Anthropic kennzeichnet Claude-Texte mit unsichtbarem Wasserzeichen
Anthropic führt für seine Claude-Modelle eine neue Kennzeichnung ein: Texte, die von der KI erzeugt werden, erhalten künftig ein nicht wahrnehmbares Wasserzeichen. Es ist direkt in den generierten Text eingebettet, verändert weder Bedeutung noch Lesbarkeit und soll auch beim Kopieren und Einfügen erhalten bleiben. Nach Angaben von Anthropic kann die Markierung zudem leichte Bearbeitungen überstehen. Über die Neuerung berichtet Businessinsider.de.
Die Einführung steht im Zusammenhang mit den Transparenzanforderungen des KI-Gesetzes der Europäischen Union. Claude-Modelle, die am oder nach dem 2. August veröffentlicht werden, unterstützen die Kennzeichnung ab dem Start; ältere Modelle sollen nachgerüstet werden. Die Markierung gilt weltweit für Inhalte, die mit Claude erzeugt werden, auch wenn der Zugriff über Cloud-Anbieter erfolgt. Damit reagiert Anthropic auf wachsende Anforderungen an die Nachvollziehbarkeit von KI-generierten Texten und erfüllt nach eigenen Angaben Verpflichtungen des EU-KI-Gesetzes.
Besonders relevant ist die Neuerung für Bereiche, in denen Urheberschaft und Eigenleistung eine zentrale Rolle spielen: Verlage, Schulen und Universitäten könnten künftig zusätzliche Hinweise erhalten, ob ein Text mit Claude bearbeitet oder erzeugt wurde. In der Verlagsbranche ist der Umgang mit KI-generierten Inhalten bereits ein sensibles Thema. Genannt werden Fälle, in denen Literaturprojekte nach Vorwürfen des KI-Einsatzes unter Druck gerieten, darunter der Krimi „Call Me, I’ll Hide the Body“ und der Horrorroman „Shy Girl“. In beiden Fällen bestritten die genannten Autoren, die Texte selbst mithilfe von KI verfasst zu haben; im Fall von „Shy Girl“ erklärte die Autorin, ein freiberuflicher Lektor habe ohne ihr direktes Wissen KI-generiertes Material eingefügt.
Anthropic plant außerdem, Dritten Erkennungstools zur Verfügung zu stellen. Solche Werkzeuge könnten helfen, Hinweise auf Claude-Markierungen zu finden und damit Prüfprozesse zu unterstützen. Gleichzeitig betont das Unternehmen die Grenzen des Verfahrens: Ein gefundener Marker beweist nicht belastbar, dass Claude der ursprüngliche Verfasser eines Textes war. Schon Korrekturlesen, Übersetzen oder andere Bearbeitungsschritte mit Claude können Spuren hinterlassen. Umgekehrt können umfangreiche Umformulierungen, Übersetzungen oder das Vermischen mit anderen Texten das Wasserzeichen so abschwächen, dass es nicht mehr zuverlässig erkennbar ist.
Die Entwicklung zeigt, dass große KI-Anbieter stärker auf Transparenz und Herkunftsnachweise setzen. Anthropic ist nach den vorliegenden Informationen das zweite große Forschungslabor, das Text-Wasserzeichen einführt. Google DeepMind hatte 2024 angekündigt, Texte und Videos aus der Gemini-App und dem Web mit der SynthID-Technologie zu markieren; eine Bildversion dieser Funktion war bereits 2023 veröffentlicht worden. Für Nutzerinnen, Nutzer und Institutionen entsteht damit ein zusätzlicher Prüfmechanismus – allerdings kein endgültiger Beweis. Entscheidend bleibt, Wasserzeichen als Hinweis statt Urteil zu verstehen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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