Skandal um Angora-Wolle bringt Einzelhändler in Schwierigkeiten

Skandal um Angora-Wolle bringt Einzelhändler in Schwierigkeiten

Nachdem bekannt wurde, wie Angora-Kaninchen in China gequält werden, haben H&M und C&A Kleidung mit dieser Wolle verbannt. Der Textilhandelsverband sucht noch nach einer Lösung.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Ein Video der Tierschutzorganisation Peta hatte zuvor Entsetzen ausgelöst. Es zeigt, wie lebenden Angora-Kaninchen in China das Fell vom Leib gezogen wird. Daraufhin hatten die Modehäuser H&M und C&A angekündigt, keine Kleidung mit Angora-Wolle mehr produzieren zu lassen.

"H&M akzeptiert nicht, dass Tiere schlecht behandelt werden", teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. "Wir erlauben nur Produkte aus Kaninchenhaar von Farmen mit guten Bedingungen für die Tiere." Der Modekonzern kündigte "weitere Kontrollen" seiner Lieferanten an. Kunden könnten gekaufte Angora-Pullis umtauschen.

C&A verlangt Aufklärung

"Bis zur Aufklärung der Vorwürfe werden wir mit sofortiger Wirkung keine Aufträge für Waren mit Angora mehr platzieren", sagte C&A-Pressesprecher Lars Boelke. "Uns lagen bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Erkenntnisse über Verstöße gegen Tierschutz bei den im Auftrag unseres Unternehmens gefertigten Angora-Produkten vor." C&A produziere Angora-Produkte nicht selbst. Man werde den Vorwürfen nachgehen. Peta zufolge kommt 90 Prozent aller Angora-Wolle weltweit aus China.

Es gebe in Deutschland nur wenige Modehändler, die auch selbst produzierten oder Kleiderproduktionen in Auftrag gäben, erläuterte BTE-Sprecher Augustin. Deswegen seien die Bestandteile eines Kleidungsstückes bei den Unternehmen nicht zentral erfasst. "Sofern ein Pullover nicht gerade als reiner Angora-Pullover beworben wird, ist es schwierig für den Händler." Er könne dann allenfalls die Etiketten aller Teile nach Angora-Angaben durchsehen. Das sei aber eher unrealistisch.

Angora-Produktion in Deutschland ein Nischenzweig

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie betonte, in Deutschland sei die Angora-Produktion tierschonend. Die Kaninchen würden sorgsam geschoren. Allerdings sei die Angora-Gewinnung hierzulande ein absoluter Nischenzweig, räumte ein Verbandssprecher ein. "Die meisten Angora-Produkte werden nicht in Deutschland, sondern in anderen Staaten produziert. Woher diese Hersteller ihre Materialien gewinnen, ist uns nicht bekannt."

Der Modeindustrieverband German Fashion geht nach eigenen Angaben davon aus, dass das Thema seine Mitglieder "nur wenig oder gar nicht" betrifft. "Sollten die Feststellungen von Peta zutreffen, so steht außer Frage, dass derartige Praktiken nicht geduldet werden können und entsprechende Reaktionen folgen werden", erklärte Hauptgeschäftsführer Thomas Rasch.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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