Menschen unterschiedlichen Alters nutzen in Seoul selbstverständlich kostenlose staatliche KI-Dienste
© Black Forest Labs / Flux

Südkorea: Kostenlose, unbegrenzte KI für alle

Seoul öffnet seinen Bürgern den kostenlosen, unbegrenzten Zugang zu KI-Werkzeugen, berichtet Futureparty.com. Ein Viertel des Südkoreaner zahle bereits für seine KI-Nutzung, 20 Mio. benutzten kostenlose Alternativen. Durch das staatliche Angebot, das auf heimischen Apps von KT, SK Telecom und Kakao basiere und mit Behördendiensten verdrahtet sei, wolle man die Verbraucher von chinesischen und amerikanischen Systemen weglocken. Auch der komplette Tokenverbrauch sei vom Staat gedeckt. Im September starte der Betatest, der Vollstart folge später im Jahr.

Thomas RehmThomas RehmRedakteur
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Südkorea macht KI zur öffentlichen Infrastruktur

Seoul startet eine staatliche Initiative, die Bürgerinnen und Bürgern kostenlosen, unbegrenzten Zugang zu generativen KI-Werkzeugen geben soll. Wie Futureparty.com berichtet, verfolgt die Regierung damit ein klares industriepolitisches Ziel: Die starke Nutzung von KI im Land soll stärker auf heimische Angebote gelenkt werden. Bislang greifen viele Südkoreanerinnen und Südkoreaner auf amerikanische oder chinesische Systeme zurück.

Der Bedarf ist bereits groß. Nach Angaben aus Seoul zahlt rund ein Viertel der Bevölkerung für generative KI-Dienste, weitere 20 Millionen Menschen nutzen kostenlose Varianten. Zum Vergleich nennt Futureparty einen deutlich niedrigeren Wert für die USA: Dort bezahlen demnach nur 2 Prozent der Bevölkerung für generative KI-Angebote. Südkorea setzt damit bei einer Nutzerbasis an, die bereits im Alltag mit solchen Anwendungen vertraut ist.

Lokale Anbieter, staatliche Anbindung

Bereitgestellt werden die neuen Werkzeuge von drei zentralen koreanischen Plattformakteuren: KT Corporation, SK Telecom und Kakao. Die beiden großen Telekommunikationsunternehmen sowie der Betreiber der populären „Everything App“ sollen eigene KI-Apps veröffentlichen und zugleich Funktionen in bestehende Dienste integrieren. Damit entsteht ein staatlich flankiertes Ökosystem, das private Nutzung, Plattformdienste und Verwaltung enger miteinander verbindet.

Besonders weitreichend ist die geplante Verknüpfung mit Behördendiensten. Die Anwendungen sollen Bürgerinnen und Bürger etwa dabei unterstützen, Arzttermine zu buchen, Hilfe bei der Wohnungssuche zu erhalten oder Steuerfragen zu klären. Damit behandelt Südkorea KI nach Darstellung des Wall Street Journal erstmals wie eine Art öffentliche Grundversorgung. Der Zugang soll ohne Abonnementbarriere erfolgen und auch den Tokenverbrauch abdecken.

Staat übernimmt Kosten des Betriebs

Die Finanzierung ist ein zentraler Bestandteil des Programms. Seoul will die öffentliche Nutzung der Token unterzeichnen; als technische Grundlage werden 512 Nvidia-B200-Chips genannt. Genaue Programmkosten hat die Regierung bislang nicht veröffentlicht. Bekannt ist jedoch, dass für KI-bezogene Ausgaben 2026 insgesamt 7,2 Milliarden US-Dollar vorgesehen sind.

Die Initiative ist damit mehr als ein digitales Serviceangebot. Sie soll lokale Anbieter stärken, Abhängigkeiten von ausländischen Plattformen verringern und den Zugang zu KI-Funktionen in Alltagsprozesse einbauen. Der Betatest beginnt im September, der vollständige Rollout soll später im Jahr folgen; offen bleibt vorerst, wie hoch die laufenden Kosten nach dem Start ausfallen werden.

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Thomas Rehm
RedaktionThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

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