6 Dinge, an denen Händler und Marken einen guten Marktplatz erkennen

6 Dinge, an denen Händler und Marken einen guten Marktplatz erkennen

eBay hat’s erfunden, Amazon ist der Platzhirsch, Otto hat seit etwa einem Jahr einen, Douglas seit neuestem, Metro einen für B2B-Kunden und real baut seinem sogar ein internationales Netzwerk – die Rede ist von Marktplätzen. Worauf sollte man eigentlich achten, wenn man sich für den einen oder den anderen entscheidet? Jan Bechler, Geschäftsführer der Agentur Finc3 Commerce, weiß Rat.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
5 Min.· Aktualisiert am
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1. Ein guter Marktplatz erreicht potenzielle Kunden

Der beste Marktplatz ist nicht unbedingt der, der auf den ersten Blick am besten zu einem passt. So ist in einigen Fällen Amazon für B2B-Produkte sicherlich reizvoller als Metro Markets. Nicht, weil Amazon diese Kundengruppe besonders anspricht – sondern, weil eben auch B2B-Kunden im Großteil ihres Lebens B2C-Kunden sind, die die entsprechenden Angebote kennen und nutzen wollen.

Auf der anderen Seite ist Metro Markets vielleicht nicht nur für klassische B2B-Produkte spannend. Einen großen Teil ihres Bedarfs decken kleine B2B-Unternehmen (Hotels, Rechtsanwaltskanzleien oder Arztpraxen) derzeit im Supermarkt. Die dort gekauften Produkte könnten online aber auch für Metro Markets relevant sein – bei mutmaßlich weniger Wettbewerbern als auf Amazon & Co.
Ein weiterer Aspekt bzgl. potenzieller Kunden ist das Thema Internationalisierung: Tmall von Alibaba oder JD.com sind ebenfalls Marktplätze, genauso wie die Partner von Real in ihrem Internationalen Marktplatz Netzwerk. Internationalisierung via Marktplatz ist eine kosteneffiziente Möglichkeit die Reichweite deutlich zu steigern – und neue Kunden zu erreichen.

2. Ein guter Marktplatz bietet Zusatzleistungen wie Logistik

Neben einer möglichst hohen Qualität und Quantität des Sortiments sowie einem exzellenten Kundenservice (in beiden Kategorien ist Amazon zweifelsohne führend) ist vor allem auch die Frage der Logistik entscheiden dafür, wie attraktiv ein Marktplatz sowohl für Marken als auch für Endkunden ist. Vielen Käufern ist bis heute ja gar nicht klar, dass sie viele Produkte zwar AUF Amazon aber eben nicht VON Amazon, sondern Marktplatzhändlern erwerben, da die Lieferung über die Amazon Logistik erfolgt. Insbesondere die zentrale Amazon-Logistik, die Lieferung teilweise noch am selben Tag und die Versandkostenbefreiung für Prime-Kunden sind echte Wettbewerbsvorteile von Amazon. Gleichzeitig macht dieses Angebot einen Marktplatz in vielen Fällen auch für Hersteller attraktiver, deren Prozesse häufig gar nicht auf Einzelversand an Endkunden, sondern auf Massenlogistik an Handelspartner ausgerichtet sind. Es ist daher auch kein Wunder, dass real und eBay an eigenen Logistiklösungen für Marktplatzhändler arbeiten. Otto will sie ebenfalls bieten, während Metro und Douglas dies bislang noch dem Anbieter überlassen.

3. Ein guter Marktplätz ermöglicht Werbung

War es auf Amazon so, dass vor einigen Jahren gut optimierte Produktseiten für einen Erfolg auf der Plattform ausreichten, so ist das heute nicht mehr als ein Hygienefaktor. Echter Erfolg und Skalierung müssen in nahezu allen Fällen über Paid Media unterstützt werden. Nicht ohne Grund entwickelt sich Amazon gerade zum dritten Advertising-Ökosystem neben Facebook und Google.

Diese Entwicklung wird sich aus meiner Sicht auch auf den anderen Plattformen einstellen, bei Otto zum Beispiel arbeitet die Otto Media Group sehr aktiv daran, Search- und Display-Werbeformate weiter auszubauen, auf anderen Plattformen beobachten wir Ähnliches. Daher wird die Möglichkeit, Umsätze durch Paid Advertising mit zu steuern zum relevanten Entscheidungskriterium für oder gegen einen Marktplatz.

4. Ein guter Marktplatz bietet Schnittstellen

Marktplätze sollten den Fakt akzeptieren, dass Händler nicht exklusiv bei ihnen anbieten – und hieraus entsprechende Schlüsse ziehen. Idealerweise existieren Schnittstellen, die es den Anbietern der Ware ermöglichen, ihre Produkte automatisiert auf die Plattform zu bekommen. Einmal importiert, sollte dann die Möglichkeit bestehen, Content individuell zu optimieren. Amazon bietet beispielsweise Brand Stores oder so genannten A+ Content für seine Vendoren an. Das hilft der Plattform genauso wie den Anbietern – denn ihr Angebot wird dadurch besonders eindeutig und hochwertig präsentiert.Gleichzeitig braucht es auch gute Schnittstellen in die andere Richtung, um Bestell-, Inventar-, Retouren- oder Kundendaten möglichst automatisiert den Händlern zu übermitteln, damit diese dort weiterverarbeitet werden und gegebenenfalls die Waren versandt werden können.

5. Ein guter Marktplatz ermöglicht, Daten einfach zu konsolidieren, zu analysieren und damit das Geschäft datenbasiert zu steuern

Je mehr unterschiedliche digitale Sales-Kanäle ein Unternehmen bedient, desto komplexer werden auch die Herausforderungen, diese zentral und holistisch zu bewerten und steuern zu können. Es braucht kanalübergreifende Analytics- und BI-Lösungen, um Budgets, Inventar und Preise zu steuern und zu optimieren. Marktplätze müssen sich, wollen sie gegenüber ihren Anbietern kundenorientiert handeln, diesem Thema stellen und ihnen neben aggregierten eigenen Dashboards und Reportings bei Bedarf weitere Daten zum Import in eigene Business Intelligence Lösungen zur Verfügung stellen. Hier stehen die meisten Marktplätze leider noch am Anfang.

6. Ein guter Marktplatz hat bei dessen Anbieter die Top-Priorität


Im Internet wartet niemand auf den nächsten Online-Shop – das weiß jeder. Was aber genauso richtig ist: Es wartet auch niemand auf den nächsten Marktplatz. Erfolgreich kann daher nur sein, wer volle Power auf dieses Projekt gibt.

Wenn man das Gefühl hat, dass ein Händler seinen Marktplatz nur eröffnet, weil das „jetzt jeder“ macht, sollte man seine Ressourcen lieber an anderer Stelle investieren. Hier machen alle erwähnten Player (Amazon, eBay, Douglas, Metro Markets und Otto) aus unserer Sicht einen guten Job. Wichtig ist aber, dass das auch langfristig so bleibt.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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