
IT-Budgets: Jetzt wird geklotzt
Für Kunden ist der Kauf quer über alle Kanäle selbstverständlich. Für Händler bald auch: Sie investieren kräftig, zeigt die Studie "IT-Trends im Handel" des EHI Retail Institute.
Projekte, die in engem Zusammenhang mit der Umsetzung der Omnichannel-Strategie des Unternehmens stehen, haben dementsprechend in nächster Zeit für mehr als die Hälfte der befragten Entscheider höchste Priorität. Dazu zählen beispielsweise die Optimierung oder Erneuerung der Warenwirtschaft wie auch die technische Hochrüstung des Verkaufsraums: Während in der Studie vor zwei Jahren 28 Prozent der Entscheider angaben, in Technologie am Point-of-Sale investieren zu wollten, sind es nun 48 Prozent. Im Mittelpunkt steht dabei die Kasse, die in „Echtzeit“ Informationen mit zentralen Systemen austauschen muss.
Das EHI beobachtet zudem einen deutlichen Anstieg bei den geplanten Investitionen in Lösungen für das Customer-Relationship-Management (CRM) und Analytics. „Die angestrebte zunehmende Personalisierung von Kundenbeziehungen, meist über Kommunikation mit dem Kundensmartphone, erfordert neue Ansätze“, heißt es in der Studie. Informationen über den Kunden müssten kanalübergreifend in Echtzeit und auf unterschiedlichen Geräten verfügbar sein, was eine performante und schnelle CRM-Lösung voraussetze. Omnichannel und Personalisierung erzeugten wiederum große Datenmengen, deren sinnvolle Analyse oft noch viel Potenzial bietet.
Um die erwähnte Geschwindigkeit und Flexibilität der Systeme zu erreichen und gleichzeitig die Komplexität der Systemlandschaft zu reduzieren setzt auch der Handel zunehmend auf cloudbasierte Anwendungen. 39 Prozent der an der Studie beteiligten Unternehmen geben an, dass die Bedeutung von Lösungen aus der Cloud in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird, für 16 Prozent haben diese bereits heute eine hohe Bedeutung.
Die steigende Bedeutung von Technologie in sämtlichen Bereichen einer Handelsorganisation führt der Studie zufolge auch dazu, dass sich die Rolle der IT-Abteilung spürbar wandelt: Sie wird zur Chefsache. War die IT in früheren Jahren in erster Linie Dienstleister, ist sie heute oft der Innovationstreiber im Unternehmen. Seinerzeit oft dem Finanz- oder Controllingbereich untergeordnet, berichten heute sechs von zehn der IT-Verantwortlichen direkt an die oberste Führungsspitze. Inzwischen sind 41 Prozent der Verantwortlichen in diesem Bereich sogar selbst Mitglied der Geschäftsführung.
Zudem ist heutzutage ein immer engerer und systematischer Austausch mit allen Abteilungen im Handelsunternehmen erforderlich. „Insbesondere ist der Bereich Marketing zu nennen, da dort kaum mehr Projekte durchgeführt werden, die nicht technologiegetrieben sind“, so das EHI.
In den Interviews sei deutlich zu spüren gewesen, dass die Firmen dieses Thema ernst nehmen und auch konsequent umsetzen. Vielfach seien beispielsweise Mitarbeiter der IT direkt in den einzelnen Fachabteilungen angesiedelt oder umgekehrt. Auf IT-Seite wird zunehmend Personal mit hoher Kompetenz in der Projektsteuerung gesucht, welches „die Sprache des Business“ spricht.
Klassischerweise ist das Onlinegeschäft in vielen Unternehmen ausgelagert oder wurde intern autark betrieben. Nun gehe der Trend zur Reintegration in die eigenen Systeme, die Parallelwelten werden abgebaut. Bereits heute haben 45 Prozent der IT-Abteilungen die technologische Hoheit über das E-Commerce Geschäft, diese Entwicklung dürfte sich nach Meinung der EHI-Experten in den kommenden Jahren noch weiter manifestieren.
Als besondere Herausforderung bezeichnen fast alle Handelsunternehmen, qualifiziertes Personal in der IT zu gewinnen. Sie setzen daher neben einem angemessenen Gehalt zunehmend auf „weiche“ Faktoren wie eine positive Unternehmenskultur, spannende Aufgabenbereiche, Weiterentwicklungsmöglichkeiten sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Der eigenen Ausbildung kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu – viele Firmen versuchen auf diese Weise, gute Mitarbeiter frühzeitig an sich zu binden.
Grundsätzlich sind die IT-Budgets der Studienteilnehmer im Vergleich zu den Vorjahren weiter angestiegen. Im Durchschnitt über alle Branchen liegt das IT-Budget 2017 bei 1,35 Prozent vom Nettoumsatz – und damit deutlich über den Werten aus 2015 (1,24 Prozent) und 2013 (1,14 Prozent). In den kommenden Jahren rechnen die Entscheider mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung. Die Budgets werden jedoch laut Studie flexibler und volatiler, da neue Technologien und Anwendungen in kürzeren Abständen auf den Markt kommen und Budgets teilweise unterjährig angepasst werden müssen.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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