Eine ungepatchte Zero-Day-Lücke in Magento und Adobe Commerce dient Angreifern derzeit als Einfallstor, berichtet Golem.de. Über präparierte Styles-Eigenschaften gelange PHP-Code ins System, den der Shop beim Erzeugen von Mails über angeblich gescheiterte Zahlungen ausführe und das noch bevor die Mail überhaupt verschickt sei. Zurück bleibe eine Rust-Backdoor, die auf Befehle warte. Anfällig seien alle unterstützten Versionen bis 2.4.9. Ob das Problem am morgigen Adobe-Patchday gelöst werde, sei noch unklar. Es werde geraten, GraphQL abzuschalten.
Eine bislang ungepatchte Zero-Day-Lücke in Magento und Adobe Commerce wird nach Angaben von Sicherheitsforschern aktiv ausgenutzt. Die Kampagne richtet sich gegen weit verbreitete Shopsysteme im E-Commerce und läuft laut Sansec bereits seit dem 4. September. Golem.de berichtet über die Angriffsmethode, die Sansec als „Stylesmuggler“ bezeichnet.
Schadcode über Styles-Eigenschaften
Im Kern nutzen Angreifer speziell präparierte Styles-Eigenschaften, um Sicherheitsmechanismen anfälliger Shops zu umgehen. Dadurch kann PHP-Code ins System gelangen. Ausgeführt wird er demnach beim Erzeugen von E-Mails, die angeblich auf fehlgeschlagene Zahlungen hinweisen. Das Risiko liegt dabei gerade im technischen Ablauf: Die E-Mail muss nicht geöffnet werden. Laut Sansec wird der Schadcode bereits ausgeführt, während Magento die Nachricht rendert. Selbst eine gescheiterte Zustellung kann den Angriff daher nicht verhindern.
Für Betreiber von Shopsystemen im Onlinehandel ist vor allem ein ungewöhnlich hohes Aufkommen solcher Zahlungsfehler-Mails ein Warnsignal. Es kann auf laufende Angriffe hindeuten, muss aber im jeweiligen System geprüft werden. Die Angreifer versuchen den Angaben zufolge, eine Rust-Anwendung auf dem Zielsystem zu platzieren. Diese läuft im Hintergrund, wartet auf weitere Befehle und dient als Backdoor. Eine weitergehende Ausnutzung dieser Hintertür haben die Forscher bisher nicht beobachtet.
Alle unterstützten Versionen betroffen
Als anfällig gelten laut Sansec alle derzeit unterstützten Versionen von Magento und Adobe Commerce bis einschließlich Version 2.4.9, die am 12. Mai veröffentlicht wurde. Einen Patch gibt es den Angaben zufolge bislang nicht. Damit bleibt unklar, wie lange Betreiber auf technische Gegenmaßnahmen außerhalb eines offiziellen Updates angewiesen sind.
Sansec empfiehlt, GraphQL zu deaktivieren, um möglichen Angriffen vorzubeugen. Zudem verweist der Bericht auf Kompromittierungsindikatoren, die Administratoren bei der Prüfung und Abwehr unterstützen können. Besonders relevant ist die Kontrolle von Fehlerberichten und E-Mails im Zusammenhang mit angeblich fehlgeschlagenen Zahlungen, da genau dieser Prozess für die Ausführung des eingeschleusten Codes genutzt wird.
Das genaue Ausmaß der Angriffswelle ist derzeit offen. Betreiber betroffener Shops sollten die Hinweise dennoch ernst nehmen und ihre Systeme auf Auffälligkeiten prüfen. Der nächste reguläre Adobe-Patchday ist der 8. September; ob an diesem Termin eine Korrektur für die Lücke bereitgestellt wird, bleibt abzuwarten.

etailment
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