OpenAI bringt Werbung in ChatGPT nach Europa
OpenAI bereitet den Start von Werbung in ChatGPT für Nutzerinnen und Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum vor. Betroffen sind die Tarife Free und Go, wobei Go monatlich 7,99 Euro kostet. Die Anzeigen sollen „later this month“ erscheinen; ein genaues Datum nennt OpenAI nicht. Die kostenpflichtigen Tarife Plus, Pro, Enterprise, Business und Education bleiben laut Hinweis werbefrei. Über die Einführung berichtet Trendingtopics.eu. Für die KI-Branche ist der Schritt bemerkenswert, weil große Wettbewerber wie Perplexity, Anthropic mit Claude und Google mit Gemini ihre Chatbots bislang ohne Werbung betreiben.
Die Benachrichtigung an europäische Nutzer kommt von OpenAI Ireland Limited mit Sitz in Dublin. Nach der EU-Datenschutzrichtlinie von OpenAI ist das Unternehmen für die Verarbeitung personenbezogener Daten von Nutzern im EWR und in der Schweiz verantwortlich; zuständige Aufsichtsbehörde ist damit die irische Datenschutzkommission. Die neue Datenschutzerklärung liegt derzeit als Vorschau vor und soll ebenfalls noch in diesem Monat wirksam werden. In den USA läuft ChatGPT-Werbung bereits seit Februar, dort aber offenbar mit mäßigem Erfolg aus Sicht von Werbetreibenden.
Zum Start in Europa sollen Anzeigen ausdrücklich nicht personalisiert sein. OpenAI beschreibt sie als kontextbezogen: Herangezogen werden das aktuelle Thema der laufenden Unterhaltung, der ungefähre Standort, Gerätetyp, Tageszeit und Sprache. Frühere Chats und gespeicherte Memories sollen beim Start nicht genutzt werden. Als Rechtsgrundlage nennt OpenAI für diese generische Werbung ein berechtigtes Interesse nach DSGVO. Personalisierte Werbung soll erst später möglich werden und nur, wenn Nutzer aktiv zustimmen. Damit rückt auch der Datenschutz stärker in den Mittelpunkt der Debatte.
Wer später personalisierte Anzeigen erlaubt, muss laut OpenAI damit rechnen, dass zusätzlich der aktuelle Chatverlauf samt personalisierten Modellantworten, eigene Interaktionen mit Anzeigen sowie frühere Chats und Memories einbezogen werden. Die Einstellungen sollen unter „Settings > Ad controls“ zu finden sein. Dort können Nutzende auch Werbedaten löschen; OpenAI weist darauf hin, dass die Entfernung von den Servern bis zu 30 Tage dauern kann. Für Werbekunden entstehen damit neue Optionen im Marketing, auch wenn offen bleibt, wann europäische Händler selbst Anzeigen schalten können. Interessierte können sich bereits hier registrieren.
OpenAI definiert zugleich klare Ausschlüsse. Anzeigen sollen nicht in der Nähe sensibler oder regulierter Themen wie persönlicher Gesundheit, psychischer Gesundheit oder Politik erscheinen; politische Werbung ist derzeit vollständig untersagt. Ebenfalls ausgenommen sind temporäre Chats, der ChatGPT-Atlas-Browser und Konten, die OpenAI Minderjährigen zuordnet. Diese Einschätzung basiert unter anderem auf angegebenem Alter, Kontoalter, Nutzungszeiten und allgemeinen Gesprächsthemen. Anzeigen werden unterhalb einer Antwort platziert, als „sponsored“ gekennzeichnet und visuell getrennt. OpenAI betont, dass sie die Modellantworten nicht beeinflussen.
Auch die Weitergabe von Daten an Werbetreibende soll begrenzt bleiben. Laut OpenAI erhalten Advertiser nur aggregierte Kennzahlen wie Aufrufe oder Klicks, jedoch keine Chats, Memories, Namen, E-Mail-Adressen, IP-Adressen oder präzisen Standorte. Die neue Datenschutzerklärung nennt zugleich umfassende Datenkategorien, die OpenAI erhebt: Kontoinformationen wie Name, Kontaktdaten, Login-Daten, Geburtsdatum, Zahlungsinformationen und Transaktionshistorie; Nutzerinhalte wie Prompts, Dateien, Bilder, Audio, Video und Daten aus verbundenen Diensten; Kontaktdaten bei verknüpften Adressbüchern; außerdem Log- und Nutzungsdaten wie IP-Adresse, Browsertyp, Zeitstempel, Zeitzone, Land, User-Agent und verwendete Funktionen. Für Free- und Go-Nutzer kommen ausdrücklich Werbehistorie und Interessen hinzu.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
Alle Beiträge