Verbraucherschützer werfen Amazon und Bol irreführende Rabattaktionen vor
Der niederländische Verbraucherverband Consumentenbond geht gegen Rabattpraktiken von Amazon und dem Online-Marktplatz Bol vor. Wie Ecommercenews.eu berichtet, hat die Organisation beide Plattformen abgemahnt und fordert, vermeintlich irreführende Preisnachlässe sofort zu stoppen. Im Raum steht der Vorwurf, Kundinnen und Kunden würden mit irreführenden Rabatten gelockt, die nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Amazon und Bol weisen die Vorwürfe zurück.
Grundlage der Kritik ist eine zweimonatige Auswertung von Preisen beliebter Produkte, die im Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft rabattiert wurden. Insgesamt beobachtete Consumentenbond 1.142 Produkte; 323 davon wurden mindestens einmal mit durchgestrichenem Preis und Rabattprozent angeboten. Bei 108 dieser Angebote sieht der Verband einen Verstoß gegen die Regeln: Die beworbenen Rabatte hätten sich nicht am niedrigsten Verkaufspreis der vergangenen 30 Tage orientiert, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Damit seien die Preisvorteile aus Sicht der Verbraucherschützer nicht korrekt dargestellt worden.
Besonders deutlich fallen die Zahlen in der Untersuchung aus: Auf Amazon stuft Consumentenbond 46 von 113 Deals als irreführend ein, bei Bol 62 von 210 Aktionen. Entscheidend ist dabei der gesetzliche Maßstab: Ein durchgestrichener Preis und ein Rabattprozentsatz müssen sich auf den 30-Tage-Tiefstpreis beziehen. Nach Darstellung des Verbands waren die Produkte vor der Aktion teils bereits günstiger erhältlich als zum beworbenen Rabattpreis. Ein Rabatt wäre damit kein tatsächlicher Preisnachlass, sondern lediglich eine verkaufsfördernde Darstellung.
Die Organisation nennt konkrete Beispiele. Auf Amazon sei ein Bluetooth-Lautsprecher für 147 Euro als Angebot mit angeblich 26 Prozent Rabatt gegenüber einem regulären Preis von 199,99 Euro beworben worden. Tatsächlich habe der Preis zuvor fast einen Monat lang bei 133 Euro gelegen. Bei Bol sei ein Fernseher für 349 Euro mit einem angeblichen Rabatt von 12 Prozent auf einen durchgestrichenen Preis von 399 Euro angeboten worden. In den 60 Tagen vor der Aktion habe das Gerät jedoch nie 399 Euro gekostet; überwiegend lag der Preis bei 349 Euro, einmal sogar bei 329 Euro.
Consumentenbond-Direktorin Sandra Molenaar verweist darauf, dass der Verband seit Jahren gegen Scheinrabatte vorgehe und bereits Veränderungen bei anderen Händlern erreicht habe. Aus ihrer Sicht kennen auch große Online-Marktplätze die Regeln und müssten Preisvorteile korrekt ausweisen. Die Botschaft an Amazon und Bol fällt entsprechend deutlich aus: Sollten die Plattformen die Preisvorschriften nicht einhalten, drohten rechtliche Schritte.
Mit Blick auf den Black Friday kündigt der Verband verschärfte Kontrollen an. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten darauf vertrauen können, dass Preisangaben in Online-Shops korrekt und Rabatte tatsächlich nachvollziehbar sind. Consumentenbond will daher erneut gezielt nach Scheinangeboten suchen und gegen Verstöße vorgehen. Zugleich ruft die Organisation dazu auf, verdächtige Angebote zu melden.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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