
Zalando Erfurt, Otto, Amazon, Genuine, Oxid + Kustom, Start-ups, Copilot + Stripe, Sujhal, KI-Shopping, Social Commerce
Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen. Einen erfolgreichen Tag wünscht Ihnen die Redaktion von etailment.de.
David WöllensteinRedakteurHANDEL NATIONAL
Zalando verlässt Erfurt: 2700 Jobs fallen weg
Zalando schließt Ende September sein Logistikzentrum in Erfurt und streicht damit 2700 Arbeitsplätze, wie Unternehmenssprecherin Anne Frohnmayer dem MDR mitteilte. Der seit 2012 betriebene Standort entspreche nicht mehr dem aktuellen Stand, der Modernisierungsaufwand sei zu hoch. Stattdessen nehme in Gießen ein neues Logistikzentrum mit 1700 Mitarbeitern den Betrieb auf. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow wirft Zalando laut Spiegel.de „Raubtierkapitalismus“ vor.
90-Prozent-Club: Otto kündigt Routine-Retournierern
Otto geht laut Medienmitteilung härter gegen chronische Vielretournierer vor, die dauerhaft über 90 Prozent ihrer Bestellungen zurückschicken. Das dreistufige Verfahren beginne mit einer ans Gewissen appellierenden „Umweltmail“, fahre mit der Streichung des Rechnungskaufs fort und ende notfalls mit dem Kundenausschluss. Diese Fälle seien extrem selten, die meisten Betroffenen änderten ihr Verhalten nach den ersten Hinweisen. Parallel investiere Otto in bessere Produktinformationen und Größenberater, um Fehlkäufe von vornherein zu verhindern.
Amazon zeigt Händlern, warum Kunden retournieren
Amazon stellt Händlern ein Dashboard bereit, das Rücksendungen reduzieren soll, berichtet Haendlerbund.de. Das Tool namens „Rücksendungen und Rückerstattungen: Erkenntnisse und Chancen“ analysiere historische Trends und identifiziere produktspezifische Schwachstellen. Verkäufer erhielten auf Basis von Kundenbewertungen konkrete Handlungsempfehlungen und könnten ihre Lagerbestände im Fulfillment-Bereich auswerten. Das Dashboard funktioniere sowohl für Eigenversand als auch für Versand durch Amazon und sei im Seller Central unter „Rücksendungen und Rückgewinnung“ abrufbar.
Genuine ist jetzt „größter Partner von Tiktok Shop“ und baut neues Studio
Der deutsche Dienstleister Genuine (ehemals Genuine German), Spezialist für Auftritte europäischer Marken auf chinesischen und asiatischen Online-Plattformen, darf sich jetzt größter Partner von „Tiktok Shop“ nennen, teilt das Unternehmen mit: „Genuine betreut aktuell die meisten und umsatzstärksten Shops im Markt. Wir halten als einziger Partner alle von Tiktok vergebenen Badges.“ Genuine richtet unter anderem Markenshops auf Plattformen ein, pflegt sie, berät zur Strategie und unterstützt die Erstellung von Content und Live-Commerce. Gegenwärtig würden 20 Kunden aus Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich betreut, darunter Xiaomi, Philips, ESN, Estée Lauder, Cosnova und Omni-Biotic. Anfang Februar soll ein neues, 1.000 Quadratmeter großes Studio in Köln in Betrieb gehen, von dem aus Content produziert und Livestreams gesendet würden.
Oxid Esales integriert Checkout von Kustom
Oxid Esales integriert die Checkout-Lösung von Kustom in seine Shopsoftware, berichtet das Unternehmen aus Freiburg. Der skandinavische Anbieter, früher als „Klarna Checkout“ bekannt, versorge bereits über 24.000 Händler in mehr als 170 Märkten. Oxid-Kunden erhielten damit Zugriff auf ein breites Spektrum an Zahlungs- und Versandoptionen über ein einziges Interface. Das Modul lasse sich in wenigen Schritten anpassen und sei auf Performance ausgelegt.
Deutschland verzeichnete 2025 mit 3568 Neugründungen ein Rekordjahr bei Start-ups, berichtet Businessinsider.de. Das seien 29 Prozent mehr als im Vorjahr, was selbst das Boomjahr 2021 überträfe. Zugleich sanken die Insolvenzen um elf Prozent, auch die Sorgenkinder Food und E-Commerce hätten sich erholt. Bayern legte um 46 Prozent zu – München überholte Berlin als Gründungshauptstadt. Die meisten Neugründungen seien im Software-Bereich entstanden, angefeuert durch den KI-Boom; es folgten Medizin und – überraschend – Food. Dieser bereits 2024 begonnene, positive Trend dürfte sich auch in diesem Jahr fortsetzen.
