Kundenkreis erweitern
Inzwischen zählt Datev in Nürnberg mit rund 7400 Mitarbeitern und einer knappen Milliarde Euro Jahresumsatz zu den größten IT-Dienstleistern und Softwarehäusern Deutschlands. Unter den Anbietern von Business-Software lag die Gruppe 2016 nach eigenen Angaben auf Platz 3.
Sie sind es gewohnt, auf Plattformen einzukaufen oder dort Reisen zu buchen. Das bedeutet jedoch anders herum, dass traditionelle Anbieter von Leistungen, vom Steuerberater bis zum Händler, auf Plattformen den direkten Kundenkontakt verlieren und dort auch austauschbar werden. Andererseits dürfen die Plattformen keine fachlichen Beratungen für die Steuererklärung anbieten, da dies dem Steuerberater vorbehalten bleibt. Datev zielt darauf ab, „möglichst viele bisher nicht steuerlich beratene Bürger zur Teilnahme an einer von der Genossenschaft betriebenen Plattform zu motivieren.“ Zumal dadurch die Möglichkeit bestehe, etwa bei kniffligen Fragen den direkten Kontakt zu einem Steuerberater herzustellen.
Kooperation mit Technik-Anbieter Casio
So sollen unter dem Dach von Datev-Tax gleich drei neue Lösungen entstehen, zum einen die Plattform für Steuerpflichtige mit Web- und App-Lösungen, zum anderen die Vermittlung eines passenden Datev-Steuerberaters und schließlich für Mandanten von Datev-Mitgliedern die Plattform zur Selbst- und Belegverwaltung. Die ersten App-Lösungen für Nicht-Mitglieder dürften ab dem kommenden Jahr zur Verfügung stehen.
Vorbereitet auf eine unangekündigte Kassen-Nachschau
Neben betriebswirtschaftlicher Beratung wie etwa zum Thema Digitalisierung oder Cloud-Lösungen mit eigenen geschützten Servern taucht Datev zunehmend im Alltag des Handels auf. Ganz besonders an der Kasse: Seit die gesetzlichen Regelungen zur Aufbewahrung und Dokumentation der Kassendaten verschärft wurden und die Finanzbehörden mit dem Jahresbeginn 2018 verstärkt zur unangekündigten Kassen-Nachschau auftauchen, besteht vor allem bei Bargeld-intensiven Branchen erheblicher Nachholbedarf, wie der Datev-Vorstandschef unterstreicht.
Daher wurde im Juli das neue Portal „Kassenarchiv online“ freigeschaltet. Vor diesem Hintergrund haben die Nürnberger eine Kooperation mit dem Technik-Anbieter Casio begonnen. Das neue Archiv macht die Daten im Fall der unangekündigten Kassen-Nachschau oder Betriebsprüfung jederzeit verfügbar – entweder durch manuelles Hochladen oder direkt und automatisiert über das Kassensystem. Die Geräte müssen über entsprechende Schnittstellen verfügen. Ziel sei es, künftig die Kassendaten strukturiert an das Datev-Rechenzentrum zu liefern.
Investition in digitale Schnittstellen
Und last but not least brennt dem Datev-Chef noch ein anderes Thema unter den Nägeln: Immer noch lieferten 60 Prozent der gewerblichen Mandanten ihre Daten überwiegend in Papierform an die Kanzleien. Mayr: „Wir müssen dafür sorgen, dass kaufmännische Prozesse durchgängig, ohne Medienbruch, funktionieren.“ Sprich, die Finanzbuchhaltung muss automatisiert werden.
Deswegen hätten die Nürnberger in den vergangenen Monaten intensiv daran gearbeitet, digitale Schnittstellen zu den Vorsystemen zu schaffen. Ein Beispiel dafür sei Paypal: Bisher mussten Webshops beziehungsweise deren Steuerberater die Zahlungsdaten aus Paypal mit hohem manuellem Aufwand in die Buchführungssysteme übertragen.
Nun konnte Datev gemeinsam mit Paypal eine direkte Schnittstelle integrieren, über die diese Daten automatisch übermittelt und weiterverarbeitet werden können. Ähnliche Partnerschaften wurden mit anderen Dienstleistern geschlossen, darunter Salesforce, die führende Plattform für Vertrieb, Service, Marketing, Handel und Datenanalysen. Die Zahl solcher auf dem Datev-Marktplatz angebotenen Partnerlösungen hat sich allein binnen Jahresfrist auf heute rund 150 verdoppelt.
All dies sind nur die ersten Schritte, die nächste Stufe sei bereits geplant: Mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz sollen bald schon „Echtdaten“ im Echtbetrieb verarbeitet werden, in einem selbstständig weiter lernenden System. Ein Pilotprojekt startet noch in diesem Jahr. Doch bis zum serienmäßigen Markteintritt dürfte noch etwas Zeit ins Land gehen.
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Chefredakteur Der Handel und etailment.de
Andreas Chwallek ist seit März 2015 Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins Der Handel und von etailment.de. Der Diplom-Sozialwirt begann seine Laufbahn im Wirtschaftsressort des Göttinger Tageblatts und kam 1991 als Redakteur der Lebensmittel Zeitung zur dfv Mediengruppe. Ab Mai 2014 war er stellvertretender Chefredakteur von Der Handel, bevor er die Chefredaktion übernahm.
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