Frankreichs Onlinehandel gewinnt im Handelsranking deutlich an Gewicht
Die führenden Onlinehändler in Frankreich haben ihre Position im Einzelhandel 2025 spürbar ausgebaut. Laut dem von LSA veröffentlichten Ranking der 100 größten Vertriebslinien legten die 14 gelisteten Akteure aus dem E-Commerce zusammen um 9,9 Prozent zu und wuchsen damit deutlich schneller als das gesamte Top-100-Feld, das um 4,2 Prozent zulegte. Auch gegenüber dem stationären Lebensmittelhandel, der ein Plus von 3,8 Prozent erreichte, entwickelte sich das Segment überdurchschnittlich stark. Gemeldet wurden die Ergebnisse unter anderem von Stores-Shops.de.
Amazon France erreichte dabei einen historischen Sprung: Mit 25,2 Mrd. Euro Bruttoumsatz übernahm der Konzern erstmals Rang drei im französischen Gesamtranking. Damit liegt Amazon hinter E. Leclerc mit 62,9 Mrd. Euro und Intermarché mit 43,8 Mrd. Euro, aber vor Super U. Der von LSA geschätzte Umsatz stieg um 8,5 Prozent; das entspricht einem zusätzlichen Volumen von rund zwei Mrd. Euro. Als wichtigste Treiber nennt LSA das Wachstum der Marktplatzaktivitäten sowie steigende Serviceumsätze.
Besonders dynamisch entwickelte sich Temu. Der chinesische Generalisten-Marktplatz, der erst im April 2023 in Frankreich gestartet war, steigerte seinen Umsatz um 52,9 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro und kletterte im Gesamtranking auf Platz 30. Damit verbesserte sich Temu gegenüber dem Vorjahr um 15 Ränge. Frédéric Fessart von EY-Parthenon, das die Methodik des LSA-Rankings unterstützte, zählt Temu zu den derzeit dynamischsten Akteuren im französischen Onlinehandel.
Auch Vinted und Back Market zählten zu den klaren Gewinnern. Der litauische Secondhand-Marktplatz Vinted wuchs laut LSA um 36,8 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro und erreichte Rang 18 im Gesamtklassement. Back Market, spezialisiert auf generalüberholte Elektronikprodukte, legte um 32 Prozent zu und überschritt erstmals die Milliardenschwelle. Zalando verbuchte ein Plus von 13,9 Prozent, Ebay steigerte seinen geschätzten Umsatz um 10,4 Prozent auf 2,01 Mrd. Euro. Cdiscount, der größte französische reine Onlinehändler im Feld und Teil der Casino-Gruppe, wuchs dagegen moderater um 3,8 Prozent auf 2,75 Mrd. Euro.
Das starke Gesamtbild verdeckt jedoch deutliche Unterschiede innerhalb des Segments: fünf Plattformen mussten Umsatzrückgänge hinnehmen. Aliexpress verzeichnete mit minus 18,6 Prozent auf 895 Mio. Euro den stärksten absoluten Rückgang und verlor 15 Plätze im LSA-Ranking. Shein fiel trotz eines geschätzten Umsatzes von 2,6 Mrd. Euro um 10,3 Prozent zurück und rutschte auf Rang 29 ab; LSA verweist dabei auf eine temporäre Sperrung der Plattform. Showroomprivé verlor 10,7 Prozent auf 700 Mio. Euro und landete unter den Onlinehändlern auf dem letzten Platz. Auch Veepee mit minus 4,5 Prozent auf 1,78 Mrd. Euro sowie Mano Mano mit minus 1,3 Prozent auf 900 Mio. Euro blieben hinter dem Vorjahr zurück.
Insgesamt zeigt das LSA-Ranking, wie stark internationale Plattformen und Online-Marktplätze den französischen Einzelhandel prägen. Während Amazon seine Spitzenposition im digitalen Handel festigt und Temu sowie Vinted mit hohen Wachstumsraten aufsteigen, geraten einzelne etablierte Anbieter und Shoppingclubs unter Druck. Der französische Onlinehandel bleibt damit ein Wachstumsfeld, entwickelt sich jedoch zunehmend ungleich: Größe, Marktplatzmodell und internationale Reichweite gewinnen weiter an Bedeutung.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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