GameStop rückt von Ebay-Übernahme ab
GameStop erwägt offenbar, seine 56 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte für Ebay zurückzuziehen. Wie berichtet Manager-Magazin.de, steht statt eines Zusammenschlusses nun eine engere Zusammenarbeit im Raum. Bloomberg meldete unter Berufung auf Insider ebenfalls, der Videospielhändler prüfe eine Kooperation oder ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Online-Marktplatz.
Im Kern der neuen Überlegungen steht das Filialnetz von GameStop in den USA. Ebay könnte demnach die rund 1.600 US-Filialen des Unternehmens nutzen, um den margenstarken Handel mit Sammelkarten und weiteren Sammlerobjekten auszubauen. Im Gegenzug würde GameStop einen Sitz im Ebay-Verwaltungsrat erhalten. Eine endgültige Entscheidung ist den Berichten zufolge jedoch noch nicht gefallen; beide Unternehmen waren zunächst nicht für Stellungnahmen erreichbar.
Die ursprüngliche Offerte hatte bereits im Mai für Aufmerksamkeit gesorgt. GameStop bot 125 Dollar je Ebay-Aktie, doch der Onlinekonzern wies den Vorschlag als „weder glaubwürdig noch attraktiv“ zurück. Auch Anleger begegneten dem Vorhaben von Beginn an mit Skepsis: Ebay ist an der Börse deutlich höher bewertet als GameStop, zudem sollte ein großer Teil der möglichen Übernahme offenbar über Schulden finanziert werden.
GameStop hat seine Beteiligung an Ebay zwischenzeitlich aufgestockt und ist mit knapp zehn Prozent derzeit größter Anteilseigner. Konzernchef Ryan Cohen hatte in einem Schreiben an den Aufsichtsratsvorsitzenden von Ebay argumentiert, eine Fusion könne Synergien schaffen, Kosten senken und die Ertragskraft erhöhen. Mit dem möglichen Schwenk zu einer Kooperation würde GameStop nun versuchen, strategischen Einfluss zu sichern, ohne die finanziellen und operativen Risiken einer vollständigen Übernahme tragen zu müssen.
Die Marktreaktion fiel uneinheitlich aus: GameStop-Aktien legten am Montag zuletzt um 1,1 Prozent auf 19,38 Dollar zu, während Ebay-Papiere um 4 Prozent auf 107,43 Dollar nachgaben. Der Kursverlauf spiegelt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Gespräche und die Bewertung der möglichen Zusammenarbeit wider.
Für beide Unternehmen geht es um unterschiedliche Ausgangslagen. GameStop wurde 2021 als sogenannte Meme-Aktie bekannt, kämpft aber weiterhin mit wachsender Onlinekonkurrenz und musste bereits zahlreiche Filialen schließen. Ebay profitiert dagegen von einem starken Geschäft mit Sammlerstücken sowie Ersatzteilen für Autos und Motorräder. Eine Zusammenarbeit im Sammelkartenmarkt könnte beiden Seiten zusätzliche Reichweite verschaffen: Ebay würde stationäre Anlaufstellen erhalten, GameStop könnte seine Filialen stärker monetarisieren und zugleich seine Position als bedeutender Anteilseigner ausbauen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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