Jedes zweite deutsche Unternehmen nennt Bürokratie und Regulierung als größtes Standortproblem, zeigt eine Umfrage des Ifo-Instituts. Auf Platz zwei lande mit weitem Abstand die Energie (27 Prozent), dahinter die Arbeitskosten (22 Prozent). Die Klage hänge an der Betriebsgröße: Von den Solo-Selbständigen nenne sie nur jeder Dritte, bei großen Unternehmen seien es 59 Prozent. Der Handel setze einen eigenen Akzent: Ein Viertel der Händler nenne die schwache Wirtschafts- und Auftragslage als Problem, so viele wie in keinem anderen Wirtschaftsbereich.
Die Bürokratie ist aus Sicht der deutschen Unternehmen das größte Standortproblem. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts nennt jedes zweite Unternehmen Bürokratie und Regulierung als wichtigste Belastung. Mit deutlichem Abstand folgen Energiekosten mit 27 Prozent und Arbeitskosten mit 22 Prozent. Weitere häufig genannte Themen sind Fachkräftemangel mit 17 Prozent, politische Rahmenbedingungen mit 16 Prozent sowie Steuern und Abgaben und fehlende Planungssicherheit mit jeweils 13 Prozent.
Bürokratie belastet je nach Größe unterschiedlich
Die Ergebnisse zeigen klare Unterschiede nach Betriebsgröße. Unter Solo-Selbständigen nennt nur jeder Dritte Bürokratie als Problem, bei Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden sind es 41 Prozent. Kleine Unternehmen kommen auf 50 Prozent, mittlere auf 58 Prozent, große Unternehmen auf 59 Prozent. Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Befragungen, erklärt den Effekt mit Personalbindung und ausbleibenden Investitionen: Genehmigungs- und Dokumentationsaufwand könne Vorhaben so stark verteuern, dass sie gar nicht begonnen würden. Dieser zweite Effekt tauche in keiner Statistik auf.
Wohlrabe verweist zudem auf die Kumulation von Pflichten, sobald Betriebe Beschäftigte haben, Anlagen betreiben oder exportieren. Dann greifen mehrere Regelwerke gleichzeitig, etwa Arbeitsrecht, Berichtspflichten und Datenschutz. Selbständige und Kleinstunternehmen fallen aus vielen dieser Anforderungen noch heraus. Ab einer bestimmten Größe treffen viele Pflichten jedoch nahezu gleichzeitig auf den Betrieb.
Handel spürt vor allem die schwache Nachfrage
Auch zwischen den Wirtschaftsbereichen unterscheiden sich die Problemlagen deutlich. In der Industrie nennen 39 Prozent die Energiekosten als Standortproblem, im Dienstleistungssektor sind es 17 Prozent. Das Baugewerbe verweist überdurchschnittlich häufig auf fehlende Fachkräfte mit 29 Prozent und auf langwierige Genehmigungsverfahren mit 13 Prozent. Im Handel steht dagegen die Nachfrage im Vordergrund: 25 Prozent der Händler nennen die allgemeine Wirtschafts- und Auftragslage, mehr als in jedem anderen Wirtschaftsbereich.
Solo-Selbständige setzen andere Schwerpunkte als Unternehmen mit Beschäftigten. Sie nennen häufiger Unsicherheit und fehlende Planbarkeit mit 21 Prozent sowie Steuern und Abgaben mit 17 Prozent. Arbeitskosten und Fachkräftemangel spielen für diese Gruppe dagegen kaum eine Rolle. Die Sonderfrage der ifo Konjunkturumfrage stammt aus dem Juli 2026; ausgewertet wurden 4.449 freie Antworten aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen.

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