Für den Online-Handel ändert der geplante Zusammenschluss der zehn Migros-Regionalgenossenschaften zu einer nationalen Genossenschaft vorerst wenig, analysiert Carpathia.ch. Online seien die Weichen ohnehin gestellt: Mit dem Verkauf mehrerer Fachmärkte sei ein Großteil des Non-Food-Geschäfts verschwunden, Ex Libris wandere zu Galaxus. Migros Online rücke mit seinem Geschäftsfeld „Online Retail“ organisatorisch näher an Digitec Galaxus heran, mit dem Risiko, dass sich der Online-Supermarkt von den Filialen entferne.
Die Migros plant einen historischen Umbau: Die zehn regionalen Genossenschaften und der Migros-Genossenschafts-Bund sollen zu einer nationalen Genossenschaft zusammengeführt werden. Parallel kündigt sich ein doppelter Wechsel an der Spitze an: Migros-Chef Mario Irminger und Peter Diethelm, CEO der Migros Supermarkt AG, sollen ihre operativen Funktionen auf den Zeitpunkt der Abstimmung über die Neuorganisation abgeben. Ziel der Reform ist es, komplexe Strukturen zu vereinfachen, Doppelspurigkeiten abzubauen und Entscheidungen schneller zu machen.
Onlinegeschäft bleibt kurzfristig stabil
Für den Onlinehandel der Migros dürfte sich nach Einschätzung von Carpathia.ch zunächst wenig ändern. Viele Weichen wurden bereits vor der geplanten Einheitsgenossenschaft gestellt. Mit dem Verkauf von Micasa, SportX und weiteren Fachmärkten ist ein Großteil des Non-Food-Geschäfts aus dem Migros-Universum verschwunden. Auch Ex Libris ist bereits auf Kurs Richtung Galaxus: Das Onlinegeschäft soll bis Mitte 2027 dorthin überführt werden.
Organisatorisch rücken Migros Online und Digitec Galaxus im Geschäftsfeld „Online Retail“ näher zusammen. Beide Unternehmen bleiben eigenständig, werden strategisch aber stärker aufeinander bezogen. Daraus entsteht eine klare Richtung: Galaxus prägt den Takt, Migros Online wird stärker auf digitale Effizienz ausgerichtet. Das kann Synergien schaffen, birgt jedoch das Risiko, dass sich der Online-Supermarkt vom stationären Supermarktgeschäft entfernt und die Omnichannel-Erfahrung an Qualität verliert.
Reform hängt an hoher Zustimmung
Bevor der Umbau Wirkung entfalten kann, muss er politisch und rechtlich durchkommen. Mitte 2027 stimmen die regionalen Genossenschafterinnen und Genossenschafter in einer Urabstimmung ab. Für eine gültige Annahme in einer Region braucht es eine Stimmbeteiligung von mindestens 25 Prozent und eine Zweidrittelmehrheit der Ja-Stimmen. Migros-Präsidentin Ursula Nold hat bereits signalisiert, dass bei knappen Nein-Entscheiden einzelner Genossenschaften eine Wiederholung der Abstimmung möglich wäre. Falls eine Mehrheit der Regionen ablehnt, ist laut Darstellung kein Plan B erkennbar.
Für Migros Online könnte eine zentralere Führung dennoch Vorteile bringen. Regionale Sonderwege dürften schwerer werden, was langfristig ein einheitlicheres Einkaufserlebnis für Kundinnen und Kunden ermöglichen könnte. Zugleich stellt sich die Frage, wie stark die Supermarktseite künftig im Verwaltungsrat von Migros Online vertreten bleibt. Seit September sitzen dort mit Florian Teuteberg, Oliver Herren und Hendrik Blenken Blijdenstein mehrere Vertreter von Digitec Galaxus. Offen ist, ob Irminger und Diethelm ihre Mandate abgeben und wer sie ersetzt.
Kommt die nationale Genossenschaft zustande, wären die rund 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter direkter bei der neuen Migros-Struktur angesiedelt. Eine Galaxus-Aktie oder Mitsprache bei einer Auslandsexpansion folgt daraus laut Einordnung jedoch nicht. Der nächste belastbare Prüfpunkt bleibt die Urabstimmung Mitte 2027.
