Chinesische Shopping-Plattformen erreichen die Mehrheit der Verbraucher im Euroraum
Chinesische Online-Plattformen wie AliExpress, Banggood, Shein und Temu sind im Euroraum fest im Einkaufsverhalten vieler Verbraucher verankert. Laut einer groß angelegten Umfrage der Europäischen Zentralbank haben 52 Prozent der Verbraucher im Euroraum bereits mindestens einmal auf einer chinesischen Shopping-Plattform eingekauft, wie Ecommercenews.eu berichtet. Auslöser der Untersuchung war der starke Anstieg niedrigwertiger Sendungen aus China, deren Volumen sich von 2023 auf 2024 verdoppelt hatte und damit auch politische Fragen aufwarf.
Besonders deutlich ist die Nutzung in Südeuropa. In Griechenland liegt der Anteil der Verbraucher, die bereits auf entsprechenden Plattformen eingekauft haben, bei 79 Prozent, in Portugal bei 77 Prozent und in Spanien bei 69 Prozent. Deutlich zurückhaltender zeigen sich dagegen Frankreich mit 43 Prozent und Deutschland mit 40 Prozent. Die EZB spricht von auffälligen Länderunterschieden und verweist auf mögliche Ursachen wie abweichende Konsumgewohnheiten, Bekanntheit der Plattformen, Lieferinfrastruktur, Vertrauen und lokale Handelsalternativen.
Der zentrale Wettbewerbsvorteil der Anbieter liegt nach Einschätzung der EZB in der Kombination aus Preis und Sortiment. Verbraucher nennen vor allem niedrige Preise als entscheidenden Grund für den Einkauf auf chinesischen Plattformen; hinzu kommt eine große Produktauswahl. Damit treffen Anbieter wie Temu, Shein oder AliExpress einen Nerv im europäischen E-Commerce: Wer günstige Artikel in breiter Vielfalt sucht, findet dort ein attraktives Angebot. Geopolitische Bedenken scheinen viele Käufer laut EZB dagegen kaum abzuschrecken — der Preis gibt den Ausschlag.
Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die Dynamik im grenzüberschreitenden Paketaufkommen nachlässt. Nachdem sich die Zahl niedrigwertiger Sendungen aus China im Vorjahr verdoppelt hatte, stiegen die Importe günstiger Pakete 2025 nur noch um 26 Prozent. Am Flughafen Lüttich, einem der wichtigsten europäischen Drehkreuze für chinesische E-Commerce-Sendungen, ist die Entwicklung bereits rückläufig: Im Juli sank die Zahl der Sendungen, die in die Zollzone eintraten, im Jahresvergleich um 24 Prozent und gegenüber Juni sogar um 41 Prozent.
Als wesentlichen Grund nennt der Flughafen die seit dem 1. Juli geltende europäische Maßnahme: Für Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro fällt eine Gebühr von drei Euro an. Diese Regel scheint die Paketströme bereits spürbar zu beeinflussen und könnte die Kostenstruktur im internationalen Versand verändern. Parallel stieg die Zahl der B2C-Sendungen aus China mit einem Wert über 150 Euro um 10 Prozent. Für Handel, Plattformen und Logistik deutet sich damit eine Verschiebung an: Billigpakete geraten stärker unter Druck, während höherwertige Sendungen an Bedeutung gewinnen.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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