Mitarbeiter in halbleerer Lagerhalle symbolisiert steigende Großinsolvenzen in der Logistik
© Black Forest Labs / Flux

Großinsolvenzen steigen trotz besserer Konjunktur

2 Min.
Teilen

Im ersten Halbjahr rutschten 33 deutsche Unternehmen mit mindestens 50 Mio. Euro Jahresumsatz in die Insolvenz – 10 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, berichtet Manager-Magazin.de. Für 2025 habe der Kreditversicherer Allianz Trade 94 Großpleiten gezählt, den Höchstwert seit Erhebungsbeginn 2015. Vorn liege die Autobranche mit sieben Fällen, dahinter der Einzelhandel mit fünf sowie Maschinenbau und Dienstleistungen mit je vier. Der Durchschnittsumsatz der Insolventen sei um knapp sieben Prozent auf rund 137 Mio. Euro gefallen. Es erwische zunehmend die kleineren Großen.

Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland steigt weiter, obwohl sich die Konjunktur zuletzt aufgehellt hat. Im ersten Halbjahr rutschten 33 deutsche Unternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz in die Insolvenz. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie Manager-Magazin.de unter Berufung auf eine Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade berichtet.

Für 2025 zählte Allianz Trade insgesamt 94 Großpleiten. Damit wurde der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2015 erreicht. Zum Vergleich: 2024 lag die Zahl bei 87, im Jahr davor bei 64. Allianz-Trade-Chef Milo Bogaerts sieht keine schnelle Beruhigung. Der Negativtrend aus dem Vorjahr verfestige sich und zeige, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen weiterhin enorm sei.

Autoindustrie führt die Liste an

Besonders stark betroffen war im ersten Halbjahr die Automobilbranche mit sieben Großinsolvenzen. Dahinter folgte der Einzelhandel mit fünf Fällen. Maschinenbau und Dienstleistungen kamen jeweils auf vier Großpleiten. Die Entwicklung ist auch deshalb relevant, weil größere Firmen häufig eng in Wertschöpfungsketten eingebunden sind. Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten laut Bogaerts häufig auch Zulieferer, Dienstleister und weitere Geschäftspartner unter Druck.

Mit der Zahl der Fälle wuchs auch der wirtschaftliche Schaden. Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen erhöhte sich im ersten Halbjahr um drei Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Zugleich sank der durchschnittliche Umsatz der betroffenen Firmen um knapp sieben Prozent auf rund 137 Millionen Euro. Allianz Trade wertet das als Hinweis darauf, dass zuletzt zunehmend „die kleineren Großen“ in Schwierigkeiten geraten sind.

Hohe Kosten bleiben ein Risiko

Eine nachhaltige Entspannung erwartet Allianz Trade im weiteren Jahresverlauf nicht. Nach Einschätzung von Bogaerts bleiben vor allem Branchen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Firmen mit geringer Preissetzungsmacht anfällig für finanzielle Schieflagen. Diese Einschätzung steht neben zuletzt besseren Wachstumsprognosen: Das Ifo-Institut erwartet für 2026 inzwischen ein Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent, nachdem zuvor 0,8 Prozent prognostiziert worden waren.

Auch international zeigt sich ein angespannteres Bild. In den vergangenen vier Quartalen registrierte Allianz Trade weltweit 504 Großinsolvenzen. Davon entfielen 325 Fälle auf Westeuropa. Deutschland stand dabei für 97 große Insolvenzen und damit für etwa 30 Prozent aller entsprechenden Fälle in der Region, vor Frankreich mit 69, Italien mit 62 und Großbritannien mit 45. Bogaerts fasst die Lage mit einer klaren Zahl zusammen: jede dritte Großinsolvenz in Westeuropa kam zuletzt aus Deutschland.

Teilen
Thomas Rehm
RedaktionThomas Rehm

Redakteur

Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

10.800+ Entscheider lesen das Morning Briefing · ≈ 50 % Öffnungsrate

  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.