Amazon erhöht den Einsatz im KI-Wettlauf
Amazon hebt seine diesjährigen Technikinvestitionen deutlich an: Statt der im Februar angekündigten 200 Milliarden Dollar plant der Konzern nun Kapitalausgaben von insgesamt 220 Milliarden Dollar, berichtet ABCNews.com. Der zusätzliche Spielraum soll vor allem in KI-Infrastruktur fließen; daneben nennt CEO Andy Jassy Ausgaben für Roboter, Halbleiter und Satelliten. Als zentralen Grund für die Erhöhung verweist er auf gestiegene Kosten bei Speicherchips.
Bemerkenswert ist weniger die absolute Höhe der Investitionen als die Aussage, dass selbst dieses Niveau nicht ausreichen werde, um die aktuelle Nachfrage vollständig zu bedienen. Jassy machte gegenüber Investoren deutlich, Amazon werde auch mit 220 Milliarden Dollar nicht genügend Kapazität für alle Anfragen in diesem Jahr haben. Diese Dynamik könne sich 2027 fortsetzen; die bereits sichtbare Nachfrage für 2028 sei aus seiner Sicht auffällig. Damit unterstreicht der Konzern, wie stark der Markt für Rechenleistung, Cloud-Dienste und KI-Anwendungen derzeit wächst.
Getragen wird die Investitionsoffensive von einem starken zweiten Quartal. Die Cloud-Sparte AWS legte im Zeitraum April bis Juni um 37 Prozent Wachstum zu – nach 28 Prozent im Vorquartal und damit so schnell wie seit 18 Quartalen nicht mehr. Der Nettogewinn kletterte den Angaben zufolge auf 62,65 Milliarden Dollar. Jassy bezeichnete AWS als „booming“ und verwies darauf, dass die KI- und Chip-Geschäfte jeweils eine Run Rate von mehr als 25 Milliarden Dollar überschritten hätten.
Auch das Handelsgeschäft zeigt operative Fortschritte. Amazon meldete für Prime-Kunden im ersten Halbjahr Rekordwerte bei der Liefergeschwindigkeit: 40 Prozent mehr Artikel wurden noch am selben Tag oder über Nacht zugestellt. Möglich werde dies durch eine Kombination aus Robotik, KI-Technologie und effizienterer Lagerhaltung. Für den E-Commerce bleiben jedoch Kostenrisiken bestehen, darunter höhere Zölle infolge der US-Handelspolitik sowie steigende Versandkosten durch Belastungen bei Öl- und Treibstoffpreisen.
An der Börse überwog zunächst der Optimismus: Die Aktie stieg nachbörslich um mehr als neun Prozent. Zugleich bleibt die Branche unter Beobachtung, weil Investoren zunehmend prüfen, ob die hohen KI-Ausgaben tatsächlich in Produktivität und Gewinne münden. Alphabet hatte seine Investitionsprognose zuletzt ebenfalls angehoben, während Microsoft nach starken Zahlen keine größere Erhöhung der KI-Ausgaben ankündigte. Amazon positioniert sich damit offensiv in einem Markt, in dem Kapazität zur Schlüsselressource wird.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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