E-Commerce-Betrug erreicht neue Dimension
Betrug im E-Commerce entwickelt sich zu einer der drängendsten Sicherheitsfragen im Onlinehandel. Nach Angaben der US-Verbraucherschutzbehörde FTC haben betrügerische Anzeigen in sozialen Netzwerken amerikanische Verbraucher in diesem Jahr bereits 95 Millionen US-Dollar gekostet, wie Ad-Hoc-News.de berichtet. Die Behörde kritisiert erneut, dass Plattformen Anzeigen häufig ohne ausreichende Prüfung veröffentlichen und damit ein Einfallstor für professionell organisierte Betrugsmaschen schaffen.
Die Bedrohung reicht inzwischen weit über klassische Fake-Shops hinaus. Sicherheitsanalysen zeigen, dass Scams im ersten Halbjahr 2026 bereits 46 Prozent aller erkannten Bedrohungen ausmachten. Gen Digital blockierte in diesem Zeitraum 114,2 Millionen betrügerische E-Shop-Angebote sowie 20,3 Millionen Fälle von Tech-Support-Betrug. Besonders stark nehmen sogenannte Imposter-Scams zu, bei denen Täter unter falscher Identität auftreten: Sie stiegen laut den vorliegenden Daten um 387 Prozent, innerhalb familiärer Strukturen sogar um 454,2 Prozent.
Ein zentraler Risikofaktor bleibt Social Media. Betrüger nutzen bezahlte Anzeigen, gefälschte Markenauftritte und geklonte Websites, um Nutzer auf täuschend echte Portale zu leiten. Die Polizei in Dubai beobachtet verstärkt solche Kampagnen, bei denen sich Kopien bekannter Websites oft nur durch minimale Details vom Original unterscheiden. Parallel warnen Sicherheitsforscher von Huntress vor gefälschten Rückerstattungsmeldungen, die die Infrastruktur von Shopify nachahmen und Kontaktdaten der Täter geschickt in Lieferadressfeldern platzieren.
Auch im Payment-Umfeld steigt der Druck. Die Organisation Which? warnt vor Betrugsmaschen bei Kartenzahlungen, bei denen Täter die Identität von Banken annehmen und Opfer dazu bringen, Zahlungen selbst freizugeben. Genau dieser Umstand erschwert spätere Rückerstattungen erheblich, weil die Transaktionen formal autorisiert wurden. Für Verbraucher wird es dadurch wichtiger, Absender konsequent zu prüfen, Links nicht ungeprüft zu öffnen und vermeintliche Zahlungs- oder Erstattungsaufforderungen kritisch zu hinterfragen.
Die Entwicklung hat auch regionale Schwerpunkte. In Indien stieg die Zahl der Cybervorfälle laut CERT-In von 13,91 Lakh im Jahr 2022 auf 29,44 Lakh im Jahr 2025. Gleichzeitig planen 66 Prozent der indischen Verbraucher laut McAfee, ihre Online-Einkäufe auszuweiten, während 74 Prozent eine höhere Betrugsgefahr wahrnehmen. In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 2 Millionen Beschwerden gegen E-Commerce-Plattformen registriert; allein 2025 waren es 5,1 Lakh Beschwerden, vor allem wegen Nicht-Lieferungen. Genannt wurden unter anderem Flipkart, Amazon und Meesho.
Die Zahlen verdeutlichen eine strukturelle Verschärfung: Betrüger kombinieren technische Nachahmung, soziale Manipulation und automatisierte Kampagnen zu immer glaubwürdigeren Angriffen. Plattformen, Zahlungsanbieter und Verbraucher stehen damit gleichermaßen unter Handlungsdruck. Entscheidend sind künftig strengere Anzeigenprüfungen, verlässliche Verifizierung von Absendern und klare Sicherheitsroutinen beim Online-Einkauf.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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