Wie Unternehmer klassische Bankkredite umgehen können

Wie Unternehmer klassische Bankkredite umgehen können

Handelsunternehmen und Finanzierung - das läuft oft nach einem Muster ab: das erstbeste Angebot wird genommen. Keine andere Branche ist so träge. Dabei kann man beim Geld leihen viel Geld sparen - zwei Onlineplattformen zeigen, wie es geht.

SPSabine PhilippFreie Journalistin
5 Min.· Aktualisiert am
Teilen

Regional bekannt – deutschlandweit aktiv



Sowohl FinCompare als auch Compeon betonen, dass sie nur mit ausgewählten und renommierten Finanzpartnern aus Deutschland zusammenarbeiten. "Unsere Finanzierungspartner suchen meist einen zusätzlichen Vertriebskanal. In einigen Fällen sind sie nur regional bekannt. Oder sie haben sich auf bestimmte Branchen spezialisiert, und verfolgen einen Ansatz, der sich über klassische Werbung nur schwer darstellen lässt", erläutert Heller.

Wie sieht es mit der Entlohnung aus? Beide Plattformen erhalten bei erfolgreicher Vermittlung eine Aufwandsentschädigung von den Finanzierungspartnern. FinCompare ist vor allem auf das schnelle Geschäft für kleinere Unternehmen konzipiert. Das Mindestvolumen liegt aktuell bei 10.000 Euro. Compeon verfügt über einen großen Beraterpool und ist auch für größere Vorhaben ausgelegt.
Im Jahr 2017 hatten Unternehmen Finanzierungsanfragen mit einem Gesamtvolumen von rund 5 Milliarden Euro ausgeschrieben. Im Durchschnitt wurden Finanzierungen mit einem Volumen von 700.000 Euro angefragt. Durch Kooperationen mit Instituten wie der KfW Bank können Antragsteller auf Compeon ihre Vorhaben auf Förderfähigkeit prüfen.

Speziell an Existenzgründer richtet sich die gruenderplattform.de, hinter der unter anderem die KfW Bankengruppe und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie stehen. Sie ist seit März 2018 online. Voraussetzung ist ein Businessplan mit einem Finanzteil, bei dessen Erstellung die Plattform mithilft. Der Blick über den Tellerrand lohnt. Einige Institute haben sich auf Nischen spezialisiert und vergeben Kredite an Unternehmen, die durch das klassische Bewertungsraster fallen.

Ein solches Institut ist die Deutsche Handelsbank. Ihr Schwerpunkt liegt auf schnell expandierende Wachstumsunternehmen. Zum Kundenkreis gehören unter anderem die E-Commerce-Händler Mister Spex, Fashion for Home und Outfittery. Für die Deutsche Handelsbank ist entscheidend, dass das Unternehmen seit mindestens einem Jahr existiert, dass es einen Umsatz aufweist, der zeigt, dass sich das Geschäftsmodell trägt, und dass mindestens ein Risikokapitalgeber mit an Bord ist.

Crowdfunding – die Masse macht's


Mittlerweile öffnen sich auch große Geldhäuser und auch Spezialbanken für eher exotische Finanzierungsprodukte. So prüft zum Beispiel eine Arbeitsgruppe aus der DZB Bank in einem Pilotprojekt das Crowdfunding für die Finanzierung von Unternehmen. Bei dieser Finanzierungsform beteiligt sich eine Gruppe von Kleinanlegern, die so genannte Crowd (englisch für Menschenmenge) mit kleineren Geldmengen an einem größeren Vorhaben.

"Ursprünglich wurde mit Crowdfunding vor allem Geld für Prototypen oder soziale Zwecke gesammelt. In den vergangenen Jahren haben immer mehr Unternehmen das Prinzip für gewerbliche Vorhaben für sich entdeckt", erläutert Oliver Recklies Generalbevollmächtigter und Bereichsleiter Finanzen und Controlling bei der DZB Bank. Aktuell läuft ein Pilotprojekt mit einem mittelständischen Fachhändler. Die Arbeitsgruppe möchte hierbei testen, ob das Modell prinzipiell auf den Handel übertragbar ist. "Wenn der Versuch erfolgreich verläuft, sollen neben Wachstumsfinanzierungen auch Innovationen aus dem Handelsbereich gefördert werden", so Recklies. Dazu sollen später bei passenden Innovationskonzepten den Ideeninhabern auch fachliches Feedback und ausgewählte Testmöglichkeiten im Handel angeboten werden. Unabhängig davon, ob es um eine alternative Finanzierungsform oder um den klassischen Kredit geht. Laut einer repräsentativen Studie des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BFM) möchten 57 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland unabhängiger von ihrer Hausbank werden. Besonders ausgeprägt sei die Haltung bei Unternehmen in den Bereichen Im- und Export (63 Prozent) sowie Handel (62 Prozent). "Ein umfassender Anbietervergleich reduziert Kosten und schafft Transparenz. Allerdings scheut der Großteil der Unternehmen diesen Aufwand und setzt auf den vermeintlich einfacheren Weg", bedauert Peters von Compeon. Die Finanzplattform hat eine Studie durchgeführt, wonach 72,9 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Handel keine umfangreichen Vergleiche von Finanzierungsanbietern durchführen.

"32,2 Prozent der Händler setzen sich noch nicht einmal mit den angebotenen Konditionen auseinander und wählen das erstbeste Angebot, ohne weitere Anbieter überhaupt in Erwägung zu ziehen", kommentiert Peters. Damit erreichten Händler den höchsten Wert unter allen befragten Branchen. Ein Fehler, der Geld kosten kann. "Laut Studie haben Unternehmen mit drei oder mehr Bankverbindungen im Schnitt 20 Prozent geringere Finanzierungskosten", so der Compeon-Manager abschließend.

Mehr zum Thema:

Teilen
SP
Geschrieben vonSabine Philipp

Freie Journalistin

Sabine Philipp arbeitet seit 2004 als freie Journalistin mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Mittelstand und Technologie. 2023 schloss sie sich dem Kölner Journalistenbüro dreimaldrei an, das auf Wirtschafts- und Finanzthemen spezialisiert ist.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

  • 10.800+ Abonnenten
  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.