
Conrad: Kann es der Roboter besser?
Der Elektronikhändler Conrad will mit einem Verkaufsroboter die Kunden auch zu Unzeiten glücklich machen. Aber nur in Berlin. Was taugt das Konzept?
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentRoboter im Einzelhandel gibt es schon eine Weile, man kennt „Paul“ von Saturn oder „Pepper“ im E-Center in Fürth. Conrad war hier sogar noch fortschrittlicher: Schon 2011 bot der Service-Roboter „Werner“ seine Kundendienste an. Der Unterschied zu „Alex“: Alle drei sind mobile Einkaufshelfer und rollen durch den Laden, um den Kunden zu helfen.
Alles, was die Roboterfinger leicht greifen können
Die neue Conrad-Variante ist immobil und, etwas geringschätzig formuliert, ein Verkaufsautomat mit Gesicht. Das Gerät ist fest installiert in einem eigenen kleinen Kiosksystem, wo es aus 36 verschiedenen Produkten wählen kann. Das sind keine Fernsehgeräte oder Mikrowellenherde sondern kleine Elektronikteile, wie eben Ladekabel oder Powerbanks für‘s Smartphone. Eben alles, was die Roboter-„Finger“ leicht greifen können.
Der Kunde muss für den Einkauf ein gesondertes Mitnahme-Terminal betreten, Zugang bekommt er durch seine EC- oder Kreditkarte, wie bei einem SB-Schalter einer Bank. Dann kann er auf einem Touchscreen sein Wunschprodukt kaufen, bezahlt per Karte oder bar – und „Alex“ greift ins Regal, legt das Teil auf ein Förderband, das es zum Ausgabeschacht befördert. Etwa eine Minute dauert so ein Prozess.
Und so sieht Groth heute auch „Alex“. Das lustige Gesicht des Roboters ist nett. Aber besser ist es, wenn der Kunde neben dem Lächeln auch einen handfesten Nutzen geboten bekommt – eben etwas zu kaufen, was er kurz nach Mitternacht wahrscheinlich nirgendwo in der Hauptstadt bekommt.
Selbstverständlich wird Conrad auch auf den Marketingeffekt durch „Alex“ spekulieren. Der Schöneberger Filialleiter Jochen Mädler spricht von einem Hingucker. „Wann hat man schon mal die Chance, einem humanoiden Roboter gegenüber zu stehen und ihn bei seiner Arbeit zu beobachten?“Die Frage ist, ob jemand, der sich nach Mitternacht bis zu dieser Filiale gekämpft hat, um sich schnell Batterien oder ein Ladekabel zu besorgen, weil für ihn sonst die Welt untergeht, Sinn für einen Grimassen schneidenden Roboter hat.
Entwickelt wurde „Alex“ vom Berliner Unternehmen pi4_robotics, welches das von Conrad verwendete Kiosksystem erstmals 2017 auf der Düsseldorfer Technikmesse EuroShop vorgestellt hatte. Der Vorteil dieser Technik: Sie sei vielseitig, versprach pi4_robotics damals.In der Tat: Den Greifarmen ist es egal, ob sie Kaffeebecher oder Ladekabel transportieren müssen. Rund 400.000 Euro soll das System in der Herstellung gekostet haben. „Unser Ziel ist es, Maschinen zu entwickeln, die Mensch und Umwelt nützen, nicht schaden“, sagt Matthias Krinke, Geschäftsführer von pi4_robotics.
Dass die Conrad-Variante des Workerbot genannten Roboters „Alex“ heißt, ist keine Werkseinstel-lung, sondern das Ergebnis eines Gewinnspiels in den Social-Media-Kanälen des Elektronikhändlers. Und weil ein nicht ganz unbekannter Platz in Berlin auch so heißt, zumindest in der Kurzvariante, ist der Name dieses Hauptstadtroboters gut gewählt.
Mehr neue Ideen für die Fläche finden Sie in der aktuellen Ausgabe von "Der Handel". #APPLINK2019-11-01-01#

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
Alle Beiträge