Auszubildender zählt Warenbestand mit Mentor im Lager, Sinnbild für Basiskompetenzen im Handel
© Black Forest Labs / Flux
2 Min.
Teilen

Die PISA-Leistungen sind auf einen historischen Tiefstand gesunken, meldet das Ifo-Institut. Wer heute schlechter lese und rechne, verdiene im Erwerbsleben drei bis vier Prozent weniger als der Jahrgang von 2022; gegenüber 2018 sogar neun bis zehn Prozent. Gesamtwirtschaftlich summiere sich das auf Beträge in Billionenhöhe. Schwächere Basiskompetenzen senkten die Produktivität, führten in Berufe mit geringer Wertschöpfung und bremsten die Innovationskraft.

PISA-Abstieg wird zum wirtschaftlichen Risiko

Die Leistungen deutscher 15-Jähriger in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften sind laut der heute veröffentlichten PISA-Studie weiter gesunken und haben einen historischen Tiefstand erreicht. Nach dem Einbruch in der Coronazeit zwischen 2018 und 2022 setzte sich der Rückgang bis 2025 fort, meldet das Ifo-Institut. Für Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, ist das kein reines Bildungsproblem. Grundlegende Kompetenzen seien zentral für Produktivität, individuelle Einkommen und gesamtwirtschaftliches Wachstum.

Das Institut beziffert die langfristigen Folgen deutlich: Der Rückgang der Mathematik- und Leseleistungen seit der PISA-Studie von 2022 entspricht im Erwerbsleben einem durchschnittlichen Einkommensverlust von drei bis vier Prozent. Gegenüber dem Vor-Corona-Niveau von 2018 liegt der Verlust sogar bei neun bis zehn Prozent. Gesamtwirtschaftlich summiert sich der Schaden laut Ifo auf Beträge in Billionenhöhe. Schwächere Basiskompetenzen mindern demnach die Produktivität, erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Tätigkeiten mit geringerer Wertschöpfung und schwächen die Innovationsfähigkeit.

Basiskompetenzen gewinnen durch KI an Gewicht

Wößmann fordert vor diesem Hintergrund ein Umdenken in der Bildungspolitik. Die Vermittlung von Lesen, Rechnen und naturwissenschaftlichem Grundverständnis müsse höchste Priorität erhalten. Gerade weil Künstliche Intelligenz Faktenfragen immer leichter beantworten könne, werde es wichtiger, die richtigen Fragen zu stellen, Antworten kritisch zu prüfen und Problemlösungen zu entwickeln. Für gut bezahlte Hightech-Berufe brauche Deutschland ein Bildungssystem, das auch Spitzenleistungen hervorbringt.

Dass viele westliche Länder ebenfalls Leistungsrückgänge verzeichnen, wertet Wößmann nicht als Entwarnung. Vielmehr sei auch dort Wohlstand gefährdet. Zugleich lägen die Leistungen in vielen ostasiatischen Ländern mehrere Schuljahre vor denen in Deutschland. Der Abstand betrifft damit nicht allein Schulstatistiken, sondern die künftige Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft, die auf qualifizierte Arbeit und Innovation angewiesen ist.

Mehr Transparenz, höhere Standards, frühe Förderung

Als Konsequenz nennt das Ifo mehrere Ansatzpunkte für Schulen, Familien und Bildungspolitik. Lehrkräfte sollten die in der Coronazeit abgesenkten Standards wieder auf das frühere Anspruchsniveau anheben. Eine beobachtete Noteninflation müsse zurückgedreht werden. Familien wiederum sollen Kinder stärker zum Lernen motivieren und dafür begeistern. In der Bildungspolitik könnten jährliche, deutschlandweit einheitliche Tests mehr Transparenz schaffen.

Gleichzeitig sollen Schulen mehr Autonomie erhalten, um die gesetzten Ziele auf passendem Weg zu erreichen. Kinder aus benachteiligten Hintergründen brauchen nach Einschätzung des Instituts gezielte Nachhilfe- und Mentoringprogramme. Frühförderung spielt dabei eine besondere Rolle: Alle Kinder sollten wie in Hamburg mit viereinhalb Jahren einen Sprachtest machen. Wer das Mindestniveau nicht erreicht, erhält anschließend automatisch Förderung.

Teilen
Redaktion
RedaktionRedaktion

etailment

Unter dem Namen Redaktion veröffentlicht das Team von etailment.de gemeinsam recherchierte Nachrichten und Analysen aus dem digitalen Handel.

Alle Beiträge
Morning Briefing

Alles, was heute zählt — jeden Morgen in Ihrem Postfach.

Das Morning Briefing kuratiert die wichtigsten News aus E-Commerce und Handel. Kompakt, einordnend, werktäglich ab 7 Uhr.

10.800+ Entscheider lesen das Morning Briefing · ≈ 50 % Öffnungsrate

  • Werktäglich ab 7 Uhr
  • Jederzeit abbestellbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit möglich.