Mitarbeitende sortieren Pakete in modernem Fulfillment-Center zum Singles Day
© Higgsfield / Soul

Löst der Singles Day den Black Friday bald ab?

Zwei Milliarden Pakete, fast 600.000 Bestellungen pro Sekunde: Der Singles Day am 11.11. hat in China alle Rekorde gebrochen - und ist längst der umsatzstärkste Verkaufstag weltweit. Warum er das Potenzial hat, hierzulande zu einem zweiten Black Friday zu werden, erklärt Etailment-Gastautor Damian Maib, Gründer der Agentur Genuine German.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
4 Min.· Aktualisiert am
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Ins Leben gerufen wurde er 1993 von Studenten in der ostchinesischen Provinz Jiangsu, um an diesem Tag so etwas wie einen Anti-Valentinstag für Singles zu feiern. Als Datum wurde deshalb der 11.11. mit der Zahl 1 als Symbol für die Alleinstehenden gewählt.

2009 sprang dann der E-Commerce-Riese Alibaba auf und nahm den Tag zum Anlass, potenzielle Käufer durch regelrechte Rabattschlachten auf die Plattform zu locken. Während in den USA und Europa der Black Friday als Shoppingtag im Vordergrund steht, hat sich China mit dem Singles Day erfolgreich ein eigenes Pendant geschaffen, um die Menschen zu Käufen zu animieren, ob alleinstehend oder nicht.

583.000 Bestellungen pro Sekunde

Auch 2020 hat Alibaba am Singles Day wieder alle Verkaufsrekorde gebrochen. Schon eine halbe Stunde nach dem offiziellen Beginn des Events meldete der Konzern einen Umsatz von über 372,3 Milliarden Yuan, was in etwa 47,7 Milliarden Euro entspricht.

Dies verwundert nicht, denn Alibaba hatte sein Angebot im Vergleich zum Vorjahr mit über 2 Millionen Produkten mehr als verdoppelt. Zu Spitzenzeiten wurden 583.000 Bestellungen pro Sekunde aufgegeben.

Corona sorgt für Boom bei Luxusartikeln

Auch "dank" Corona war der diesjährige Singles Day ein besonderer. Denn auch die Chinesen mussten 2020 auf Auslandsreisen verzichten, sodass ihnen der Kauf internationaler Produkte im Ausland verwehrt blieb. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich mit der begehrten Importware online einzudecken.

Das spiegelt sich auch in den Absätzen der einzelnen Produktkategorien am Singles Day wider: Während in der Vergangenheit vor allem Elektronik- und Kosmetikartikel bei den Chinesen gefragt waren, haben in diesem Jahr besonders Luxusartikel internationaler Marken gut abgeschnitten.

Die Rolle der KOLs

Aufgrund von Corona war auch ansonsten einiges anders beim diesjährigen Singles Day. Zum einen wurde das Event auf zwei Verkaufswellen über elf Tage ausgedehnt, um logistischen Engpässen vorzubeugen.

Außerdem spielten Livestreams eine noch größere Rolle als sonst, da sie das Einkaufserlebnis für viele ersetzt haben. Die chinesischen Livestreams können als die Evolution des eingestaubten Teleshoppings gesehen werden, bei denen sogenannte Key Opinion Leader (KOLs) Produkte per Livestream testen, bewerten und ihr Urteil den Zuschauern präsentieren.

Kosten für die "Meinungsführer" steigen

Das Geschäft mit den KOLs lohnt sich für die chinesischen Händler nach wie vor, da sie das begehrte Vertrauen der Online-Community genießen.

Allerdings sind die Kosten der Zusammenarbeit zuletzt stark gestiegen. Neben einer Basisvergütung verlangen die Stars unter den Livestreamern teilweise bis zu 20 Prozent Umsatzbeteiligung.

Chance für die Beauty- und Kosmetikbranche

Bei all den bestehenden Shopping-Events wie Black Friday, Cyber Monday und Amazons Prime Day stellt sich die Frage, ob wir hierzulande überhaupt einen weiteren Verkaufstag nötig haben und welche Nische dieser noch ausfüllen könnte. Während der Black Friday vor allem für Schnäppchen im Bereich Consumer Electronics steht, könnte der Singles Day in Zukunft das Shopping-Event der Beauty- und Kosmetikbranche werden. So hat zum Beispiel dm dieses Jahr eine Payback-Aktion zum 11.11. umgesetzt, und auch Rossmann hat Rabattaktionen gefahren.

Shopping-Events haben nicht nur kurzfristige Effekte

Es ist sehr gut möglich, dass der Singles Day den Black Friday in den kommenden Jahren auch in Europa überholen wird. Immer mehr Marken haben das Potenzial für sich erkannt und planen mittlerweile eigene Kampagnen.

Die kurzfristige Umsatzsteigerung durch große Shopping-Events kann für Händler auch langfristige Effekte haben und nachhaltig auf die Marke einzahlen. Denn die Kaufbereitschaft ist bei solchen Schnäppchentagen sehr groß und ein Anschlusskauf zu einem späteren Zeitpunkt wahrscheinlich.

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Thomas Rehm
Geschrieben vonThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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