
Zalando, E-Grocery, Temu + Shein, PPWR, Bafin, Asos, Österreich: Paketabgabe, Paypal, Coupang, Schweiz, Google, E-Books
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
Thomas RehmRedakteur – ein Muss, wenn Google in den nächsten Monaten das Universal Commerce Protocol integriert. -> Mehr lesen
HANDEL NATIONAL
Zalando zieht bei Connected Retail den Stecker
Zalando stellt sein Connected-Retail-Programm bis Ende Juni 2027 ein, berichtet Retail-News.de. Stationäre Händler hätten darüber bislang Filialbestände direkt über die Plattform verkauft. Künftig bündle Zalando alle Partnerschaftsformen in einem einheitlichen Modell, um Doppelstrukturen abzubauen. Ab September gälten einheitliche Marktplatz-Servicegebühren, bis Ende 2027 mit Übergangsrabatten. Für kleinere Händler hieße das: weniger eigene Entscheidungen, mehr Plattformdiktat.
E-Grocery: Hört auf, Äpfel mit Birnen zu vergleichen!
Kennzahlen-Kosmetik statt operativer Exzellenz: Matthias Schu aus dem Expertenrat zerlegt die gängigen E-Grocery-KPIs und zeigt am Beispiel Oda, wie integrierte Fulfillment-Steuerung wirklich aussieht. Hier weiterlesen.
Temu und Shein reißen 2,4-Mrd.-Loch in deutsche Wirtschaft
Der unfaire Wettbewerb durch Temu und Shein entzieht der deutschen Wirtschaft jährlich 2,4 Mrd. Euro an Wertschöpfung, meldet der HDE unter Berufung auf eine aktuelle IW-Studie. Allein der Einzelhandel büße 1,3 Mrd. Euro ein, Bund, Länder und Kommunen verlören 429 Mio. Euro Steuereinnahmen. Zudem fielen dem Preisdruck über 40.000 Arbeitsplätze zum Opfer, 28.300 davon im Einzelhandel.
PPWR ab August: Gekaufte Kartons dürfen verwendet werden
Händler dürfen ihre vor dem 12. August angelegten Karton-Vorräte auch nach Inkrafttreten der PPWR weiter abverkaufen, berichtet Haendlerbund.de. Zwar schweige die Verordnung selbst dazu, doch in den Erwägungsgründen sei festgehalten, dass bereits in Verkehr gebrachte Verpackungen den neuen Anforderungen nicht genügen müssten. Entscheidend sei, dass der Händler nicht selbst als Erzeuger auftrete und die Ware in Deutschland eingekauft habe. Rechnungen und Lieferscheine sollten aufbewahrt werden. Bei Neubestellungen ab dem Stichtag empfehle sich die Nachfrage nach Konformitätsdokumentation.
Bafin nimmt Beschwerden ernst, aber nicht zum Anlass
Die Bankenaufsicht Bafin verzeichnete 2025 rund ein Drittel mehr Beschwerden zu Banken und Versicherungen als im Vorjahr, meldet Golem.de. Insgesamt seien 25.744 Bankbeschwerden eingegangen, im Schnitt 70 pro Tag. Fünf Großbanken machten die Hälfte aus, ein weiteres Drittel entfalle auf Neobanken. Hauptärgernis seien Erreichbarkeit und Kundenservice. Sanktionen oder konkrete Forderungen blieben bislang aus. Der Verbraucherschutzbeauftragte Christian Bock versichere im bafineigenen Interview, man nehme die Beschwerden ernst und „handle bei Bedarf“.
HANDEL INTERNATIONAL
Asos will sieben Mio. Pfund von der US-Zollkasse
Die britische Fast-Fashion-Plattform Asos fordert sieben Mio. Pfund Zoll-Rückerstattungen von den USA, berichtet BBC.com. Der britische Mode-Händler reagiere damit auf ein März-Urteil des US Court of International Trade, das die Rückzahlung von mehr als 160 Mrd. Dollar an Zöllen unter dem „International Emergency Economic Powers Act“ angeordnet habe. Rund 330.000 Importeure seien erstattungsberechtigt. Anfang April hätten bereits über 56.000 Firmen Anträge im Volumen von 127 Mrd. Dollar eingereicht – das Online-Portal ächze spürbar unter dem Ansturm.
