"Testosteron macht männliche Käufer blind"

"Testosteron macht männliche Käufer blind"

Hunger und Durst haben beide - und doch ist bei Mann und Frau am Ende des Einkaufs der Lebensmittelkorb unterschiedlich gefüllt. Warum das so ist, erklärt Hirnforscher Hans-Georg Häusel im Interview.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Trotz Emanzipation übernimmt das weibliche Geschlecht heute nach wie vor die Verantwortung beim Einkauf. Ein Mann ist und bleibt immer ein stückweit ein Einzelkämpfer, und damit verändert sich natürlich auch sein Warenkorb, selbst wenn er Vater ist. Studien belegen: Zu 70 Prozent übernimmt die Frau den Einkauf.

Welche Einkaufspräferenzen haben Mann und Frau?
Frauen haben beim Thema Ernährung einen anderen Umgang als ein Mann. Sie ernähren sich durchschnittlich bewusster als das starke Geschlecht, weil sie mehr Betonung auf die Themen Gesundheit, Gewicht und Schönheit legen. Entsprechend wirken sich diese Interessen auch auf die Wahl der Lebensmittel aus. Dem Mann geht beispielsweise das Thema Gesundheit eher ab. Das heißt: Bei Mann und Frau herrschen grundsätzlich andere Bedürfnisstrukturen und somit ist die Einstellung zu Lebensmitteln eine andere.

Nähern sich Mann und Frau inhaltlich an, wenn er für die Familie einkauft?
Im Prinzip nicht. Denn Männer sehen beim Einkaufen viele Dinge aufgrund ihres Testosterons nicht - außer die Frau schreibt es ihm auf den Einkaufszettel. Er wird wohl eher etwas billigere Produkte einkaufen und weniger auf die Qualität achten. Wobei ich diese Aussage nicht pauschal treffen möchte, weil auch die Bildungszielgruppen eine große Rolle bei der Wahl der Lebensmittel spielen und nicht nur das Geschlecht allein.

Hat die Wahl der Artikel auch damit zu tun, dass Frauen öfter kochen als Männer?
Selbstverständlich. Frauen stehen eher für frische Lebensmittel, Männer mehr für die praktischen und schnellen Produkte. Männer gehen beim Thema Nahrungsmitteleinkauf nicht so differenziert vor wie Frauen.

Hat das weibliche Geschlecht eine niedrigere Reizschwelle, wenn es durch den Supermarkt geht?
Bei Frauen ist die Sensibilität in der Wahrnehmung erwiesenermaßen um 10 bis 15 Prozent höher. Frauen schauen detailierter und nehmen Situationen eher war als Männer, das hat man schon in diversen Supermarktstudien herausgefunden. Der Mann schaut oberflächlicher und schneller.

Wie muss ein Supermarkt ausgerichtet sein, damit er mehr Männer zum Einkaufen bewegt, ohne Frauen zu verlieren?
Die Frage ist, ob Männer sich von Supermärkten ausgeschlossen fühlen? Ich gehe auch häufig im Supermarkt einkaufen, habe aber nicht das Gefühl, dass meine Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden.

Wo es große Interessensunterschiede gibt, ist in den sogenannten Nebensortimenten wie Drogeriewaren oder Putzmitteln, da wird die männliche Kundschaft - wie soll ich sagen - vernachlässigt oder schlicht nicht abgeholt. Diese Produkte müssten noch praktischer sein, damit der Mann öfter zugreift. Männer haben noch weniger Interesse am Putzen als Frauen, es muss fix gehen. Eine gewisse Vereinfachung der Sortimente würde die männliche Kauflaune eher stimulieren.

Interview: Pierre Pfeiffer
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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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