
Schlecker-Läden schwer zu vermitteln
Was passiert nun mit geschlossenen Schlecker-Filialen? Die Nachnutzung ist schwierig, die Standorte oft unattraktiv. Unter dem immensen Leerstand wird der gesamte Einzelhandel leiden.
Björn BöerChefredakteurDie Standorte sind stark renovierungsbedürftig, sie haben teilweise Stufen im Eingang, Zuschnitte in L-Form, unzeitgemäße Schwing- statt Schiebetüren. Im hessischen Bad Soden, zum Beispiel, liegen zwei ehemalige Läden gar nur 100 Meter auseinander. "95 bis 98 Prozent der Standorte kommen schon deshalb für uns nicht infrage, weil sie zu klein sind", sagte etwa dm-Chef Erich Harsch.
Leerstände vorprogramiert
Etwas mehr als 1.800 Filialen der insolventen Drogeriekette sind bereits geschlossen worden, nach dem Aus für das Unternehmen kommen bis Ende Juni nun noch etliche dazu. Für den Einzelhandel ist das keine gute Nachricht - denn immense Leerstände sind vorerst programmiert.
Die großen Maklerhäuser wie Lührmann oder Jones Lang LaSalle wollen sich nicht unbedingt mit den kleinen, unattraktiven Objekten überwiegend in Nebenlagen beschäftigen. Bleiben nur lokale Makler, die die schwierige Aufgabe haben, für ihre Mandanten Ersatzmieter zu finden.
Dass diese aus dem Einzelhandel kommen, ist aus den genannten Gründen nicht zu erwarten. Denn auch ein kleiner Händler würde vom jeweiligen Vermieter verlangen, dass er das Objekt in einen zeitgemäßen Zustand versetzt. Was nicht billig ist.
Schlechte Prognose
Am Ende könnten Imbissbuden, Billigläden, Nagelstudios oder Spielhallen die Schlecker-Standorte übernehmen - weil die Vermieter nach allem greifen werden, um an ihrer Immobilie zu verdienen.
Für die jeweiligen Quartiere sind das schlechte Prognosen: Entweder gibt es Leerstände oder einen zweitklassigen Mieterbesatz. Beides drückt das Niveau der jeweiligen Lage. Nicht nur deswegen wird die Schlecker-Pleite auch zum Problem für die gesamte Einzelhandelsbranche.
Steffen Gerth
Dieser Kommentar wurde in der Juni-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel veröffentlicht. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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