Britische KMU verlieren wertvolle Wachstumszeit an Verwaltung
Britische Inhaberinnen und Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen verbringen laut dem von Channelx.world zitierten SME Business Barometer von American Express und Small Business Saturday UK fast doppelt so viel Zeit mit Administration wie mit dem Ausbau ihres Geschäfts. Die jährliche Studie unter 1.000 Eigentümern britischer Kleinst-, kleiner und mittlerer Unternehmen zeigt, wie stark operative Pflichten den Alltag prägen: Im Durchschnitt entfallen elf Stunden pro Woche auf Verwaltungs- und Finanzaufgaben. Das entspricht rund sechs Arbeitstagen im Monat.
Für vertriebs- und wachstumsbezogene Aktivitäten bleibt deutlich weniger Raum. Nach Angaben der Befragten investieren sie dafür nur etwa 3,6 Arbeitstage im Monat. Mehr als die Hälfte der Unternehmerinnen und Unternehmer gibt an, dass Papierkram sie beim Führen des Geschäfts behindert; konkret nennen 54 Prozent die Verwaltung als Bremse. 36 Prozent sehen die eigene fehlende Kapazität als größte Hürde für weiteres Wachstum. Hinzu kommt eine hohe persönliche Belastung: Jeder fünfte Befragte arbeitet 60 Stunden oder mehr pro Woche.
Trotz dieser Engpässe fällt die Einschätzung der Selbstständigkeit überwiegend positiv aus. 85 Prozent bezeichnen die Führung eines Unternehmens als die beste berufliche Entwicklungserfahrung, die sie je gemacht haben. Zwei Drittel berichten, dass das Unternehmertum im vergangenen Jahr ihr Selbstvertrauen und ihren Glauben an die eigenen Fähigkeiten gestärkt habe. Die Ergebnisse zeichnen damit ein differenziertes Bild: Kleine Unternehmen bleiben resilient und ambitioniert, werden im Tagesgeschäft aber durch Routinen gebunden, die Wachstum, Vertrieb und strategische Weiterentwicklung ausbremsen.
Als mögliche Entlastung rückt KI stärker in den Fokus. Unter den Befragten, die Aufgaben abgeben möchten, würde ein Drittel generative KI-Werkzeuge für allgemeine Verwaltungsarbeiten nutzen; fast ein Viertel sieht Einsatzmöglichkeiten in Finanz- und Buchhaltungsaufgaben. 21 Prozent der kleinen Unternehmensinhaber vergleichen KI bereits mit einer zusätzlichen Arbeitskraft. Zugleich wird deutlich, dass Technologie nicht als Ersatz für unternehmerische Erfahrung verstanden wird, sondern als Hilfsmittel, um knappe Zeit produktiver einzusetzen.
Auch für den Aufbau neuer Kompetenzen spielt KI eine Rolle. Von denjenigen, die sie bereits nutzen, setzen 41 Prozent entsprechende Tools zum Erstellen oder Bearbeiten von Inhalten ein. 29 Prozent verwenden KI, um neue Fähigkeiten zu erlernen oder geschäftlichen Rat einzuholen. American Express betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung praktischer Unterstützung für kleine Unternehmen. Small Business Saturday UK verweist darauf, dass die rund 5,7 Millionen kleinen Unternehmen im Vereinigten Königreich konkrete Hilfe benötigen, um das Produktivitätspotenzial neuer Technologien auszuschöpfen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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