Amazon liefert seit Freitag wieder selbst Obst, Gemüse und Kühlware in Teilen von Frankfurt, Köln und München am selben Tag, direkt über den Hauptshop und ohne separaten Dienst, berichtet Supermarktblog.com. Das Sortiment wirke aber unfertig, es fehle an Bio-Ware und regionalen Erzeugern. Prime-Mitgliedern liefere Amazon ab 29 Euro gratis, für alle anderen koste jede Lieferung 9,99 Euro und damit mehr als ein Monat Prime-Abo.
Amazon nimmt in Deutschland einen neuen Anlauf mit frischen Lebensmitteln: Seit Freitag können Kund:innen in Teilen von Frankfurt, Köln und München Obst, Gemüse und Kühlware per Same-Day-Lieferung bestellen. Anders als frühere Angebote läuft der Einkauf diesmal direkt über den Hauptshop und nicht über einen separaten Dienst, berichtet Supermarktblog.com. Damit rückt Amazon frische Lebensmittel näher an den regulären Online-Einkauf heran und testet, ob sich der tägliche Bedarf stärker in die bestehende Einkaufsroutine integrieren lässt.
Frischesortiment mit sichtbaren Lücken
Der erste Eindruck fällt gemischt aus. Im virtuellen Frischeregal finden sich unter anderem Bananen, Karotten, Elstar-Äpfel, Paprika, Champignons und Tomaten. Zugleich wirkt das Angebot noch unfertig: Bio-Ware fehlt in der beschriebenen Stichprobe, regionale Erzeuger sind bislang nicht erkennbar eingebunden. Das ist auffällig, weil Amazon beim früheren Fresh-Start in Deutschland Kooperationen mit regionalen Produzenten noch als Besonderheit hervorgehoben hatte. Auch Brot kommt dem Bericht zufolge aktuell eher von großen Marken wie Harry als vom regionalen Bäcker.
Damit startet Amazon in einem Markt, der sich seit den ersten Fresh- und Prime-Now-Versuchen deutlich verändert hat. Anbieter wie Knuspr, Wolt Market, Flink, Flaschenpost, der Rewe-Lieferservice sowie Rewe über Plattformen wie Uber Eats, Wolt und Lieferando haben schnelle Lieferungen für Lebensmittel etabliert. Gerade Knuspr und Rewe setzen dabei sichtbar auf regionale Sortimente. Für Amazon wird deshalb die Frage wichtig, ob sich frühere Partner erneut gewinnen lassen und ob das Sortiment genug Profil bekommt, um neben etablierten Lebensmittel-Lieferdiensten zu bestehen.
Prime als Kern der Preislogik
Deutlich klarer ist die Preisstruktur. Prime-Mitglieder erhalten Lieferungen ab 29 Euro Bestellwert kostenlos; darunter fallen 3,99 Euro an. Kund:innen ohne Prime zahlen laut Amazon-Ankündigung 9,99 Euro pro Lieferung, unabhängig vom Bestellwert. Damit kostet eine einzelne Lieferung mehr als ein Monat Prime, der mit 8,99 Euro angegeben wird. Das macht das Angebot für Nicht-Mitglieder wenig attraktiv und deutet darauf hin, dass Amazon vor allem die bestehende Prime-Kundschaft häufiger in den Shop holen will.
Auch operativ bleiben Fragen offen. Im beschriebenen Test zeigte Amazon für denselben Warenkorb zwei Lieferfenster an: Frische Ware sollte zwischen 18 und 20 Uhr eintreffen, das Trockensortiment zwischen 18 und 22 Uhr. Ob daraus tatsächlich zwei Zustellungen geworden wären, bleibt unklar. Für die Logistik wäre eine Aufteilung nachvollziehbar, für Kund:innen aber unpraktisch. Gerade bei Lebensmitteln zählt ein verlässlicher, gebündelter Einkauf stärker als die reine Geschwindigkeit.
Der Neustart zeigt damit ein strategisches Experiment mit begrenztem Startgebiet und erkennbarem Ausbaupotenzial. Amazon verbindet frische Lebensmittel enger mit dem Hauptshop, bietet Prime-Mitgliedern einen klaren Kostenvorteil und prüft offenbar, ob Same-Day-Lebensmittel zusätzliche Einkaufsfrequenz schaffen. In den USA hat Amazon selbst betont, dass Kund:innen, die frische Lebensmittel per Same-Day bestellen, etwa doppelt so häufig einkaufen. Offen bleibt, ob das deutsche Angebot mit 29 Euro Gratis-Schwelle, aber ohne sichtbare Bio- und Regionalstärke, in Frankfurt, Köln und München denselben Effekt erzielt.
