
Thilo Weichert: „Mehr Transparenz”
Befürwortet eine stärkere Scoring-Regulierung: Dr. Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig- Holstein.
Thomas RehmRedakteurDer Gesetzgeber versucht nun, das Ungleichgewicht ein wenig aufzuheben, indem den Firmen Transparenzpflichten auferlegt werden. Nur so können sich die Betroffenen zur Wehr setzen, wenn ihnen trotz bester Zahlungskraft die Eröffnung eines Bankkontos verweigert wird oder Geschäftsabschlüsse scheitern, weil sie ihren Wohnsitz im schlecht bewerteten Bahnhofsviertel gewählt haben.
Zweifellos sind angesichts der massenhaften Zunahme von Distanzgeschäften Sicherungen für die Wirtschaft nötig. Kein Unternehmen soll gezwungen werden, auf berechtigten Rechnungen sitzen zu bleiben. Bisher aber führten statistische Vorurteile und falsche Datenbestände dazu, dass Menschen ohne Berechtigung ausgegrenzt und diskriminiert wurden. Daher sollte die Wirtschaft froh sein, wenn sie durch die neuen Datenschutzregelungen angehalten wird, die Betroffenen besser zu informieren. Nur so können sie die relevanten Kundeninformationen bekommen; nur so kann gegenüber immer anonymer werdenden Unternehmen das nötige Verbrauchervertrauen entstehen.
Fairer Handel setzt voraus, dass nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Unternehmen und ihre Praktiken transparent gemacht werden. Davon konnte bisher keine Rede sein: Auskünfte über Datenspeicherungen wurden verweigert. Bewertungen wurden nicht offengelegt. Übermittlungen an andere Unternehmen führten zu keiner Benachrichtigung. Es ist recht und billig, dass sich dies künftig ändern soll.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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