro berichtet ähnlich wie Rewe, Tiefkühlgemüse und Tiefkühlobst seien in der Verbrauchergunst ein Favorit. Aber auch an Gemüseständen griffen die Kunden weiterhin zu: Bei Chinakohl als Alternative zu Kopfsalat sowie Bohnen und Kohlrabi steige der Absatz.

Zudem sei eine "Verlagerung von frischem Gemüse und Salaten auf frisches Obst zu erkennen", sagte eine Sprecherin. In den Metro-Großhandelsmärkten für Gewerbetreibende seien zum Beispiel Melonen jetzt besonders beliebt.

Auch Konserven sind sehr gefragt. "Bei Konserven gibt es einen Absatzzuwachs im zweistelligen Bereich", sagte die Sprecherin der Metro AG weiter. An erster Stelle nannte sie dabei saure Gurken und Dosengemüse. Zu Metro gehören unter anderem die Einzelhandelstöchter Real und Kaufhof. Außerdem seien Desinfektions- und Reinigungsmittel sowie spezielle Handseife bei den Konsumenten gegenwärtig stark gefragt. Die Zuwächse bei einzelnen Produkten lägen im höheren zweistelligen Prozentbereich.

Auch ohne EHEC mögen die Deutschen Tiefkühlkost

Tiefgekühlte Lebensmittel und Fertiggerichte erfreuen sich schon seit längerem in Deutschland großer Beliebtheit. 2010 kletterte der Pro-Kopf-Verbrauch erstmals auf mehr als 40 Kilogramm im Jahr, wie das Deutsche Tiefkühlinstitut Mitte April berichtete.

Gegenüber 2009 verspeiste statistisch gesehen damit jeder Bundesbürger fast ein Kilogramm mehr. Der Gesamtumsatz im Lebensmittel-Einzelhandel und Großverbraucherbereich - inklusive Lieferdiensten und Discountern - stieg im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent auf gut 11,4 Milliarden Euro.

Marktforscher untersuchen Auswirkungen

Marktforscher analysieren derzeit das Einkaufsverhalten der Verbraucher vor dem Hintergrund der gefährlichen EHEC-Infektionen. Dabei müssen auch Aktionen wie Preisreduzierungen oder Sonder- Verpackungsgrößen sowie Kalendereffekte wie Einkäufe vor Feiertagen beachtet werden, um ein umfassendes Bild zu bekommen. Ob und wie groß EHEC eine Umsatzdelle im deutschen Lebensmittelhandel erzeugt hat, dazu wollen verschiedene Marktforscher noch keine Aussagen treffen.

Mehrere große Lebensmittelhersteller hielten sich am Donnerstag zu Absatzzahlen bedeckt. Beachtung fand in Branchenkreisen, wie schnell die Verbraucher ihr Einkaufverhalten geändert haben - binnen weniger Stunden und Tage. Vereinzelt klang Genugtuung an, dass Verbraucher in Krisenzeiten verstärkt zu den sonst oft gescholtenen industriell hergestellten Nahrungsmitteln greifen. Laut einer Online-Umfrage der Nielsen-Marktforscher von 2010 sehen drei Viertel der Deutschen die Hauptverantwortung für sichere Lebensmittel bei der Industrie.

Volker Danisch, dpa

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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