
Onlinehändler ringen um Effizienz im Versand
Der Onlinehandel boomt, die wachsenden Internetbestellungen führen immer mehr Lieferwagen durch die Städte. Nun wollen die Anbieter die Versandlogistik effizienter machen - und die Umwelt schonen.
Thomas RehmRedakteurErgebnis der "Sofortness", wie Fachleute die digitale Ungeduld auch nennen: „Der Laderaum von Lastwagen auf deutschen Straßen ist im zweistelligen Prozentbereich leer", sagt ter Hompel. "Wir haben mehr kleinteilige Transporte, die letztlich umwelttechnisch kritisch sind."
Hersteller von Nutzfahrzeugen profitieren
Die Autobranche profitiert davon. Für Daimlers Lieferwagensparte Mercedes Benz Vans etwa ist die kleinteilige „City-Logistik" eine „Riesenchance". In Europa liege das Marktvolumen bei 700.000 Fahrzeugen.
Allein Europas größter Autobauer VW verkaufte im vergangenen Jahr mehr als 200.000 seiner Lieferwagen T5 und Crafter. Die Nutzfahrzeugsparte verbuchte abermals einen Rekord.
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht die Entwicklung mit Sorge - wegen der Ökobilanz. "Ich glaube nicht, dass die privaten Fahrten durch E-Commerce weniger geworden sind", meint Heidi Tischmann, Güterverkehrsspezialistin des Vereins, der sich den ökologischen Transport auf die Fahne geschrieben hat. "Bevor die Leute im Netz bestellen, fahren sie doch ins Geschäft und probieren aus."
Kleinere Verteilerzentren als Lösung
Logistikprofessor ten Hompel verweist auch auf die Retouren. Die Hälfte der online bestellten Kleidung ließen die Kunden wieder zurückgehen - wofür wieder Motoren anspringen. Hinzu kommt, dass Paketzusteller viele Empfänger erst beim zweiten Versuch antreffen - oder gar nicht, so dass die Kunden ihr Paket von der Post holen.
Das Fraunhofer-Institut empfiehlt Unternehmen, kleinere stadtnahe Verteilzentren einzurichten und dort gemeinsam Pakete zu packen. Ein Beispiel: "Sie haben bei Amazon ein Schnitzel und ein Buch bestellt. In dem Verteilzentrum würden das Fleisch vom lokalen Metzger und das Buch aus dem großen überregionalen Verteilzentrum zusammengeführt."
Onlinekaufhäuser und Versender überlegen nun, wie sie die Abläufe verbessern. Die Otto-Versandtochter Hermes meldete jüngst nach einer Spezialistenanalyse stolz: Pro Karton wurde 1,5 Liter Luft eingespart.
Zalando erhofft sich mehr Effizienz und Bündelungspotenziale von einem laufenden Projekt mit der Technischen Universität Berlin. Und Amazon hat die Möglichkeit eingeführt, Artikel auch für später zu bestellen - was der VCD begrüßt. Denn ein Ende der "Sofortness" sei nötig, sagt Tischmann. "Wir brauchen auch ein Umdenken der Kunden."
Burkhard Fraune, dpa

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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