
SUV im Businessanzug
Mercedes-Benz vereint im neuen GLC die Vorzüge der C-Klasse mit der Anziehungskraft moderner Geländewagen. Die C-Klasse läuft wie geschmiert und SUV sind.
Björn BöerChefredakteurUnd tatsächlich kommt die Kombination aus Business-Limousine mit Lounge-Atmosphäre einerseits und Off-Road-Silhouette mit höherer Sitzposition anderseits vom Start weg glänzend an. Nach den ersten vier Monaten des Jahres liegt der GLC gegenüber seinem kantigeren Vorgänger GLK um satte 40,1 Prozent im Plus.
SUV-Segment mit 23,8 Prozent im Plus
Mit 8.328 Zulassungen gehört der GLC im Boom-Segment (plus 23,8 Prozent gegenüber Januar bis April 2015) zu den meistverkauften Modellen. Lediglich die deutlich preiswerteren Ford Kuga (10.928), Opel Mokka (10.257), Nissan Quashqai (9.863) und Hyundai Tucson (8.508) sowie der gleichfalls neue BMW X 1 (8.687) verbuchen nach den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes noch mehr Neuanmeldungen.
Der Erfolg leuchtet schon beim ersten Blick auf das 4,66-Meter-Gefährt ein: Aus dem eher eigenwillig gezeichneten Vorgänger ist ein sichtlich weicherer aber wuchtigerer Wagen mit gefälligen Rundungen geworden, die den Geschmack der immer größer werdenden Zahl an SUV-Fans ganz offensichtlich genau treffen.
Überzeugende Sitzprobe
Wer vor dem Einsteigen noch nicht beeindruckt ist, den überzeugt sicherlich die Sitzprobe. Edle Materialien, tadellose Verarbeitung, großer Bildschirm auf der Mittelkonsole, auffällige Luftausströmer, sportlich-handliches Lenkrad und die wichtigsten Informationen zur Fahrt finden sich in der Windschutzscheibe projiziert.
Allerletzte Zweifel werden nach der Abfahrt zerstreut: Die behagliche Clubatmosphäre animiert geradezu zum gemütlichen Dahingleiten. Zu diesem Wohlfühlerlebnis tragen zudem das vorbildliche Geräuschniveau des Dieselantriebs, das famos schaltende Neungang-Automatikgetriebe (sogar serienmäßig an Bord!) und die optionale Luftfederung bei. Auch die Fahrgäste in der zweiten Reihe und das Gepäck reisen erstklassig.
Gleichteile in diversen Baureihen
Kritiker könnten allenfalls einwenden, dass der Hersteller seine Gleichteilestrategie mittlerweile übertreibt. Gerade im Interieur ähneln sich die Modelle der Marke schließlich immer mehr.
Dem GLC-Fahrer dürfte es freilich ziemlich einerlei sein, dass A-, B-, C-, E- und V-Klasse ihre Käufer mit einer ähnlichen Anmutung überzeugen wollen. Er sitzt wunschgemäß ein gutes Stück über den Dingen, genießt die von allerlei Assistenten unterstützte Dienstreise – und kommt wohl selten auf die Idee, das schöne Auto tatsächlich auf matschigen Buckelpisten zu traktieren. Obwohl der stets allradgetriebene Daimler mit einem zusätzlichen Offroad-Technikpaket (702 Euro) mit fünf Fahrprogrammen auch dafür gerüstet ist.
2.500 Kilogramm Anhängelast
Alltagstauglichkeit beweist der GLC mit kombiähnlichem Kofferraumvolumen inklusive elektrisch öffnender und schließender Heckklappe. Darunter verbirgt sich eine ebene Ladefläche, darunter wiederrum ein stattliches Ablagefach für Kleinutensilien. Das ist sogar abschließbar, wenn man den im Zeitalter digitaler Fahrzeugsteuerung etwas antiquiert wirkenden Bart aus dem Schlüssel herausgefummelt hat. An Ablagen herrscht übrigens auch im Fahrgastraum (Türinnenverkleidungen, Mittelkonsole) kein Mangel.
Durch einen Fingertipp auf die im Heck angebrachten Tasten klappen die Rücksitzlehnen um. Eine weitere Bedientaste ermöglicht, in der Variante mit Luftfederung, das Absenken der Ladekante. Mit immerhin 2.500 Kilogramm Anhängelast lässt sich der mobile Verkaufsstand an Ort und Stelle bringen – oder am Wochenende der Anhänger für Freizeitaktivitäten bewegen.
Gemäßigte Gangart wird belohnt
Auch der Kraftstoffkonsum hält sich angesichts von fast zwei Tonnen Leergewicht im akzeptablen Rahmen. Der Normverbrauchswert von 5,0 Litern ist im realen Leben, fast schon selbstredend, nicht zu erreichen. Bei zum Fahrzeugcharakter passender, gemäßigter Gangart sind aber immerhin Werte im Sechs-Liter-Bereich möglich.
Bleibt ein Haken: Man muss sich, wie bei Mercedes-Benz traditionell üblich, all die schönen Dinge auch leisten können. Die Preisliste für den GLC 250 d beginnt bei strammen 46.410 Euro und die Broschüre umfasst mehr als 50 Seiten…
Bernd Nusser

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge