
Verdi droht Karstadt mit härterer Gangart
Die Gewerkschaft Verdi droht mit einem harten Arbeitskampf, nachdem die Warenhauskette aus dem Flächentarifvertrag ausgestiegen ist. Auch Investor Berggruen steht weiter in der Kritik von Verdi.
Björn BöerChefredakteurKarstadt will mit einer zweijährigen "Tarifpause" drohende Mehrbelastungen in Millionenhöhe abwenden. Der Essener Handelskonzern war innerhalb der regionalen Arbeitgeberverbände in die Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung gewechselt.
Damit hatte sich im Mai ein großer Arbeitgeber aus der Tarifrunde Einzelhandel 2013 verabschiedet, noch ehe sie richtig begann. Vor eineinhalb Wochen hatte der Gesamtbetriebsrat sowohl Verdi als auch die Karstadt-Geschäftsführung aufgefordert, zügig Verhandlungen aufzunehmen.
Karstadt hatte die "Tarifpause" mit der laufenden Sanierung begründet. Eigentümer Nicolas Berggruen räumte vor wenigen Wochen ein, die Probleme bei der Übernahme 2010 unterschätzt zu haben. Wie versprochen seien die Gehälter wieder auf das Niveau von vor der Pleite angehoben worden. Weitere Erhöhungen seien aber für zwei Jahre unmöglich. Er stehe bereit, frisches Geld einzubringen, wenn es helfen würde. Aber entscheidend sei der Wandel im Unternehmen selbst.
Nutzenberger verlangte erneut von Berggruen, die schwierige Sanierung der Warenhauskette mit Investitionen zu beschleunigen. "In eine Reihe von Häusern wurde bereits investiert. In vielen gibt es aber immer noch einen Investitionsstau", kritisierte Nutzenberger, die auch im Karstadt-Aufsichtsrat sitzt. "Die Beschäftigen haben, zum Beispiel über Lohnverzicht, bereits 650 Millionen Euro in den vergangenen acht Jahren beigesteuert. Jetzt ist der Eigentümer am Zug."

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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