Deutsche Mittelständler investieren weniger in KI
Deutsche Mittelständler investierten 2025 nur noch 0,35 Prozent ihres Umsatzes in KI-Technologien, wie eine Studie der Managementberatung Horváth laut Reuters.com zeigt. Da der Gesamtmarkt auf 0,5 Prozent geklettert sei, liege der Mittelstand somit etwa 30 Prozent unter dem Durchschnitt. Geopolitische Turbulenzen hätten viele Firmen zur Kostenoptimierung gezwungen, frühe KI-Projekte hätten zudem nicht die erhofften Effizienzsprünge gebracht. Bürokratische Hürden, schleppende Digitalisierung und Datenschutzbedenken lähmten die Umsetzung zusätzlich. Ohne massive Beschleunigung drohe die Technologielücke zum existenziellen Risiko zu werden, warne Studienleiter Heiko Fink.
HANDEL INTERNATIONAL
Microsoft Copilot wird durch Stripe zur Verkaufsplattform
Stripe ermöglicht US-Nutzern von Microsoft Copilot den Produktkauf direkt im Chat-Fenster, meldet der Finanzdienst. Etsy-Händler sowie Ketten wie Urban Outfitters und Anthropologie seien bereits angebunden. Das Checkout-Formular erscheine automatisch, wenn sich ein Gespräch zum Einkaufsdialog entwickle. Die Verbindung laufe über das „Agentic Commerce Protocol“, einem offenen Standard für KI-gestützten Handel. Bereits im September habe Stripe diesen Instant Checkout in ChatGPT integriert.
Zwischen Juli und September 2025 buchten Gäste 398,1 Mio. Übernachtungen in EU-Kurzzeitvermietungen über Airbnb, Booking und Expedia, wie Eurostat mitteilt. Das seien 8,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und 28,2 Prozent mehr als 2023. In allen sieben meistbesuchten EU-Ländern stiegen die Übernachtungszahlen, aber nur Griechenland (plus 12,3 Prozent) und Deutschland (plus 12,0 Prozent) verzeichneten ein zweistelliges Wachstum. Die beliebteste Region bleibe Andalusien mit 13,3 Mio. Übernachtungen, gefolgt von der kroatischen Adriaküste und der Ile de France.
Sujhal bringt indischen Designer-Schmuck online
Die bekannte indische Schmuckmarke Sujhal hat eine eigene E-Commerce-Plattform gestartet, berichtet Devdiscourse.com. Das Unternehmen aus Ahmedabad verkaufe damit Designer-Schmuck erstmals direkt an indische und internationale Kunden. Die nach Mitgründerin Sujhal D Shah benannte Marke verbinde moderne Designs mit traditioneller indischer Handwerkskunst. Im Sortiment fänden sich Halsketten, Ringe und Armbänder für Hochzeiten, Feste oder den gehobenen Alltag.
TRENDS & TECHNOLOGIE
KI darf suchen, aber nicht verkaufen
KI-Assistenten bleiben Recherchewerkzeug statt Kaufkanal, zitiert Channelx.world den „Marketplace Shopping Behavior Report“ von Channelengine. Zwar hätten 58 Prozent der befragten 4500 Online-Shopper KI-Tools zur Produktsuche genutzt, doch nur 17 Prozent fühlten sich beim direkten Kauf über KI wohl. Stattdessen verglichen 53 Prozent Produkte über durchschnittlich drei Marktplätze hinweg, bevor sie sich entschieden. Fehlende Bewertungen ließen 60 Prozent zögern, während 95 Prozent durch Preisunterschiede bei identischen Produkten skeptisch würden. Es entstehe eine neue „Confidence Economy“, die auf Transparenz statt Algorithmen setze.
29 Prozent der deutschen Internetnutzer kaufen über soziale Netzwerke ein, so eine Bitkom-Befragung. Instagram (15 Prozent) führe als Shopping-Plattform vor Facebook (14 Prozent), Youtube (elf Prozent) und Tiktok (acht Prozent). Werbeanzeigen brächten 42 Prozent der Social-Commerce-Nutzer auf neue Produkte, doch das Influencer-Marketing stehe vor Problemen: Nur jeder Fünfte finde es sympathisch, während 29 Prozent eine klarere Kennzeichnung forderten. Klassischen Produkttests vertrauten die meisten Social-Media-Shopper weiterhin mehr als Influencern.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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