"Sklavenverhältnisse" - Lebensmittelhändler am Pranger

"Sklavenverhältnisse" - Lebensmittelhändler am Pranger

"Report Mainz" berichtet, dass Lagerarbeiter bei Lebensmittelhändlern zu miserablen Bedingungen beschäftigt sind. Rewe will nun die Zusammenarbeit mit der Verleihfirma prüfen.

Steffen GerthSteffen GerthRedakteur Der Handel und etailment
2 Min.· Aktualisiert am
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Das ARD-Magazin hatte berichtet, dass die Firma ihren Lagermitarbeitern fast ausschließlich Akkordlohn zahle. Der Anbieter ist demnach außer für Rewe auch für Edeka und deren Discounttochter Netto tätig.

Ein Rewe-Sprecher teilte dazu am Dienstag mit: "Wir überprüfen die weitere Zusammenarbeit." Natürlich sei es unmoralisch, Mitarbeitern Tageslöhne von 37 Euro zu zahlen. "Wir kennen in unseren Standorten jedoch nicht einen Fall, wie er im Beitrag von 'Report Mainz' für Netto dargestellt wurde. Und wir würden es auch nicht dulden."

Beschwerden habe es bisher nicht gegeben: "In der aktuellen Überprüfung von Ende August hat uns der Dienstleister bestätigt, dass er alle von uns vorgegebenen Sozialstandards einhält", sagte der Sprecher.

Netto prüft zur Stunde noch eine Anfrage von derhandel.de.

"Es kommt darauf an, wie fleißig Sie sind"

Ein Lagermitarbeiter von "headway logistic" berichtete "Report Mainz", er habe in einem Monat nur knapp 380 Euro verdient, obwohl er voll gearbeitet habe. Der Mann sprach von einem Bezahlsystem, wonach er pro bewegter Verpackungseinheit mit 0,28 Euro entlohnt worden sei.

Außerdem habe es eine Anwesenheitsprämie von 75 Cent pro Stunde gegeben. Wer allerdings nur einen Tag krank war, dem sei die Prämie für einen vollen Monat gestrichen worden.

In Beschäftigung kommen die Mitarbeiter über den privaten Arbeitsvermittler Privater-Arbeitsmarkt.com aus Gera in Thüringen. In einem Werbevideo der Firma wird von 900 bis 1.500 Euro Monatslohn für einen Lagerarbeiter gesprochen.

"Es kommt darauf an, wie fleißig Sie sind", sagt Jan Fischer, beim Vermittler zuständig für Recruitment & Partnerdisposition, in dem Clip.

Wieder Edeka Sachsen-Thüringen

Das Unternehmen vermittelt Lagerarbeiter beispielsweise an "headway logistic" in Bayern, die wiederum Lagerlogistik bei Firmen wie Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen übernimmt.

Dieses Unternehmen kam Ende vorigen Jahres bereits wegen Mitarbeiterbespitzelungen in die Schlagzeilen. Geführt wurden die Läden von Peter Simmel, der Anfang 2010 im Zuge dieser Affäre als Aufsichtratschef der Edeka zurückgetreten war.

Die stellvertretende Ver.di-Bundesvorsitzende Margret Mönig-Raane sprach von "Sklavenverhältnissen" und forderte Rewe, Netto und Edeka auf, die Zusammenarbeit mit dem Dienstleister zu beenden.

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Steffen Gerth
Geschrieben vonSteffen Gerth

Redakteur Der Handel und etailment

Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.

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