Amazon plant eigenes Gaskraftwerk für KI-Rechenzentren in Texas
Amazon finanziert in West-Texas ein groß dimensioniertes Gaskraftwerk, das künftig die eigenen Rechenzentren für KI-Anwendungen versorgen soll. Das Projekt mit dem Namen „GW Ranch“ wird von Pacifico Energy entwickelt und soll nach vorliegenden Genehmigungsunterlagen mit 35 Turbinen eine Leistung von bis zu 7,65 Gigawatt erreichen. Damit wäre die Anlage leistungsstärker als jedes derzeit betriebene Gaskraftwerk in den USA und würde eine Strommenge bereitstellen, die sonst mit Großstädten oder regionalen Netzen verbunden wird, wie FR.de berichtet.
Pacifico Energy beschreibt GW Ranch als privaten Stromerzeugungscampus, der speziell auf Hyperscale-Rechenzentren und KI-Anwendungen ausgerichtet ist. Das Projekt hat demnach eine Luftgenehmigung der texanischen Umweltbehörde TCEQ für gasbasierte Stromerzeugung in der geplanten Größenordnung erhalten. Der Baubeginn war für das erste Quartal 2026 vorgesehen; die erste Stromlieferung könnte Anfang 2027 erfolgen. Nach Angaben des Entwicklers soll der Standort mehr als fünf Gigawatt verlässliche Leistung für große Rechenzentren bereitstellen.
Der Hintergrund ist der stark steigende Energiebedarf großer Technologieunternehmen. Rechenzentren benötigen erhebliche Mengen Strom für Server, Kühlung, Datenspeicherung und Netzstabilität. Mit dem Ausbau generativer KI steigt der Druck auf bestehende Stromnetze, Kraftwerkskapazitäten und Genehmigungsverfahren. In Texas entstehen deshalb vermehrt Modelle, bei denen Rechenzentren direkt mit neuen Kraftwerken verbunden werden. Für Betreiber bedeutet das Versorgungssicherheit und schnellere Skalierung; zugleich kann das öffentliche Netz entlasten.
Amazon betont, die Energieversorgung der eigenen Betriebsabläufe selbst finanzieren zu wollen. Der Konzern argumentiert, dass die Kosten der KI-Entwicklung nicht über Netzentgelte oder Strompreise auf private Haushalte abgewälzt werden sollten. In den USA sind Stromrechnungen zuletzt häufig gestiegen, weil Versorger neue Infrastruktur mit Blick auf den KI-Boom aufbauen und diese Kosten an Verbraucher weiterreichen. Amazon stellt dem entgegen, man wolle die Kosten selbst tragen.
Gleichzeitig verschärft das Vorhaben die Debatte über Energiepolitik und Nachhaltigkeit im Technologiesektor. Amazon verweist seit Jahren auf Investitionen in erneuerbare Energien, darunter Wind- und Solarprojekte in Texas. Ein neues Großkraftwerk auf Gasbasis steht jedoch im Spannungsfeld zu dem Anspruch vieler Tech-Konzerne, ihre Rechenzentren klimafreundlicher zu betreiben. Befürworter sehen darin eine kurzfristig verlässliche Stromquelle, wenn Wind und Sonne nicht ausreichen; Kritiker warnen, der KI-Boom könne neue fossile Kapazitäten schaffen und damit die Klimadebatte um KI weiter verschärfen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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