Wero kämpft in Deutschland weiter um Sichtbarkeit
Zwei Jahre nach dem offiziellen Start im Juli 2024 bleibt Wero in Deutschland deutlich hinter der Marktdurchdringung etablierter Anbieter zurück. Der europäische Payment-Dienst der European Payments Initiative (EPI) soll eine Alternative zu internationalen Bezahllösungen schaffen, erreicht bislang aber nur einen begrenzten Teil der Bevölkerung. Einer im Juli 2026 durchgeführten Umfrage unter 1.002 Teilnehmenden zufolge kennen nur 39 Prozent der Deutschen Wero als Zahlungsdienst; berichtet Boerse-Express.de. 31 Prozent haben demnach noch nie von Wero gehört, weitere 23 Prozent kennen den Namen lediglich vage.
Die verhaltene Bekanntheit geht mit deutlicher Skepsis einher. Laut Erhebung bezweifeln 58 Prozent der Befragten, dass sich Wero langfristig am Markt durchsetzen wird. Auch bei der tatsächlichen Nutzung zeigt sich kein einheitlich starkes Bild: In den vorliegenden Angaben wird ein Anteil von 64,8 Prozent unter den Personen genannt, die Wero kennen, allerdings mit widersprüchlicher Einordnung zur bisherigen Nutzung. Unabhängig davon verdeutlichen die Zahlen, dass Wero zwar wahrgenommen wird, aber noch nicht den Status eines alltäglichen Bezahlverfahrens erreicht hat.
Besonders klar wird die Herausforderung im Vergleich mit PayPal. Die EPI meldet insgesamt 57 Millionen registrierte Nutzer in Belgien, Frankreich und Deutschland, davon neun Millionen in Deutschland. PayPal kommt hierzulande dagegen auf 35 Millionen aktive Konten. Damit steht Wero vor der Aufgabe, nicht nur Bekanntheit aufzubauen, sondern auch bestehende Zahlungsgewohnheiten zu verändern. Der Wettbewerbsvorteil internationaler Anbieter liegt vor allem in ihrer breiten Akzeptanz, ihrer Vertrautheit im Alltag und ihrer starken Verankerung im digitalen Handel.
Technisch setzt Wero auf das Girokonto der Nutzer und wickelt Zahlungen über Echtzeit-Überweisungen ab. Getragen wird der Dienst von großen Finanzinstituten, darunter Sparkassen, Volksbanken, Deutsche Bank, Postbank und ING. Commerzbank und N26 haben angekündigt, den Dienst künftig zu unterstützen. Andere Institute wie DKB, Targobank und HypoVereinsbank sind hingegen nicht Teil der Initiative. Für Endkunden erfolgt die Einrichtung je nach Bank über die bestehende Banking-App oder über eine separate Wero Wallet.
Um die Relevanz im Alltag zu erhöhen, wird Wero schrittweise in den Handel integriert. Amazon und Lidl unterstützen den Dienst bereits als Zahlungsoption. Zahlungen können innerhalb der Anwendung etwa per QR-Code oder über gespeicherte Kontakte ausgelöst werden. Entscheidend wird nun sein, ob die EPI aus der technischen Infrastruktur und der Bankenunterstützung eine überzeugende Nutzungserfahrung macht. Denn der aktuelle Befund zeigt: Wero besitzt institutionellen Rückhalt, muss aber noch Vertrauen und Reichweite bei Verbrauchern gewinnen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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