Produkte schon vor dem Kauf erlebbar machen
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Produkte schon vor dem Kauf erlebbar machen

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Mit Rabatten und Reichweite allein lassen sich junge Zielgruppen nicht dauerhaft gewinnen. Tim Christiansen, General Manager DACH beim Social-Media-Anbieter Snapchat, erklärt, wie Augmented Reality und Storytelling Kundinnen und Kunden bei der Einschätzung helfen, ob ein Produkt zu ihren Bedürfnissen und ihrem Alltag passt.

Ein Angebot im Feed, ein Gutschein per App, ein klickbarer Produktkatalog: Der digitale Handel hat die Wege zum Bestellklick verkürzt. Doch gerade bei jüngeren Kund*innen bleiben vor dem Kauf oft Fragen offen.

Bei Produkten, die erklärt oder ausprobiert werden müssen, reicht klassische Angebotskommunikation nicht aus. Wer eine Sonnenbrille online sieht, möchte einschätzen, wie Form und Farbe mit dem eigenen Gesicht harmonieren. Wer ein Regal für eine kleine Wohnung sucht, fragt sich, ob es an die vorgesehene Wand passt. Und wer am Nachmittag durch die Angebote eines Supermarkts scrollt, braucht oft weniger Auswahl als eine gute Idee für ein schnelles Abendessen. An solchen Punkten entscheidet sich, ob aus einem ersten Kontakt echtes Interesse entsteht.

AR steigert Klarheit vor dem Kauf

Augmented Reality hilft Händlern, eine Brücke ins individuelle Kundenumfeld zu bauen, denn sie macht digitale Informationen im konkreten Nutzungsmoment zugänglich. Kund*innen können Produkte virtuell testen, Varianten vergleichen oder sehen, wie ein Artikel im eigenen Umfeld wirkt. Im Beauty-Bereich geht es um Farben und Wirkung auf dem eigenen Gesicht, bei Mode um Passform, Stil und Kombinationen, im Möbelhandel um Proportionen und Platzverhältnisse.

AR ersetzt weder Produktqualität noch persönliche Beratung. Sie kann aber Unsicherheit verringern und so das Risiko senken, dass Menschen anderweitig suchen oder einen Kauf abbrechen.

Für den Einsatz im Handel heißt das: AR wirkt vor allem in Kategorien mit vielen Varianten, hohem Beratungsbedarf oder erhöhten Retourenquoten. Entscheidend sind eine schnelle Anwendung, relevante Produkte und klare Kennzahlen – etwa die Nutzung von Produktdetails, die Verweildauer oder die Abschlussrate nach einem virtuellen Test. So bleibt AR kein kurzer Effekt, sondern kann Kund*innen bei einer konkreten Kaufentscheidung unterstützen. Dass dieses Angebot auf offene Ohren stößt, zeigt auch die Studie The Great Brand Reset von Snap und Mindscope: Demnach finden 75 Prozent der Befragten in Deutschland mindestens eine AR-Markenerfahrung ansprechend – besonders dann, wenn sie eine konkrete Frage beantwortet (35 Prozent) oder das Ausprobieren erleichtert (33 Prozent).

Wie Storytelling Produkte im Alltag verankert

Viele Handelsmarken kommunizieren noch stark aus der Angebotslogik heraus. Das ist nachvollziehbar, besonders in einem preissensiblen Markt. Preis und Verfügbarkeit beantworten jedoch nicht, welchen konkreten Nutzen ein Produkt hat und warum es jetzt relevant ist. Hier schafft Storytelling Kontext, der für junge Zielgruppen entscheidend ist.

Dafür muss keine Handelsmarke fortlaufend Unterhaltung produzieren. Es reicht häufig, einen konkreten Anlass aufzugreifen und Kund*innen bei der Auswahl zu helfen. Ein Sportartikelhändler kann erklären, welche Laufschuhe zu unterschiedlichen Strecken, Trainingszielen oder Einstiegsniveaus passen. Ein Baumarkt kann aus einem Produktregal ein DIY-Projekt machen – mit realistischen Angaben zu Zeit, Material und handwerklichem Anspruch.

Solche Inhalte müssen nicht aufwändig produziert sein. Besser funktionieren Authentizität, Verständlichkeit und ein starker Bezug zur Lebensrealität der Kund*innen. Junge Zielgruppen merken schnell, ob ein Inhalt ihnen weiterhilft oder ob ein klassischer Werbespot nur ins Hochformat übertragen wurde. Glaubwürdig wird Kommunikation dann, wenn sie reale Situationen aufgreift, statt sie künstlich zu überhöhen.

Zusammenarbeit statt einzelner Aktivierungen

In vielen Unternehmen werden Commerce, Creator-Kooperationen, Retail Media und Social Media noch getrennt geplant. Das kann zu Lücken führen: Ein Inhalt weckt Interesse an einem Produkt, das im Shop nur schwer zu finden ist. Eine Kampagne zeigt eine Variante, die nicht verfügbar ist. Oder wichtige Fragen zu Anwendung, Größe oder Auswahl bleiben bis zur Produktseite offen.

Für Kund*innen sind Zuständigkeiten irrelevant. Sie erwarten, dass der Weg vom ersten Impuls bis zur Produktseite durchgehend funktioniert. Das spricht dafür, dass Händler, Marken, Agenturen, Plattformen und Kreative früh gemeinsam planen – mit Blick auf ein konkretes Sortiment und die Entscheidung, die sie unterstützen wollen. Über mehrere Aktivierungen lässt sich auswerten, welche Inhalte genutzt werden, an welcher Stelle Menschen abspringen und ob ein virtueller Test dazu führt, dass sie sich intensiver mit einem Produkt beschäftigen oder Retourenquoten sinken. Mit solchen Erkenntnissen lassen sich Formate weiterentwickeln, sodass AR keine Spielerei bleibt, sondern sich ihr Beitrag zur Kaufentscheidung messen lässt.

Zur Studie

Für „The Great Brand Reset" wurden im Mai und Juni 2026 online 1.000 Personen zwischen 18 und 45 Jahren in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den nordischen Ländern sowie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten befragt, je 200 pro Markt, quotiert nach Altersgruppen. Auftraggeber ist Snapchat. Konzipiert und ausgewertet hat die Befragung die Verhaltensforschungsberatung Mindscope, die Feldarbeit lief über den Panelanbieter 3Gem.

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Tim Christiansen
Tim Christiansen

General Manager DACH bei Snapchat

Tim Christiansen ist seit Januar 2025 General Manager DACH bei Snapchat und verantwortet das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zuvor war er CEO der Hamburger Performance-Marketing-Agentur eprofessional, davor General Manager bei Media Impact, dem Vermarkter von Axel Springer.

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