Gipfeltreffen von HDE, ZGV und bevh: Abschied vom Feindbild Amazon

Gipfeltreffen von HDE, ZGV und bevh: Abschied vom Feindbild Amazon

Lange Jahre haben Verbände und Verbundgruppen eher widerwillig auf den Onlinehandel geschaut. Das hat sich massiv geändert. Wie weit der Paradigmenwechsel schon fortgeschrittenen ist, zeigt ein seltenes Spitzentreffen von HDE, ZGV und bevh.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Es war ein seltenes Bild, als sich Josef Sanktjohanser, Präsident Handelsverband Deutschland HDE, mit Günter Althaus, Präsident Der Mittelstandsverbund ZGV und Gero Furchheim, Präsident Bundesverband E-Commerce und Versandhandel bevh gemeinsam an einen Tisch im Haus der dfv-Mediengruppe (zu der auch etailment gehört) setzten. Doch man kommt sich näher. Auch inhaltlich und bekommt von dem Trio Einschätzungen zu hören, die vor Jahren noch unsagbar schienen.

Online gegen offline, Große gegen Kleine, Händler gegen die Vorschriftswut von Politikern, alle gegen Amazon – oder eben nicht, und stattdessen neue Partner auf dem Marktplatz? Die Grenzen verschwinden, und damit oft auch der Streit zwischen den großen Verbänden. Darüber diskutierte „Der Handel“ mit dem Spitzen-Trio.

Das sind wichtige Kernaussagen aus dem großen Gipfeltreffen:

Günter Althaus, Präsident Der Mittelstandsverbund ZGV, hat eine Warnung an die Unbeweglichen:

„Ich glaube nicht, dass es noch einen gibt, der nicht kapiert hat, was die Stunde geschlagen hat. Jeder unserer Händler weiß, er muss sich bewegen oder er gibt sein Geschäft auf. Jetzt geht es darum, Instrumente zur Verfügung zu stellen, damit die Händler ihre Strategien umsetzen können.

Die Zukunft gehört den innovativen Händlern, mahnt Josef Sanktjohanser, Präsident Handelsverband Deutschland HDE:

„Wir müssen selbst immer vom Kunden her denken. Die Digitalisierung bedeutet ja auch eine Veränderung der Prozesse. Unsere traditionelle Anbietersituation hat sich verändert. Heute wird im Netz die Nachfrage gestaltet und organisiert. Dem müssen wir Rechnung tragen. Die Unternehmen, die die Zukunft entscheidend mitgestalten, werden in hohem Maße digitale Innovatoren sein.“

Aber letztlich führt an Amazon und Co wohl kein Weg vorbei, glaubt Günter Althaus:

„Wir laufen in eine Phase rein, die man als Plattform-Ökonomie beschreiben kann. Das muss einem nicht gefallen. Aber man muss zur Kenntnis nehmen, dass die großen Plattformen über die Kundenschnittstellen verfügen. Wenn ein Unternehmer online Geschäfte machen will, ist er auf Frequenz angewiesen, und die kommt über die Plattformen.“

Das verlangt auch den Verzicht auf lange gepflegte Feindbilder. Althaus gesteht:

„Vor drei Jahren habe ich unseren Händlern noch beigebracht, dass Amazon das Feindbild ist. Mittlerweile machen unsere Händler beachtliche Umsätze über Amazon, weil die Kunden diese Schnittstelle nutzen und es ihnen egal ist, woher das Produkt kommt – Hauptsache, es ist verfügbar. (…) Vernetzung ist das Schlüsselwort und das heißt auch Vernetzung mit einem Wettbewerber.“

Der Onlinehandel ist zudem nicht an allem schuld, was auf der Fläche schlecht läuft, erinnert Gero Furchheim, Präsident Bundesverband E-Commerce und Versandhandel bevh:

„Nicht die fehlende Sonntagsöffnung erklärt den Anstieg im E-Commerce. Ganz im Gegenteil, laut unserer aktuellsten Studie ist der Samstag der stärkste Einkaufstag im E-Commerce. Wir sind aber für eine Liberalisierung, auch im Sinne einer fairen Behandlung der verschiedenen Kanäle.“

Das komplette Interview lesen Sie in der Print-Ausgabe von „Der Handel“

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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