Amazon prüft eine Rückkehr in den deutschen Online-Lebensmittelhandel, berichtet Welt.de. Landeschef Rocco Bräuniger beobachte den Markt und wolle weiter investieren, eine konkrete Ankündigung sei das aber nicht. Der erste Versuch endete im Dezember 2024: Nach gut sieben Jahren mauer Nachfrage habe Amazon Fresh dichtgemacht, seither beliefere Knuspr die Restkundschaft. Der Markt habe sich inzwischen aber kräftig umgekrempelt: Rewe und Picnic gäben den Ton an, der Online-Anteil liege bei rund drei Prozent, in Ballungsräumen bei bis zu 15 Prozent.
Amazon lotet neuen Anlauf bei frischen Lebensmitteln aus
Amazon prüft eine Rückkehr in den deutschen Online-Lebensmittelhandel. Wie Welt.de berichtet, beobachtet Deutschlandchef Rocco Bräuniger den Markt und stellt weitere Investitionen in Aussicht. Eine konkrete Ankündigung für Deutschland sei das jedoch noch nicht. Im Hintergrund gewinnt das Thema wieder an Gewicht, weil Amazon weltweit das Zustelltempo erhöht und Same-Day-Lieferungen ausbaut.
Der frühere Versuch mit Amazon Fresh endete erst im Dezember 2024. Das Angebot war seit Mai 2017 in großen Städten wie Berlin, Hamburg und München aktiv und umfasste unter anderem Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Kühlware und frische Backwaren. Nach gut sieben Jahren blieb die Nachfrage jedoch verhalten, das Sortiment wurde im Laufe der Zeit verkleinert. Die verbliebene Kundschaft wird seither über eine Kooperation mit Knuspr bedient, das in Berlin, München, im Rhein-Main-Gebiet und in der Metropolregion Rhein-Neckar aktiv ist.
Schnellere Zustellung als strategischer Hebel
Der neue Blick auf Lebensmittel hängt eng mit Amazons Ausbau der Logistik zusammen. Unter dem Projektnamen „Project Mercury“ treibt der Konzern eine milliardenschwere Expansion seines Same-Day-Liefernetzes voran. Für 2025 verweist Amazon Deutschland bereits auf einen neuen Rekord bei der Liefergeschwindigkeit: Über 500 Millionen Produkte erreichten Prime-Mitglieder am selben oder am nächsten Tag. Bräuniger kündigt an, das Thema schnelle Lieferung in den kommenden Jahren weiter auszubauen.
Deutschland spielt dabei eine besondere Rolle. Der Markt gilt für Amazon als weltweit zweitgrößter nach den USA. Das Netzwerk umfasst hierzulande mehr als 100 Standorte, darunter Verteilzentren, 23 Logistikzentren, neun Sortierzentren und vier Forschungsstandorte. Genannt werden Dresden für Cloud-Techniken, Aachen für Sprachdienste und Tübingen für KI. Seit 2010 hat Amazon nach eigenen Angaben 100 Milliarden Euro in Deutschland investiert, unter anderem in Infrastruktur, Technologie und Vergütung.
Veränderter Markt, starke Wettbewerber
Der deutsche Markt für frische Lebensmittel im Netz hat sich seit dem Start von Amazon Fresh deutlich verschoben. Rewe und Picnic prägen inzwischen das Geschäft, während der Online-Anteil im Lebensmittelhandel insgesamt bei rund drei Prozent liegt. In Ballungsräumen erreicht er nach den vorliegenden Angaben bis zu 15 Prozent. Für Amazon bleibt damit ein Markt im Blick, der klein ist, in urbanen Räumen aber deutlich mehr Zugkraft zeigt.
Parallel reagiert Amazon auf den Druck durch Anbieter wie Temu und Shein. Mit „Amazon Haul“ hat der Konzern ein Billig-Angebot gestartet, bei dem Artikel maximal 20 Euro kosten; die Mehrheit liegt unter zehn Euro oder sogar zwischen einem und drei Euro. Die Lieferung dauert meist zehn bis 14 Tage, weil die Ware direkt aus Fernost kommt. Je nach Warenwert kann zudem die neue Zollgebühr der EU für kleine Pakete anfallen. Konkrete Zahlen zu Haul nennt Bräuniger nicht.
Ob Amazon den deutschen Liefermarkt für frische Lebensmittel erneut direkt angeht, bleibt offen. Fest steht bislang: Der Konzern beobachtet das Segment, baut schnellere Zustellung aus und will weitere Investitionen in Deutschland ankündigen — bei einem Lebensmittel-Onlineanteil von rund drei Prozent.