Österreich führt eine Paketabgabe von zwei Euro pro zugestellter Lieferung ein, wie Heise.de berichtet. Betroffen seien Händler mit mehr als 100 Mio. Euro Jahresumsatz, wobei unklar bleibe, ob die Schwelle weltweit, im EWR oder nur in Österreich gelte. Die Abgabe solle 280 Mio. Euro einbringen und die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel von zehn auf 4,9 Prozent mitfinanzieren. Sie addiere sich zum europäischen Paketzoll von drei Euro und einer EU-Bearbeitungsgebühr von zwei Euro. Betroffen seien auch Otto Austria, Ikea, XXXLutz, Mediamarkt und Supermärkte mit Hauslieferung.
Paypal weiß, was Du gekauft hast und macht damit Werbung
Paypal verknüpft in den USA erstmals Werbung auf Connected TV direkt mit realen Kaufdaten, berichtet Retail-News.de. Das Produkt „Curated Ads“ stütze sich auf Milliarden Transaktionen aus dem eigenen Zahlungsnetzwerk und messe Kampagnenerfolg an bestätigten Käufen statt an Klicks oder Modellrechnungen. Zielgruppen ließen sich so über tatsächliches Konsumverhalten zuschneiden. Für die Ausspielung kooperiere Paypal mit Partnern im Connected TV und im Open Web, um kanalübergreifende Reichweite zu erzielen.
Coupang-Razzia belastet Bündnis zwischen Seoul und Washington
Südkorea weist Kritik republikanischer US-Abgeordneter an seinem Umgang mit dem Online-Händler Coupang zurück, der seinen Firmensitz in Delaware hat, berichtet Digitaljournal.com. Seouls Außenministerium erklärte, die Ermittlungen liefen streng nach nationalem Recht und richteten sich nicht diskriminierend gegen US-Firmen. Hintergrund sei ein Datenleck, das im Vorjahr Informationen von über 30 Mio. Kunden offengelegt habe. Die US-Abgeordneten sprächen von Razzien, hohen Bußgeldern und Steuerprüfungen. Laut koreanischen Medienberichten hätten US-Unterhändler sogar hochrangige Sicherheitsgespräche an Rechtssicherheit für Coupang-Chairman Kim Bom geknüpft.
Onlineshop-Umfrage: Schweizer Shops spüren Temu kaum
Shopify bleibt mit 21 Prozent die meistgenutzte Shoplösung im Schweizer E-Commerce, so eine Umfrage von Carpathia.ch. 12 Prozent setze auf Shopware, der Rest verteile sich auf SAP CX, WooCommerce, Magento und andere. 49 Prozent der Shops wüchsen zweistellig. 82 Prozent der Befragten spürten keine Umsatzverluste durch Temu, Shein oder Aliexpress. KI komme bislang vor allem für Produktbeschreibungen und Online-Marketing zum Einsatz. Die Preisgestaltung bleibe Randthema.
TRENDS & TECHNOLOGIE
Googles KI will der neue Praktikant im Büro sein
Google hat auf der Hausmesse Cloud Next tiefgreifende KI-Erweiterungen für Workspace vorgestellt, berichtet Techcrunch.com. Das neue System „Workspace Intelligence“ greife auf Gmail, Kalender, Chat und Drive zu, wobei Nutzer einzelne Datenquellen jederzeit sperren könnten. In Sheets erstelle Gemini Tabellen per Prompt und fülle sie nach Google-Angaben neunmal schneller als von Hand. In Docs verfasse, überarbeite und imitiere die KI auf Wunsch den eigenen Schreibstil.
Der Anteil der EU-Bürger, die E-Books oder Hörbücher kaufen, ist 2025 auf durchschnittlich 9,5 Prozent gestiegen, nach 7,3 Prozent im Vorjahr, meldet Eurostat. An der Spitze lägen Irland mit 24,5 Prozent, Dänemark mit 22,5 Prozent und Kroatien mit 21,0 Prozent. Deutschland läge bei 14 Prozent, Österreich bei 13 Prozent. Finnland, Portugal und Malta verzeichneten dagegen Rückgänge.
Digital fit, beim Coden abgehängt: Europas Mädchen 2025
Mädchen zwischen 16 und 19 übertreffen bei fast allen digitalen Alltagstätigkeiten die EU-Gesamtbevölkerung, so eine Eurostat-Erhebung. Häufiger als ihre männlichen Altersgenossen bearbeiteten sie Fotos, verschoben Dateien oder tippten in Textverarbeitungen. Beim Programmieren kippe das Bild: Nur zehn Prozent der Mädchen schrieben Code, bei den Jungen seien es 19,8 Prozent. Diese Lücke zeige sich in allen EU-Ländern bis auf Zypern.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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